Weltweiter Kampf gegen neuen Lockdown

Angesichts der Corona-Pandemie bemühen sich die Regierungen weltweit, weitere Lockdowns zu verhindern. In den USA sehe man erstaunlich divergierende Auffassungen von Politik und Wissenschaft, die sich mit dem Wahlkampf wohl nochmals akzentuieren dürften. In Europa ergriffen die Regierungen allerdings stringente Massnahmen, um weitere Lockdowns zu vermeiden. Bei Axa Investment Managers hofft man auf die Entdeckung eines Impfstoffes. Die Bändigung der Corona-Pandemie sei eine zentrale Annahme für die gesamte Anlagestrategie, betonte Ökonom Franz Wenzel.

Aktien bleiben erste Wahl

Somit positioniert man sich mit einem Übergewicht von globalen Aktien und erwartet für 2021 ein Gewinnwachstum der Unternehmen von rund 20 Prozent. «Wir setzen auf Growth-Aktien, auch wenn deren Gewinnwachstum teuer bezahlt wird», sagte Wenzel bei einer Videokonferenz. Auch bei Staatsanleihen ist leichtes Übergewichten angesagt: Bei US-Anleihen könne die Duration als Schockabsorber eingesetzt werden, ebenfalls seien inflationsgeschützte Anleihen attraktiv. Ferner bleibe man in Unternehmensanleihen investiert. Sie seien zwar, wie alle Vermögensklassen, teuer, doch solange die Notenbanken diese Klasse stützen würden, bleibe man dabei. 

Gute Wirtschaftsaussichten für 2021

Wenzel machte ferner Angaben zu den konjunkturellen Prognosen für die grossen Volkswirtschaften, die hinter der Anlagepositionierung stehen. In den USA dürfte nach dem dritten Quartal mit einer annualisierten Wirtschaftswachstumsrate von rund 20 Prozent das vierte Quartal in ruhigerem Fahrwasser verlaufen. Einerseits seien die Auftragseingänge der Industrie auf einem Höchststand angekommen, anderseits gebe es aber auch weniger staatliche Unterstützung für Firmen und mehr Arbeitslosigkeit. Mit Blick auf die Geldpolitik rechnet Wenzel nicht mit Zinserhöhungen durch das Fed bis 2023. Insgesamt gebe es zwar eine Erholung, die führe aber in naher Zukunft nicht zurück auf den alten Wachstumspfad. Dennoch wird für 2021 ein Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent erwartet. 

Anzeige

China überflügelt USA und Europa

In Europa könne sich die EZB eine weiterhin expansive Geldpolitik erlauben. Wenzel wäre nicht überrascht, wenn die EZB im Dezember ihr Corona-Anleihekaufprogramm nicht nur verlängern, sondern auch ausweiten würde. Es gelte die Konjunktur zu stützen und die steigende Staatsverschuldung zu begleiten, meinte er. Das Wirtschaftswachstum der Euro-Zone dürfte im kommenden Jahr 5,25 Prozent betragen. China wiederum habe bei der Entwicklung der Exporte und der Industrieproduktion positiv überrascht. Hier sei vonseiten der Geldpolitik das Notwendige getan. Entsprechend rechnet der Experte nicht mit Zinssenkungen oder Liquiditätsmassnahmen. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandprodukt um stolze 8 Prozent steigen. 

US-Präsidentschaftswahlen: Biden liegt vorn

Mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahlen liege Herausforderer Joe Biden derzeit vorn, meint Wenzel. Derzeit habe dieser 6 bis 7 Prozentpunkte Vorsprung auf Donald Trump. Biden schneide diesmal deutlich besser als ab im vergangenen Wahlkampf gegenüber Hillary Clinton. Auch in den Swing States geniesse er einen Vorsprung. Allerdings würde es Amtsinhaber Trump nützen, sollte sich die Wirtschaft dynamischer als bisher erholen.