Die Pandemie löst bei Italiens Versicherungen einen Konsolidierungsschub aus. Auch laufen in den nächsten Monaten mehrere Bank-Assekuranz-Verträge (Unicredit–Aviva, Ubi Banca–Cattolica Assicurazioni) aus. Die Assekuranz-Tochter von Banca Intesa Sanpaolo schloss Mitte Mai vorzeitig die mehrheitliche Übernahme des Krankenversicherers RBM Salute ab und befindet sich auf Wachstumskurs.

Das für Juli geplante öffentliche Tauschangebot von Banca Intesa Sanpaolo für die viertgrösste Bank des Landes, Ubi Banca, wird sich bei erfolgreicher Übernahme auch auf den Assetmanagement- und Versicherungssektor auswirken. Denn der Bank-Assuranz-Vertrag Ubi–Cattolica Assicurazioni läuft zum Jahresende aus. Bei Cattolica sind insofern Änderungen im Gange, da nicht nur die Statuten der genossenschaftlich organisierten Versicherung, sondern auch die Unternehmensführung geändert werden soll.

Vergünstigte Prämien

Zusammen mit Ubi Banca wies Intesasanpaolo nach bankeigenen Angaben im Vorjahr Assets under Management von 431 Milliarden Euro aus.  Das Potential in diesem Bereich ist gross. Das  Privatvermögen der Italiener  wird laut Schätzungen der Zentralbank mit insgesamt 9700 Milliarden Euro angegeben. Davon entfallen über die Hälfte auf Immobilienanlagen.  Intesa Sanpaolo weist in der Bilanz  2019 Privatvermögen von 425,5 Milliarden Euro auf, das im Depot bzw. Girokonten der Anleger deponiert wurde. Die Mailänder Bank würde durch die Übernahme von Ubi Banca auch einen Teil ihres Versicherungssektors übernehmen. Ein weiterer Teil soll dem Versicherer Unipol zukommen. Dieser ist Aktionär bei der mittelitalienischen Volksbank BPER, welche wegen Wettbewerbsegeln rund 500 der insgesamt über 2000 Ubi- Bankfilialen samt deren Versicherungssparte von Intesa Sanpaolo übernehmen soll. Unipol hat derzeit Schwierigkeiten mit der Antitrust-Behörde. Denn die jüngste Werbekampagne, in welcher Unipol seinen Autoversicherungs-Kunden eine Gratis-Monatsprämie infolge der pandemiebedingten Krise anbietet, widerspreche den Wettbewerbsregeln, kritisiert der Verbraucherschutzverband. Unipol verspricht seinen Kunden nur dann einen Nachlass einer Monatszahlung, wenn sie ihren Versicherungsvertrag verlängern. Mehrere italienische Versicherer bieten derzeit ihren Kunden infolge der Pandemie Vergünstigungen im Kranken- wie auch im Kfz-Bereich an. 
 
Intesa Sanpaolo hat durch den vorzeitigen Abschluss der Akquisition von RBM Salute Mitte Mai die Position im Assekuranzbereich gefestigt. Mit Intesa Sanpaolo Vita ist die Bank Nummer zwei in der Lebenssparte (nach Generali) und peilt nun auch im Krankensektor eine Vormachtstellung an. «Die Akquisition von RBM Salute ermöglicht, das Wachstum in dieser Sparte zu beschleunigen. Wir werden künftig auch ‹cross selling› bei Versicherungspolicen anbieten», so der Chef der Versicherungssparte, Nicola Fioravanti.

Wer geht mit wem

Die jahrelange Kooperation im Bank-Assekuranz-Bereich zwischen der Mailänder Grossbank Unicredit und dem Versicherer Aviva läuft zur Jahresmitte aus. Als mögliche Kandidaten werden Generali, Axa und Allianz genannt. Finanzkreise erwarten eine Kooperation zwischen den Mailändern und Generali. Denn Unicredit kooperiert mit Generali bereits in mittel- und osteuropäischen Ländern, nicht aber in Italien. Bei Unicredit nimmt man zu den Gerüchten keine Stellung. 

Generali hat 2019 auch dank dem Verkauf einiger Sparten einen deutlichen Gewinnanstieg verbucht und erhöht die Dividende um 6 Cent auf 0,96 Euro. Diese wird trotz der Aufforderung einer Dividendenpause seitens der europäischen und italienischen Versicherungsaufsicht (EIOPEA, IVASS) in zwei Tranchen ausgezahlt. 0,50 Euro werden im Mai ausgeschüttet, die restlichen 0,46 Euro zum Jahresende. Trotz den Turbulenzen durch die Pandemie, deren Folgen laut Geschäftsführung noch nicht voll abschätzbar sind, will Generali den 2019 vorgestellten Dreijahresplan fortsetzen und macht mit dem Rückkaufprogramm eigener Aktien weiter. Auf ursprünglich geplante Übernahmen werde vorerst verzichtet, sollten sich nicht «einmalige Gelegenheiten» auftun, hiess es auf der Generalversammlung. 

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Ein frischer Wind herrscht auch bei Poste Italiane, die sowohl in der Lebenssparte wie auch im Schadensektor auf Partnersuche ist. Bei der kleineren, vorrangig im Schadensektor tätigen Vittoria Assicurazioni erwarten Versicherungskreise künftig eine Beteiligung oder Fusion. Vittoria hatte sich im Herbst 2018 von der Mailänder Börse zurückgezogen. Sie sei zu klein, um im verschärften Wettbewerbskampf allein zu überleben, so Mailänder Versicherungsexperten. 
 

Die zehn grössten Auto-Versicherer in Italien:

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Quelle: ZVG