A little toddler in the garden, watering plants with can.

Rendite fürs Leben: Eltern erzählen, wie sie Geld für Kinder anlegen

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 27.12.2020

Im Garten pflanzen ist konkret, Aktien kaufen abstrakt: Eltern suchen Wege, um für ihre Kindern komplexes Geldwissen erlebbar zu machen.

Quelle: Getty Images

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Wenn Eltern für ihre Kinder Aktien kaufen, geht es nicht um maximalen Profit. Im besten Fall nimmt der Nachwuchs mehr mit als eine satte Rendite.

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«Ich arbeite seit meinem Bachelor bei einem Schulbuchverlag, habe dort auch mein Volontariat gemacht und parallel an meiner Masterarbeit geschrieben. Kurz vor dem Wechsel auf eine Anstellung als Redakteurin wurde ich schwanger. Zum Glück hat mein Chef mich trotzdem eingestellt. Mein Mann hat 2019 ebenfalls seinen Master abgeschlossen und beendet im August ein Volontariat im gleichen Verlag.

Unsere finanzielle Historie ist vielleicht ein Stück weit unkonventionell. Wir haben uns mit 19 Jahren kennengelernt, mein Mann ist bereits nach einem Monat zu mir gezogen. Damit wir es uns überhaupt leisten konnten, nicht mehr bei unseren Eltern zu wohnen, haben wir alles Geld in einen Topf geworfen. Das ist bis heute so. Bisher hat mein Einkommen die finanzielle Basis gesichert, mein Mann unsere Einnahmen ergänzt.

Um unsere Familienfinanzen kümmere hauptsächlich ich mich. Ich habe schon früh begonnen, Geld auf Sparbücher zu legen. Seit ich angefangen hatte zu arbeiten, hat sich das Gefühl verstärkt, nicht genug aus unserem Geld zu machen. Mir war ja auch bewusst, dass das Geld auf dem Sparbuch an Wert verliert. Gleichzeitig habe ich Angst gehabt, am Aktienmarkt zu investieren – die sehr klassische Skepis gegenüber den Risiken an der Börse.

Foto: ZVG

Kurz nach der Geburt meiner Tochter hat meine Mutter mich dann auf die Finanz-Community von Madame Moneypenny aufmerksam gemacht, auf einen Artikel, der die niedrigen Renten von Frauen thematisiert hat und wie viele von ihnen von Altersarmut bedroht sind. Das hat mich schockiert. Ich bin auch mit dem traditionellen Modell aufgewachsen – meine Mutter blieb zu Hause, als die Kinder gearbeitet haben, mein Vater arbeitete Vollzeit. Der Artikel hat mich darin bestärkt, dass es wichtig ist, dass ich weiterarbeite. Und mich gleichzeitig ermutigt, dass Thema ETF als Altersvorsorge anzugehen.

«Einfach mal angefangen.»

Ich habe mir einen Ruck gegeben und einfach mal angefangen. Ich sehe es heute so: ETF sind die einzig sinnvolle Möglichkeit, für das Alter zu sparen. Ein Notgrossen ist natürlich auch zentral. Mir ist es wichtig, dass auch das Auto und die Spülmaschine mal gleichzeitig kaputt gehen können, ohne das wir in Schwierigkeiten kommen. Aktuell sparen wir 36 Prozent unseres Einkommens.

Für meine Tochter haben wir zunächst alle Geldgeschenke auf ein Sparbuch gelegt, das werden wir bald in ein Tagesgeldkonto umwandeln. So sind umgerechnet rund 1000 Franken zusammengekommen, die wir für grössere Ausgaben verwenden wie zum Beispiel einen Kindersitz für das Auto.

«Emma soll sehen, wie sich die Rendite entwickelt.»

Zum zweiten Geburtstag haben wir aber auch ein Junior Depot eröffnet, auf das wir monatlich einzahlen und das bis zum 18. Geburtstag liegen bleiben soll. Mein Ziel ist natürlich, dass sie davon auch über die Volljährigkeit möglichst viel behält. Ich möchte sie darum, sobald sie etwas grösser ist, voll einbeziehen. Sie soll auch ihren ETF kennen und sehen, wie sich die Rendite entwickelt.

Meine Eltern haben das ähnlich gehandhabt, mein Vater hat mich früh an Finanzen herangeführt und meine Mutter war schon immer sehr sparsam. Das grundsätzliche Mindset hab ich also schon aus meiner Kindheit. Meine Eltern waren nur auf dem Stand von früher, also Sparbuch und Ähnliches, und wussten nichts von der Börse. Mittlerweile besparen sie auch ETFs.

Ich hoffe, dass meine Tochter sich ähnlich für ihre Finanzen interessieren wird wie ich. Ich möchte ihr vermitteln, dass Vermögensbildung nur über sparen mit Rendite funktioniert, darüber, Geld liegen zu lassen. Bei mir kam diese Erkenntnis erst später, früher habe ich auf Ziele hingespart und das Geld dann wieder ausgegeben.

Im Leben zahlt man immer entweder mit Zeit oder mit Geld. Ich wünsche meiner Tochter, dass sie da eine freie Wahl treffen kann. Wenn sie ihre Erfüllung in einem 60-Stunden-Job findet – wunderbar. Aber ich wünsche ihr auch die finanzielle Freiheit, mal kürzer zu treten, wenn sie andere Prioritäten hat. Sie soll genau die Form von Leben führen können, die sie sich wünscht.»