Nach der Ausstrahlung einer ZDF-Reportage im April erlitt Werner Schönthaler ein Burnout. Der 44-jährige Südtiroler Bauproduktehersteller hatte im Beitrag gezeigt, wie aus Hanf und Kalk Mauersteine entstehen und diese als Wand und Isolator zugleich verwendet werden. Drei Millionen Leute sahen den Film. Daraufhin wurde er mit Mails und Anrufen bombardiert. Er schaffte es nicht, den Ansturm zu bewältigen, und wurde krank. Bauherren, Baubiologen, Architekten rannten ihm die Bude ein. Und sogar Hanfdealer suchten seine Ziegel als Dekor. Dabei hat sein Produkt nichts mit Marihuana zu tun.

Der Rohstoff ist sogenannter Industrie- oder Nutzhanf. Er ist optisch kaum vom Marihuana-Hanf zu unterscheiden, enthält aber ganz wenig des Rauschmittels THC, das einen Joint ausmacht. Die Blüte des Nutzhanfs ist hingegen reich am Wirkstoff CBD, der in der Medizin, Kosmetik und für Lebensmittel verwendet wird. Seine Stängel werden gedroschen. So trennen sie sich in Fasern und Holzteile auf. Aus Fasern entstehen Kleider und Isolation. Die Holzteile werden mit Kalk und Wasser gemischt, in eine Form gegossen und getrocknet. So entstehen Schönthalers Ziegel. Sie sind feuerfest und isolieren so gut, dass sich mit 34 Zentimetern Wand ein Minergiehaus bauen liesse.