St. Moritz hat deutlich mehr zu bieten als Jetset und Luxus. Dennoch: Wer mit dem Glamour nichts anzufangen weiss, dürfte um den Nobelort im Oberengadin einen Bogen machen. Wem aber ein Platz im prämierten Gourmettempel oder der Besuch einer exklusiven Veranstaltung wichtiger ist als eine anspruchsvolle Talabfahrt, kommt hier voll auf seine Rechnung.

Es gibt viele Gründe, weshalb man sich für den einen oder anderen Ort entscheidet, wenn es um den Kauf einer Ferienimmobilie in einer Skiregion geht – das zauberhafte Panorama, die Nähe zum Wohnort oder ein abwechslungsreiches Angebot auf und neben den Pisten. Wenn aber alle Destinationen ein Angebot auf hohem Level bieten, erhält das Image der Region eine besonders hohe Bedeutung.

Die extravagante Alpendestination

So stellt man sich auch in St. Moritz derzeit die Frage, ob das Image des Ortes noch dem Zeitgeist entspricht. Hinterfragt wird «Top of the World», der Slogan, der die Region während Jahren prägte. Heute präsentiert sich St. Moritz als extravagante Alpendestination. «Hier verschmelzen Glamour, Lifestyle, Sport und wilde Natur zu einem exklusiven Cocktail, der jede Grossstadt in den Schatten stellt», heisst es auf der Homepage der 5000-Seelen-Gemeinde, die an Spitzentagen über Weihnachten und Neujahr zu einer Kleinstadt mit über 20 000 Menschen mutiert.

«Das Image einer Destination muss Hand und Fuss haben und auf grundlegenden Faktoren basieren – dann hat es auch einen preisstabilisierenden Effekt auf den Immobilienmarkt», sagt Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring beim Beratungsunternehmen Wüest Partner.

An diesem Fundament fehlt es St. Moritz ganz sicher nicht. Gleich fünf Luxus-Grandhotels befinden sich im Ort, die Dichte an Restaurants der Spitzengastronomie ist hoch. Und auch die Kunstliebhaber kommen auf ihre Kosten: Gleich vier Museen hat die Engadiner Alpenmetropole zu bieten, neben mehreren illustren Galerien von Karsten Greve bis hin zu Künstlersohn Vito Schnabel. Für einen Genussmenschen, mit einem entsprechend gut gefüllten Geldbeutel wohlgemerkt, dürfte St. Moritz die bevorzugte Destination sein, wenn es um den Kauf einer Ferienimmobilie geht.

St. Moritz Engadin Drohnenshow Immobilien

Hier zeigt man es: St. Moritz mit Drohnenshow am 1. Januar 2020.

Quelle: Keystone
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Auch der Zeitpunkt scheint gerade günstig. Die Preise sind zurückgekommen, seit 2013 um mehr als 9 Prozent. «St. Moritz fehlt die Nachfrage aus Italien», sagt Weinert. Ansonsten scheint sich die Unsicherheit, die mit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative einherging, gelegt zu haben – wie in den übrigen Bergdestinationen der Schweiz auch. Nach einer Neubauwelle und dem dadurch resultierenden Überangebot hat sich die Lage in den Hotspots wieder eher normalisiert.

Inzwischen ist die Anzahl Immobilien, die zum Verkauf stehen, im Verhältnis zum Bestand im Oberengadin wieder rückläufig. Es wird nur noch wenig gebaut.

Daher ist es für Barbara Derksen vom Immobilienmakler Engel & Völkers in St. Moritz derzeit der richtige Zeitpunkt, eine passende Liegenschaft zu erwerben. «Da aufgrund der geografischen und politischen Situation die Erschliessung grösserer Bauabschnitte zukünftig kaum möglich sein wird, wird sich das Immobilienangebot in den kommenden vier bis fünf Jahren wieder stark verknappen», ist sie überzeugt.

Sehen und gesehen werden – wer der Losung von St. Moritz nichts abgewinnen kann, findet in Andermatt die ersehnte Ruhe und Abgeschiedenheit – derzeit zumindest noch. Der Ort durchlebt seit einigen Jahren einen spürbaren Wandel. Mit dem Einstieg von Samih Sawiris und Investitionen von bisher über 1 Milliarde Franken in Immobilien und Infrastruktur soll aus dem beschaulichen Dorf eine attraktive Feriendestination werden.

Inzwischen wurden bereits einige Meilensteine erreicht: zwei von sechs geplanten Hotels im Vier- bis Fünf-Sterne-Segment und 8 von 42 Apartmenthäusern sind fertiggestellt, ein Golfplatz sowie eine Konzerthalle wurden eingeweiht. Läuft alles nach Plan, sollen in den kommenden Jahren allmählich die übrigen Bauten realisiert werden.

Diskretion im «Chedi»

Louis van Gaal, Bernhard Russi oder Andermatt-Investor Sawiris selber sind aktuelle Aushängeschilder der neuen Wintersportdestination am Fusse des Gemsstocks. Die Liste ist kurz – das ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass nicht hin und wieder Prominente den Weg nach Andermatt und dort ins Luxushotel The Chedi finden. «Die Namen möchte ich nicht nennen, wir legen grossen Wert auf Diskretion», sagt Vanessa Kuhn, Sprecherin der Betriebs- und Vermarktungsfirma Andermatt Swiss Alps.

