Kaum stehen die wirtschaftlichen Zeichen auf Sturm, taucht als Rettungsinsel für gebeutelte Unternehmen irgendwann das Thema Outsourcing auf. Vor diesem Hintergrund ist die Ende Juli vom Finanzportal «Inside Paradeplatz» kolportierte Information nicht erstaunlich. Demnach plant Generali Schweiz in einem Geheimprojekt das Outsourcing zur indischen Tata Consultancy Services im grossen Stil. Der Plan, so der Informant des Finanzportals, sei das Resultat einer strategischen Überprüfung der aktuellen Rahmenbedingungen. 

Kosten nach wie vor im Zentrum

Auf Anfrage betont die Medienstelle von Generali in der Schweiz, die Optimierungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit hätten keinerlei Zusammenhang mit Corona. «Wir sehen es als unsere Verantwortung, uns laufend zu optimieren, um unseren Kunden ein interessantes und attraktives Angebot bieten zu können.» Derzeit würden verschiedene Optionen für die Zukunft der IT und Operations geprüft, eine Entscheidung sei noch nicht getroffen. 

Egal mit welchen Umschreibungen Outsourcing-Aktivitäten kommuniziert werden, Haupttreiber für die Auslagerung sind nach wie vor die Kosten und damit das Thema Effizienzsteigerung – auch Unternehmensberater können ein Lied davon singen. Doch in vielen Fällen greift dieser Fokus zu kurz und die Projekte haben selten den erhofften Erfolg. Denn ein Outsourcing ist kein rein buchhalterischer Akt, der mit Rotstift und Excel durchexerziert werden kann, sondern immer ein Change-Projekt von beachtlicher Tragweite. «Es ist daher zentral, beim Thema Outsourcing einen ganzheitlichen Blick einzunehmen», rät Christian Kinder, Partner bei Bain & Company und Leiter der Praxisgruppe Versicherungen in der Region EMEA. 

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Das Erfolgsrezept bestehe aus vier Stufen: Erstens müssen Unternehmen über ein übergeordnetes Zielbild sowie verschiedene Szenarien verfügen, die Geschäftsleitung muss zweitens Richtungsentscheidungen treffen und die Mitarbeitenden mobilisieren, drittens die passenden Standorte und Partner auswählen sowie viertens die Umsetzung eng begleiten und im Unternehmen umfassend kommunizieren. Zudem sollten Unternehmen dabei auch den Transformationsaufwand nicht unterschätzen. 

Insourcing als Gegentrend

Dass Outsourcing nicht immer das Ei des Kolumbus ist, wenn es darum geht, Kosten zu senken, hat die Zurich Versicherung bereits vor einigen Jahren erkannt. CEO Mario Greco ist gegen das Ausnutzen von Lohnunterschieden zwischen verschiedenen Ländern. Für ihn ist Outsourcing, wenn es nur aus Kostengründen geschieht, gesellschaftlich nicht nachhaltig. Daher hat sich der Konzern vom Outsourcing aus reinen Kostengründen bereits vor einigen Jahren verabschiedet – und daran werde man auch in Corona-Zeiten festhalten. «Während der vergangenen Jahre haben wir bestimmte Dienstleistungen wieder ins Unternehmen eingegliedert, um dadurch die Servicequalität zu verbessern – und das manchmal sogar zu tieferen Kosten», betont Media Relations Director Riccardo Moretto.

Fokus auf Services 

Einen etwas anderen Weg gehen auch die Helvetia Versicherungen. Sie haben in ihrer IT-Strategie seit zwei Jahren verankert, dass die Wertschöpfungstiefe selektiv angepasst, sprich verringert werden soll. «Dazu gehören auch Überlegungen, einzelne Services auszulagern», erklärt CTO Achim Baumstark. Dabei liegt der Hauptfokus nicht primär auf besseren Kostenstrukturen. Mögliche Auslagerungen sollen helfen, sich auf Services zu fokussieren, die für Kunden und Partner am Markt differenzierend wirken. «Ebenso hilft es uns, Freiräume für die notwendige Modernisierung zu schaffen.»