Viele Leute kaufen heute über das Internet ein, lösen ihre Bahntickets mit dem Handy und buchen Ferien über eine App. Die Digitalisierung durchdringt immer mehr Lebensbereiche. Jetzt hält sie mehr und mehr auch bei der Altersvorsorge Einzug.

Wer heute seine 3a-Vorsorgegelder in Aktien und Anleihen anlegen will, muss das nicht mehr am Bankschalter erledigen, sondern kann das bequem vom Stubensessel aus tun – mittels einer App. Zudem: Mit der digitalen Vorsorge lassen sich Kosten sparen – und das, je nach gewählter Lösung, nicht zu knapp.

Allgemein wächst die Bedeutung der privaten Vorsorge. AHV und Pensionskassen sind von Finanzierungsproblemen durchgeschüttelt. Da lohnt es sich, pro Jahr maximal 6828 Franken auf ein 3a-Konto einzuzahlen und diesen Betrag nachher vom steuerbaren Einkommen abzuziehen.

Fonds mit unterschiedlichen Aktienanteil

Aber eben: Auf solchen Konten gibt es kaum mehr Zins. Dieser ist mit 0,0 bis 0,4 Prozent historisch tief. Berücksichtigt man die Teuerung von 0,4 Prozent (2019), nimmt das Altersvermögen nicht zu, sondern höchstwahrscheinlich ab. Doch es gibt eine Alternative: 3a-Fonds, mit denen man in Aktien und Anleihen investiert ist. Je höher der Aktienanteil, desto höher sind die Renditechancen. Umso höher ist aber auch das Schwankungsrisiko.

Die «Handelszeitung» präsentiert hier ein weiteres Mal eine Auswertung der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg, die die Qualität der 3a-Fonds unter die Lupe genommen hat. «In letzter Zeit hat es in der 3a-Vorsorgelandschaft viel Bewegung gegeben», sagt Thomas Schudel, der das Ranking für die Hochschule erstellt hat.

«Bei den Wertschriftenlösungen sind innovative Anbieter aufgetreten, die ihre Produkte nur online anbieten.» Neu in der Bewertung enthalten sind die Anbieter Viac, Frankly und Descartes. Es handelt sich um digitale Angebote, bei denen die 3a-Vorsorgegelder mittels einer App angelegt werden können. Es stehen Fonds mit einem unterschied­lichen Aktienanteil bereit.

Neues Angebot der ZKB

Erst im letzten März hat die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ihre App Frankly lanciert. Mit ihr lassen sich Vorsorgegelder vom Handy aus in einen von acht bestehenden Swisscanto-Fonds anlegen. Es gibt je vier aktiv und vier passiv gemanagte Anlageprodukte. Die jährlichen Kosten sind mit einheitlichen 0,48 Prozent attraktiv.

Das Gebührenmodell bei Frankly sei bemerkenswert, sagt Thomas Schudel, «weil es erstens radikal einfach ist und zweitens, weil die Produkte gebührenmässig in direkter Konkurrenz zu den traditionellen Swisscanto-Fonds stehen, die ebenfalls zur ZKB gehören». Gemäss dem Vergleichsdienst Moneyland könnte das neue Angebot der ZKB andere grosse Banken in Zugzwang bringen und längerfristig zu allgemein tieferen Kosten bei 3a-Fonds führen.

Tipps – das müssen Sie wissen

► Maximalbeträge beachten
Dieses Jahr können Angestellte maximal 6826 Franken steuerfrei auf eine 3a-Lösung einbezahlen. Bei den Selbstständigen beträgt der Freibetrag 34128 Franken oder 20 Prozent des Nettoeinkommens.

► Auch kleinere Beträge möglich
Es sind kleinere Einzahlungen als der Maximalbetrag möglich sowie gestaffelte Überweisungen. Es können zum Beispiel monatliche Beträge per Dauerauftrag überwiesen werden.

► Mehrere 3a-Lösungen
Wer mehrere Konten oder Lösungen besitzt, kann das Kapital später gestaffelt über mehrere Jahre beziehen. So lassen sich Kapitalauszahlungssteuern sparen.

► Aktien berücksichtigen
Wer sein 3a-Vorsorgegeld in Aktien investiert, hat eine höhere Renditechance. Zwar steigt mit den Aktien auch das Risiko von Kursverlusten. Doch wer 15 Jahre und mehr investiert bleibt, muss kaum etwas befürchten.

► Vor Jahresende einbezahlen
Die 3a-Überweisungen müssen vor Ende 2020 verbucht sein, damit sie gültig sind. Es lohnt sich, die entsprechenden Einzahlungen einige Tage vorher in Auftrag zu geben, damit die Buchungen rechtzeitig erfolgen.

Hören Sie im Podcast «HZ Insights»: «Gold? Aktien? Was jetzt Rendite bringt.»

Seit letztem Jahr sind auch die Digitalangebote des Unternehmens Descartes Finance auf dem Markt. Dieses will laut eigenen Angaben «die Demokrati­sierung der Finanzdienstleistungen» vorantreiben. Schon 2017 hat das Startup Viac seine digitalen 3a-Fondslösungen lanciert. Viac kooperiert mit der WIR Bank. Die Firma verwaltet heute knapp 400 Millionen Franken Vermögen von 25 000 Kunden und Kundinnen.

Daten der Vergangenheit simuliert

Im Vergleich der Freiburger Hochschule für Wirtschaft sind Produkte mit einer Lebensdauer von unter drei Jahren eigentlich ausgeklammert. Thomas Schudel ist aber überzeugt, dass die digitalen Produkte künftig ihren festen Platz im Markt haben.

«Darum haben wir uns entschlossen, die drei Anbieter schon jetzt in den Check aufzunehmen.» Da die Produkte von Frankly auf langjährigen Swisscanto-Fonds basieren, habe der historische Track-Record gut gerechnet werden können. «Von Descartes und Viac wurden uns Simulationen der Vergangenheit zur Verfügung gestellt.» Prompt haben die Angebote von Frankly und Viac im Vergleich der Fondshäuser mit «Sehr gut» abgeschnitten.

Der 3a-Vorsorgemarkt umfasst heute rund 120 Milliarden Franken und wächst jährlich um etwa 4 Milliarden. 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer besitzen eine Vorsorgelösung, aber nur ein Viertel davon ist in Wertschriften investiert.

Und so wurde getestet

► Vorgehensweise
Die relative Performance und die Risiken über ein, drei und fünf Jahre sowie die Kosten wurden gewichtet und in einem Gesamt-Score erfasst. Produkte, die noch nicht über eine fünfjährige Lebensdauer verfügen, wurden wegen der zu kurzen Historie mit einem leichten Malus bewertet. Die Performance-Daten der Fonds von Viac, Frankly und Descartes wurden teilweise durch Simulationen ermittelt. Andere Fonds mit weniger als drei Jahren Track-Record wurden weggelassen.

► Kosten
Die Performance wurde abzüglich Kosten gemessen. Bei institutionellen Fonds wurde eine Depotgebühr von 0,3 Prozent pro Jahr eingerechnet, die bei Retailprodukten meist bereits in den Fondskosten enthalten ist. Bei Retailfonds, die es nicht ohne eine Verwahrungsgebühr zu kaufen gibt, wurde dies beim Ausweis der Performance berücksichtigt.

► Vergleichsindex
Um jeden Fonds bezüglich seines Risikoprofils angemessen beurteilen zu können, wurde er anhand seines Aktienanteils mit einem entsprechenden Index verglichen, der Benchmark genannt wird.

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