Diese Abgeschiedenheit auf über 1400 Metern Höhe scheint auch bei den Immobilieninvestoren auf Anklang zu stossen – oder sie zumindest nicht von einem Kauf abzuschrecken. So sind heute bereits 90 Prozent der fertiggestellten Objekte verkauft. «Und die Nachfrage hält unvermindert an», so Kuhn. Anders als in vielen anderen Wintersportdestinationen zeigte die Entwicklung der Immobilienpreise in den vergangenen sechs Jahren markant nach oben. Die Transaktionspreise für Eigentumswohnungen sind um über 40 Prozent gestiegen.

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Trotzdem ist Thomas Frigo, Geschäftsführer Engel & Völkers Wohnen Schweiz, für Andermatt nach wie vor positiv gestimmt. «Das meiste Potenzial sehen wir in aufkommenden, jüngeren und preislich moderateren Skidestinationen.» Zumal den Gästen im Urserental nach dem Zusammenschluss der Skigebiete von Andermatt, Sedrun und Disentis zur Skiarena neu 180 Pistenkilometer und 33 Anlagen zur Verfügung stehen. Damit gehört die Destination zu den grössten.

Unendliche Weiten für Wintersportler

Trotz der neuen Grösse – mit den Portes du Soleil im Unterwallis, die grenzübergreifend 14 Skigebiete, 209 Anlagen und über 650 Kilometer Piste verbinden, kann die neue Arena nicht mithalten. Das nach eigenen Angaben grösste Skigebiet der Welt ist für passionierte Skifahrer und Snowboarder ein wahr gewordener Traum: Wer hier in einer Woche mehr als einmal dieselbe Strecke hinuntergleitet, dürfte sich verfahren haben.

«Zermatt ist sehr exklusiv: Es gibt wenige Angebote und eine grosse Nachfrage.»

Marieke Amacker, Engel & Völkers Valais

In die Portes du Soleil gelangen die Wintersportler unter anderem über den Ferienort Champéry. Die Gemeinde an der Grenze zu Frankreich gilt als eine der ältesten touristischen Destinationen der Schweiz. Das Dorfbild ist geprägt von Häusern im regionaltypischen Chaletstil und verbindet modernen Komfort mit historischem Charme.

Ein Blick auf die Transaktionspreise der Immobilien zeigt allerdings, dass am Fusse der Dents du Midi die Preise innerhalb von fünf Jahren um fast 15 Prozent gefallen sind. Ein Grund für den Rückgang ist in der Zweitwohnungsinitiative und deren Umsetzung auszumachen. Zudem ist der Verkauf von Ferienimmobilien an ausländische Staatsangehörige ins Stocken geraten. Um dennoch neue Wintersportler ins grenzüberschreitende Skigebiet zu locken, ködern die Portes du Soleil die Gäste mit äusserst günstigen Saisonabos.

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Touristenmagnet Matterhorn

Was in Champéry seit 1964 möglich ist, soll zukünftig auch in Zermatt gelingen: das Skivergnügen bis ins Ausland. Geplant ist bis 2021 eine Verbindung mit Cervinia in Italien. Doch auch ohne diese neue Attraktion ist der Walliser Bergort eine der beliebtesten Destinationen der Schweiz. 2018 verzeichnete die Gemeinde im Mattertal über 1,4 Millionen Logiernächte – mehr noch als die Stadt Luzern. Dem Matterhorn sei Dank. Das Wahrzeichen zieht während des ganzen Jahres Touristen aus dem In- und Ausland an.

Daneben profitiert Zermatt laut Marieke Amacker von Engel & Völkers Valais von Anstrengungen der Gemeinde, der Bergbahnen und der Hoteleigentümer. Sie investieren gemeinsam viel Zeit und Geld, um ein erfreuliches Bild nach aussen zu transportieren. Dies wiederum widerspiegle sich im Konsumentenvertrauen und in einer höheren Immobiliennachfrage, ist sie überzeugt. «Der Immobilienmarkt in Zermatt ist sehr exklusiv. Es gibt eine grosse Nachfrage und wenig Angebot», erklärt Amacker. Der Ort biete verhältnismässig viele Hotels, weshalb es relativ wenige Ferienwohnungen gebe. Insgesamt zeigte die Preisentwicklung seit 2013 nach unten. Die Party findet woanders statt.

Legendäre Partys am WEF

Zum Beispiel in Davos. Die höchstgelegene Stadt Europas hat für das junge und jung gebliebene Partyvolk einiges zu bieten. Lokale wie das «Pöstli», die «Jatzhütte» oder die «Bolgenschanze» sind den Leuten weit über das Prättigau hinaus ein Begriff und haben schon manchen Nachtschwärmer dazu bewogen, den Feierabend nicht im Flachland, sondern in den Bergen zu verbringen. Legendär sind auch die Feiern am World Economic Forum (WEF) im Januar oder an den Snowboard-Wettkämpfen im Februar.

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Wer in Davos die Ruhe eines verschlafenen Dorfes sucht, liegt sicherlich falsch. Viel eher bietet die Winterdestination eine städtische Infrastruktur, gepaart mit einer breiten Auswahl an Sport- und Freizeitmöglichkeiten in einer eindrücklichen Berglandschaft. «Dies zieht zahlreiche nationale und internationale Ferien- und Wochenendgäste an», weiss Jan Christmann von Engel & Völkers Davos, Flims und Chur. Dadurch bleibe auch das Interesse an Chalets ungebrochen hoch.

Aber: «Aufgrund des Mangels an passenden Verkaufsobjekten kann diese Nachfrage nicht befriedigt werden», so Christmann. Bei den Eigentumswohnungen dagegen sieht es anders aus: Hier übersteigt das Angebot nach wie vor die Nachfrage. Gesucht seien derzeit hauptsächlich Eigenheime, so Christmann – allerdings nicht im Partytrubel, sondern an gut besonnten Lagen.