Leoni – vor einigen Jahren noch ein ganz stolzes Schlachtschiff im Bereich der Nebenwerte. Der Zulieferer der Autoindustrie notierte bis vor rund zwei Jahren noch im MDAX, dem grossen Index der Firmen aus der zweiten Reihe in Deutschland.

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisiert. Die jährliche Performance des Musterdepots seit Start im April 2010 beträgt +14,6 Prozent (DAX: +7,8 Prozent).

Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. In diesem Beitrag besprochene Aktien können zum Anlageuniversum zählen.

Bei einem Umsatz von rund fünf Milliarden Euro brachte es der Hersteller von Kabeln und Bordnetzen für die Autoindustrie aber auch für verschiedene Industriebereiche wie etwa die Stromerzeuger immerhin auch noch auf einen Börsenwert von mehr als zwei Milliarden Euro.

Doch es gab Probleme mit der Profitabilität und mit dem Mittelzufluss. Wegen hoher Investitionen in die Expansion und in neue Werke verzeichnete der Konzern aus Nürnberg notorisch einen negativen free Cashflow. Wenn aber mehr Geld aus einem Unternehmen fliesst als reinkommt, kann das auf Dauer auch nicht gut sein.

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Der Automarkt könnte vor dem grossen Boom stehen

Tatsächlich rauschte Leoni dann vom Allzeithoch Anfang 2018 bis vergangenen Oktober mehr als zwei Jahre nur noch in den Keller und verlor mehr als 90 Prozent an Wert. Aktuell kostet das Unternehmen an der Börse nur noch 240 Millionen Euro.

Der MDAX ist passé, auch die Mitgliedschaft im kleineren SDAX ist schon längst vorbei. Nicht wenige Analysten und Börsianer rechneten bei den Franken insbesondere auch wegen des notorisch hohen negativen free Cashflow früher oder später mit der Pleite.

Nun allerdings wittern risikobereite Anleger eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Es gibt zwei Gründe. Zum einen der Wiederaufschwung der Autoindustrie aus dem Corona-Tief. Nach der Absatzdelle im vergangenen Jahr rechnen Branchenkenner für dieses Jahr mit einem Boom am Fahrzeugmarkt.

Für Deutschland, den grössten Markt in Europa, werden Zulassungszahlen auf oder sogar über dem Vor-Corona-Niveau vorausgesagt. Und in China, dem grössten Automarkt der Welt, geht es schon seit Monaten wieder steil bergauf. Im November etwa lag die Zahl der Neuzulassungen im Reich der Mitte 11,6 Prozent über Vorjahr.

Der Turnaround läuft auf vollen Touren…

Die Aktien von Autobauern sind wegen der erhellten Perspektiven auch schon längst wieder aus dem Kurskeller. Leoni dagegen notiert immer noch 40 Prozent unter den Hochs vor einem Jahr. Dabei kommt zum erwarteten Aufschwung des Sektors obendrein auch noch der Umbau des Konzerns schneller voran als gedacht.

Zwar verbuchten die Nürnberger im dritten Quartal wegen noch nicht vollständig normalisierter Produktion einen Umsatzrückgang um 7,9 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Doch wichtige Meilensteine im Turnaround waren erreicht.

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Aus einem Mittelabfluss im Vorjahreszeitraum von zehn Millionen Euro wurde nun ein freier Cashflow von 64 Millionen Euro. Der operative Verlust halbierte sich auf 31 Millionen Euro und die Massnahmen zur Erreichung der Sparziele liegen über Plan.

… schon im nächsten Jahr sind Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro drin

Ab 2020 sollen die Kosten 500 Millionen Euro oder mehr als zehn Prozent zurückgehen. Kostensenkungen und ein möglicher Schub durch die Wiederbelebung der Autoindustrie könnten Leoni im nächsten Jahr wieder Gewinne von 1,0 Euro je Aktie und mehr bescheren. Bei einem 7er-KGV hat die Aktie das Zeug zum Verdoppler.

Leoni AG

ISIN: DE0005408884

Gewinn je Aktie 2022e: 1,0 €

KGV 2022e: 7,4

Dividende/Rendite 2020e: -/-

EK je Aktie: 11,02 €

EK-Quote: 10,2%

KBV: 0,7 

Kurs/Ziel/Stopp: 7,40/9,80/5,20 €

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