Vorsorgepläne für Kadermitglieder und Spezialisten sind schon lange möglich. Bewegung in diese sogenannten 1e-Pläne brachte aber erst eine Änderung in den Bestimmungen des Freizügigkeitsgesetzes vor vier Jahren. Seither müssen die Pensionskassen ihren Versicherten im Austrittsfall keine Mindestgarantien mehr gewähren. Die 1e-Sparer haben nur Anspruch auf das vorhandene Vorsorgevermögen. Je nach gewählter Anlagestrategie und Börsenstimmung kann dies auch zu Verlusten führen. Klar ist aber: Kadervorsorgelösungen schützen die Angestellten vor der Umverteilung des Alterskapitals oberhalb der Lohngrenze von 129’060 Franken bis zu einem versicherten Jahreslohn von 860’400 Franken. Entsprechend sind Lebensversicherer, Banken und Spezialanbieter mit neuen Sparplänen aktiv geworden. Und sie geben sich für den weiteren Geschäftsverlauf optimistisch. «Das Corona-Jahr 2020 hat die Nachfrage nach 1e-Plänen weder positiv noch negativ beeinflusst», sagt Jörg Odermatt, Gründer von Pensexpert. Die rasche Erholung der Anlagemärkte habe sicher geholfen, dass der 1e-Zug nicht ins Stocken geraten sei. 

Bedürfnis nach individuellem Vorsorgemodell

Individuelle Vorsorgemodelle für Arbeitnehmer mit höheren Löhnen entsprechen durchaus einem Bedürfnis. Simon Tellenbach, Geschäftsleiter Firmenkunden beim VZ Vermögenszentrum, beobachtet ein stark wachsendes Interesse nach 1e-Lösungen: «Trotz Corona-Pandemie lag die Nachfrage im letzten Jahr über dem Vorjahr.» Ein Grund könnte für ihn sein, dass viele der betroffenen Unternehmen nicht in Branchen tätig sind, welche massiv von den Lockdowns betroffen waren. Gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens PwC belaufen sich die verwalteten Vermögen bei Sammelstiftungen mit 1e-Plänen auf rund 5 Milliarden Franken. Damit entfallen nur etwa 0,5 Prozent des Kapitals in der zweiten Säule auf solche Kaderlösungen. Die Gehaltsstatistiken zeigen, dass derzeit rund jeder zehnte Erwerbstätige ein Einkommen von über 129’000 Franken erzielt. Das allein verspricht grosses Wachstumspotenzial. Dazu kommen die Umverteilungen und somit eine zu tiefe Verzinsung der überobligatorischen Vorsorgeguthaben. Für Vorsorgespezialist Odermatt gibt auch die mangelhafte Transparenz bei den traditionellen Pensionskassen-Modellen den individuellen Lösungen für Kaderleute und Spezialisten weiterhin viel Rückenwind: «Deshalb könnte der 1e-Markt in fünf Jahren irgendwo zwischen 10 und 20 Milliarden Franken liegen.»