Mit Lancierung der Principles for Sustainable Insurance (PSI) der Vereinten Nationen wollte die Ländergemeinschaft 2012 das Thema Nachhaltigkeit in die Geschäftsabläufe der Versicherer integrieren. Die Unterzeichner verpflichten sich konkret, vier Kriterien für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance, ESG) zu beachten. Hier der genaue Wortlaut der UN-PSI: 

  • Prinzip 1: Wir werden ökologische, soziale und Governance-Fragen im Zusammenhang mit unserem Versicherungsgeschäft in unsere Entscheidungen einbinden.
  • Prinzip 2: Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Kunden und Geschäftspartnern, um das Bewusstsein der ökologischen, sozialen und Governance-Fragen zu erhöhen, Risiken zu managen und Lösungen zu entwickeln.
  • Prinzip 3: Wir werden gemeinsam mit Regierungen, Regulierungsbehörden und anderen wichtigen Akteuren das Bewusstsein für ökologische, soziale und Governance-Themen in der Gesellschaft fördern.
  • Prinzip 4: Wir werden regelmässig, öffentlich und transparent in Rechenschaftsberichten unsere Fortschritte bei der Umsetzung der Prinzipien demonstrieren.

Obwohl die Assekuranz eine der Branchen ist, die von den Folgen des Klimawandels direkt und recht spürbar betroffen ist, war das Thema dazumal nur vereinzelt in den Köpfen der lenkenden Akteure verankert. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert, der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Naturkatastrophen und Schadensummen ist erkannt. 

Akteure der ersten Stunde: Münchner Rück, Swiss Re und Axa

Zu den ersten Unterzeichnern der PSI gehörten die Münchner Rück, Swiss Re und die Axa-Gruppe. «Axa war zudem eine der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der UN-PSI und von 2006 bis 2010 Chair of the Working Group», sagt Thomas Hügli, Chief Sustainability Officer, Axa Schweiz

Zurich Insurance Group hat die PSI hingegen erst 2017 unterzeichnet, hat aber gemäss eigenen Angaben schon vorher Schritte unternommen, um ökologische, soziale und Governance-Aspekte in den Kerntätigkeiten, namentlich bei Investitionen und dem Underwriting, einzubeziehen. «Die Unterzeichnung der Principles for Sustainable Insurance hat es uns ermöglicht, auf diesen Bemühungen aufzubauen, indem wir Teil des breiteren Dialogs über die Rolle der Versicherung bei der Gestaltung einer widerstandsfähigeren Zukunft sind», erläutert Thomas Baer, Senior Media Relations Manager der Zurich. Darüber hinaus ist Linda Freiner, Group Head of Sustainability bei Zurich, seit diesem Jahr Mitglied des PSI Board. 

Hinter den Nachhaltigkeitsbemühungen der Versicherer steht nebst dem Umweltaspekt ebenso ein erwarteter Imagegewinn. Denn das Thema Nachhaltigkeit ist vor allem der von den Versicherern so begehrten jungen und kaufkräftigen Klientel ein wichtiges Anliegen. Zudem wird der Umgang mit dem Klimawandel und anderen Umwelt- und Sozialfaktoren (ESG-Kriterien) zunehmend auch in die Bewertung der fundamentalen Unternehmensdaten einbezogen, was direkten Einfluss auf die Aktienperformance hat. Nachhaltigkeit wird an der Börse schon seit längerer Zeit belohnt, nicht zuletzt durch Anlagefonds, die sich nachhaltige Auswahlkriterien oder Ausschlusskriterien auf die Fahnen geschrieben haben. 

Wer die UN-PSI unterzeichnet, muss entsprechende Risiken kontrollieren und Lösungen mit den Kunden entwickeln, mit anderen Akteuren in diesem Bereich kooperieren sowie die eigenen ESG-Bemühungen veröffentlichen. Das geht intern nicht ohne strukturelle Änderungen einher. So hat beispielsweise die Allianz 2012 ein ESG-Board ins Leben gerufen, welches die Grundlagen dafür entwickelt hat, dass die ESG-Richtlinien sämtliche Neugeschäfte erfassen, sowie neue Geschäftsideen fördert und für die Entwicklung und Beachtung der ESG-Kriterien sorgt.

Die Nachzügler: Helvetia, Mobiliar und Swiss Life

Im Dezember 2020 hat Swiss Life die Prinzipien unterzeichnet. Bis heute haben nur die beiden Versicherer Helvetia und Mobiliar die Nachhaltigkeitsprinzipien der UN nicht unterzeichnet. «Helvetia hat die Principles for Sustainable Insurance zwar noch nicht unterzeichnet. Wir streben jedoch eine Unterzeichnung entsprechend unseres Corporate-Responsibility-Reifegrades an», erläutert Sprecher Jonas Grossniklaus. Und bei Mobiliar heisst es von Mediensprecher Jürg Thalmann: «Die Mobiliar hat die PSI nicht unterzeichnet. Die PSI standen bei uns bisher nicht im Fokus.»