Die Renditen im Anleihenmarkt sind aufgrund der Negativzinspolitik der Zentralbanken genauso ausgetrocknet wie die Zinsen auf Sparkonten.Im besten Fall freut sich der Anleger heute darüber, dass die eigene Bank auf Geldeinlagen (noch) keine Negativzinsen erhebt. Gleichzeitig hat die massive Liquiditätsspritze der Zentralbanken zu sprudelnden Gewinnen bei den Unternehmen geführt.

Die Unternehmen haben jedoch selbst zunehmend Schwierigkeiten, lukrative Investitionsmöglichkeiten zu finden, um ihre Cashbestände zu begrenzen. Dies führt zu einer Erhöhung der Dividenden und Ausschüttungsquote.

Dividendenrendite als alleinstehende Kennzahl trügt

Daher dürfen sich auch in der kommenden Dividendensaison Anleger weltweit über neue Rekordausschüttungen freuen. Wer jedoch nur auf die Dividendenrendite schaut, könnte schnell das Nachsehen haben.

Neben einer hohen Dividendenrendite sollten Investoren auch einen Blick auf die Dividendenpolitik des Unternehmens und die grundsätzliche Geschäftsentwicklung werfen.

Fällt zum Beispiel der Kurs der Aktie, so hat dies zunächst positive Auswirkungen auf die Dividendenrendite. Ob der Kursrückgang jedoch einen Zusammenhang mit den Fundamentaldaten des Unternehmens hat und somit die Dividendenkontinuität gefährdet oder sonstige Faktoren zum Kursrückgang geführt haben, sollte der Anleger vor der Investmententscheidung genau verstehen.

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Vergleich: Swisscom vs. Nestlé

Vergleicht man zum Beispiel Swisscom mit Nestlé wird schnell klar, wieso der isolierte Blick auf die Dividendenrendite zu kurz greift.

Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 4,29 Prozent erscheinen die Anteilsscheine des Schweizer Telekomriesen im Vergleich zu Nestlé mit einer Rendite von lediglich 2,45 Prozent sehr attraktiv.

Und auch im Vergleich zur langfristigen Durchschnittsrendite des SMI von aktuell 3,3 Prozent dürfte dem renditeversierten Investor das Herz höherschlagen. Doch die Dividendenrendite als alleinstehende Kennzahl trügt, da die Swisscom im Fünf-Jahresvergleich gleich auf mehreren Ebenen den Aktien von Nestlé hinterherläuft.

Mangelnde Investitionsmöglichkeiten bei Swisscom?

Während Nestlé den Gewinn je Aktie seit 2014 um nahezu ein Drittel steigern konnte, fiel dieser bei Swisscom in der gleichen Zeit um gut 8 Prozent. Die positive Geschäftsentwicklung bescherte den Nestlé-Aktionären eine sukzessive Erhöhung der Dividende von 2,15 Franken in 2014 auf 2,45 Franken in 2019.

Anteilseigner der Swisscom hatten mit einer konstanten Dividende von 22 Franken das Nachsehen. Weiter interessant ist auch die unterschiedlichen Ausschüttungsquoten zu vergleichen. Während nämlich Swisscom fast drei Viertel der erzielten Gewinne an die Aktionäre ausschüttet, liegt die Ausschüttungsquote bei Nestlé mit 55 Prozent klar darunter.

Zum einen hat dies den Vorteil, dass Nestlé mehr Spielraum hat auch in schwierigeren Zeiten eine Politik der stetigen Dividendenerhöhungen durchzusetzen. Zum anderen könnte die hohe Ausschüttungsquote bei Swisscom ein Indiz für mangelnde Investitionsmöglichkeiten sein.

Der Total Return Investor hat den Vorteil

Dass Swisscom durch die zunehmende Konkurrenz auf dem Schweizer Heimatmarkt zunehmend unter Druck gerät, lässt sich schliesslich auch am Aktienkurs ablesen.

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Mit -2 Prozent seit dem 1.1.2015 liegt die Aktienperformance nicht nur deutlich hinter der des SMI mit +22 Prozent sondern auch klar hinter Nestlé, die um satte 44 Prozent zulegen konnte. Ein Investor der eine reine Dividendenstrategie verfolgt, hätte gegenüber dem Investor mit einem Total Return Ansatz somit einen klaren Nachteil.

Der gewählte Vergleich zeigt somit eindrücklich, dass eine hohe Dividendenrendite als alleinstehende Kennzahl den Anforderungen versierter Investoren nicht gerecht wird. Eine Analyse der Unternehmensentwicklung mit Blick auf die Entwicklungen des Gesamtmarkts bleiben daher unerlässlich.

*Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Christos Maloussis, Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

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