Wer hoffe, mit Corona-­Mitteln oder -Tests viel Geld zu verdienen, werde wahrscheinlich enttäuscht werden, so Daniel Koller, Anlagechef bei der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech.

Es sei natürlich sehr zu begrüssen, dass jetzt viele Investitionen sowohl in die Forschung und Entwicklung als auch in die Produk­tion rund um das Coronavirus fliessen.

Rein finanziell werde sich das aber kaum so auszahlen, wie sich das jetzt einige Anleger erhofften, die die Preise von einzelnen Biotech-Aktien in die Höhe getrieben hätten. «Die Erwartungen in die Preise dieser Aktien sind schon sehr hoch gestiegen, wahrscheinlich zu hoch», sagt Koller.

«Pandemie ist kein Geschäftsmodell»

Das hängt auch damit zusammen, dass im Umfeld dieser weltweiten Pandemie kaum allzu hohe Preise am Markt durchsetzbar sein würden. Man stelle sich vor, ein Impfstoff würde gefunden, dann aber im Preis so hoch gesetzt, dass ihn sich ­viele Menschen nicht leisten könnten.

«Politisch wird das kaum möglich sein», sagt Koller. Firmen mit Produkten in diesem Bereich könnten nicht ihre Margen, sondern eher ihr Image verbessern. Ähnlich wie Roche das schon gezeigt habe.

Portrait von Dr. Daniel Koller, BB Biotech

Der Biotech-Experte: Daniel Koller ist Head Investment Management bei der auf Anlagen in Biotechfirmen spezialisierten Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech. Koller absolvierte ein Studium in Biochemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich und promovierte dort auch in Biotechnologie.

 
Quelle: BB Biotech
Anzeige

«Eine Pandemie ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell», so Koller weiter. Ganz im Gegensatz zu den chronischen Krankheiten, zu denen viele der Firmen forschen, in welche die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech investiert ist.

Potenzial sieht Koller vor allem bei den kleineren und mittel­grossen Biotech-Unternehmen. «Während die Aktien von vielen grossen Biotech-­Firmen wie Gilead Sciences dieses Jahr im Plus sind, hinken die kleineren hinterher, sind teilweise bis zu 60 Prozent im Minus», sagt Koller.

Eine Firma mit Langzeitpotenzial

Von den Firmen aus dem Portfolio von BB Biotech nennt er vor allem drei: Neurocrine Biosciences, Radius Health und Intra Cellular. Bei allen drei geht er davon aus, dass diese mit dem Kapital in ihrer Bilanz die Corona-Krise gut durchstehen.

Das Biopharma-Unternehmen Neurocrine hat ein Medikament auf dem Markt, das gegen Nebenwirkungen von Psychopharmaka wirkt – gegen die Spätdyskinesie, eine medikamentös ausgelöste Bewegungsstörung.

Grafik -  Neurocrine Biosciences
Quelle: Teletrader.com Publisher

Im vierten Quartal 2019 erwirtschaftete das Unternehmen mit dem Medikament einen Umsatz von 237 Millionen Dollar, bereits im Jahr 2020 könnte der Umsatz auf 1 Milliarde hochschnellen und mit dem Langzeitpotenzial des Medikaments könnte gar ein Umsatz von bis zu 3 Milliarden Dollar erzielt werden. Die Firma ist bereits profitabel und an der Börse rund 8 Milliarden Dollar wert.

Täglich gespritzt

Radius Health hat ein Medikament zur Behandlung von Osteoporose – einer Krankheit, von der vor allem Frauen be­troffen sind. Damit erwartet die Firma für dieses Jahr einen Umsatz von rund 230 Millionen Dollar. Allerdings muss dieses ­Medikament – wie ähnliche Konkurrenzprodukte auch – täglich gespritzt werden.

Grafik - Radius Health
Quelle: Teletrader.com Publisher

Die Prozedur ist so unangenehm, dass viele Osteoporose-Patientinnen das Medikament gar nicht nehmen. Radius arbeitet nun an einem Pflaster, das ähnlich wie die Spritzen wirken soll. Das könnte die Anzahl Patienten und Patientinnen, die das Medikament nehmen, von einigen zehntausend auf ein Vielfaches ausweiten.

Anzeige

«Fast jede dritte Frau wird im Alter über fünfzig Jahren einen durch Osteoporose begründeten Knochenbruch erleiden», sagt Koller dazu. Wird das Pflaster ein Erfolg, dann dürfte der Wert der Firma von heute 600 Millionen Dollar deutlich steigen. 

Grafik Intra-Cellular Therapies
Quelle: Teletrader.com Publisher

Intra-Cellular hat erst vor wenigen ­Wochen das Schizophrenie-Medikament Caplyta lanciert. Es zeige weniger Nebenwirkungen als Konkurrenzprodukte, so Koller. Im Sommer sollen Tests neue Resultate liefern, ob das Medikament auch für Menschen mit bipolarer Störung wirksam ist.

Die Firma ist derzeit rund 1 Mil­liarde Dollar wert. «Die Hälfte davon ist Cash in der Bilanz», sagt Koller. Die Aktie müsste sich im Wert rund verdoppeln, um wieder auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn anzukommen.

Jetzt traden

Eröffnen Sie bei cash.ch ein Trading-Konto für 29 Franken pro Transaktion

Jetzt traden
Placeholder
Anzeige