Ausschlaggebend für die Forderung einer Kapitalaufstockung bei Italiens drittgrösstem börsennotierten Versicherungskonzern war die von 147 Prozent (März 2020) auf 122 Prozent (Mai 2020) gesunkene Solvency Ratio. Die für 26. Juni anberaumte Generalversammlung soll nicht nur über die Kapitalerhöhung, sondern auch über eine neue Governance und über eine mögliche Umwandlung des genossenschaftlich organisierten Versicherungskonzerns in eine Aktiengesellschaft abstimmen. Eine entsprechende Umwandlung hatte bereits Ex-CEO Alberto Minali im Visier. Sein Plan stiess jedoch auf internen Widerstand. Minali wurde im vergangenen Herbst zum Rücktritt gezwungen. Nun hat der Versicherungsexperte auch seinen Posten im Verwaltungsrat abgegeben und fordert 9,25 Millionen Euro Entschädigung.

Minali hatte den der katholischen Finanzwelt nahestehenden Versicherungskonzern knapp drei Jahre lang geführt und für 2019 «die beste Bilanz aller Zeiten» ausgewiesen. Ihm gelang es auch, den US-Grossinvestor Warren Buffett zu überzeugen, in Cattolica Assicurazioni zu investieren. Mit einem Anteil von 9 Prozent avancierte Buffett zum grössten Einzelaktionär. Seine Beteiligung an der Kapitalerhöhung ist ungewiss. Norges Bank hat kürzlich ihr Engagement von 2,5 auf 0,6 Prozent gesenkt und Bank of America bzw. Bofa Securities (1,07 Prozent) ist ganz ausgestiegen. Auch Credit Suisse zählt mit 1,3 Prozent zu den Cattolica-Aktionären. 

Cattolica-Aktie taucht zwischenzeitlich ab

Kurz nach Bekanntgabe der Kapitalerhöhung sank der Aktienkurs zwischenzeitlich um bis zu 20 Prozent, hat sich in den letzten Tagen aber wieder etwas erholt, da Cattolica die Struktur bereinigen will. So verkaufte der Versicherer kürzlich die im Lebensbereich tätige Tochter Cattolica Life an den Rückversicherer Monument Re und verlängerte das Bankassurance-Abkommen mit Ubi Banca bis Jahresmitte 2021.

Mehrere Analysten senkten das Kursziel im Juni von bislang 6 auf 3,5 Euro pro Aktie. Die Investmentbank Mediobanca korrigierte das Kursziel in einer kürzlich veröffentlichten Analyse von 6 auf 2,5 Euro. Abgesehen von dem durch die Pandemie erzeugten Schaden, als die neuen Beitragszahlungen im Schadensektor um 45 Prozent und im Leben um 60 Prozent (März bis Mitte Mai 2020) sanken, lastet auch der hohe Bestand von Staatspapieren auf der Bilanz. Mediobanca-Analyst Gian Luca Ferrari hält eine Kapitalerhöhung von nur 350 Millionen Euro für ausreichend, sollte Cattolica demnächst Obligationen TIER1 ausgeben. «Die Nachfrage nach diesen Bonds ist derzeit günstig und Cattolica erfüllt alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Emission.» Das Gelingen der Kapitaloperation wird zweifellos durch die genossenschaftliche Struktur erschwert, meinte Ferrari. Der Analyst verwies darauf, dass Cattolica einen Teil der Kapitalerhöhung institutionellen Investoren vorbehalte wolle. «Abgesehen vom US-Investor Blackrock sehe ich auch Generali, die genügend liquide Mittel in der Kasse haben, als Interessenten.» An einer Konsolidierung im italienischen Assekuranzsektor könnten auch die französische Axa und Zurich Versicherung interessiert sein. 
 

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