Noch immer nimmt der Druck auf das Währungsprojekt Libra zu. Die Finanz­minister in Europa haben sich vergangene Woche damit beschäftigt, einige Tage ­zuvor die Aufseher über die US-Finanzmärkte. Sie alle hauen weiter in die gleiche Kerbe: Neue Zahlungssysteme seien gefährlich für die Gesellschaft, eine Bewil­ligung gebe es vorderhand nicht, lauteten jüngst wieder die Voten.

Davon unbeeindruckt treibt die Libra Association die Pläne einer Weltwährung voran. Auch in der Schweiz. So hat die Genfer Stiftung, welche Libra mit etwas Distanz zu Facebook verantwortet, in der Rhonestadt eine neue Firma gegründet. Sie heisst Libra Networks II GmbH und ­beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Finanzierung von Payment-Systemen.

Genfer Finanzierungsvehikel

«Es geht vorwärts, allerdings langsam», erklärt eine Person, welche die Verhältnisse in Genf kennt. Vor allem bei der Anstellung von Personal sei der Aufbau in der Schweiz äusserst gemächlich. Die neue Firma ist ähnlich aufgestellt wie ihre Schwesterfirma Libra Networks GmbH, die schon letzten Frühling in Genf gegründet wurde. Beide unterstützen den Aufbau des Zahlungs­systems und beide können grössere Finanztransaktionen verantworten. Dazu gehören Darlehen an andere direkt oder indirekt verbundene Firmen, aber auch Garantien können übernommen werden.

Im Klartext: Die Libra-Networks-Firmen dürften unter anderem Finanzierungsvehikel für die neue Währung sein. Beide Firmen sind zu 100 Prozent von der Libra Association kontrolliert. Die Stiftung reagierte nicht auf Anfragen. So schweigsam die Organisation, so berühmt ist mittlerweile die noch nicht lancierte Währung: In der Schweiz gilt «Libra» als das Finanzwort des Jahres.

Hinwendung zu neuen Ländern

Auch wenn sich das Projekt in Genf niedergelassen hat, werden westliche Staaten kaum zu den ersten Anwendern der neuen Währung gehören. Vielmehr dürften sich entwickelnde Staaten etwa in Afrika im Fokus stehen.

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In diese Richtung weisen die jüngsten Veränderungen in den Statuten der Libra Association. Dort ist jetzt nicht mehr von einem globalen Zahlungssystem die Rede, sondern von einem Zahlungswerkzeug, das jenen dienen soll, die es am meisten nötig haben. Um den Kreis jener Organisationen zu erweitern, die im Libra-Rat Einsitz nehmen können, verzichtet die ­Organisation nun auf einen bisher prohibitiv hohen Mitgliederbeitrag von 10 Millionen Dollar, wie aus den Ende November geänderten Statuten hervorgeht.

Trotz der Hinwendung zu Entwicklungsländern nimmt die Kritik nicht ab. Heftiger Gegenwind kommt erneut aus Brüssel, wo EU-Rat und EU-Kommission Libra den Weg versperren. Nach einem Treffen der Finanzminister hiess es: Keine neue globale stabile Währung solle in der EU in Kraft treten, bis die rechtlichen, regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Herausforderungen und Risiken angemessen identifiziert und angegangen sind. Wer das Behördentempo kennt, weiss, was das bedeutet: In Europa wird Libra noch lange nicht starten. In den USA klingt die Melodie der Finanzmarktaufsicht ähnlich.

Eine kürzlich in Deutschland erstellte Studie zeigt, dass die Bevölkerung eine harte Gangart nicht befürwortet. 61 Prozent der Befragten votierten gegen ein pauschales Verbot von Libra. Die Libra ­Association geht derweil ihren Weg weiter: Auf dem Libra-Testnetz wurden in den letzten Wochen 50'000 Transaktionen verarbeitet.