Bei den grossen Vermögensverwaltern flaut das Geschäft mit den Superreichen ab: Über die Hälfte der Familien mit einer eigenen Anlageberatung erwarten bis nächstes Jahr einen Einbruch der Finanzmärkte. Das führt dazu, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, wie eine Erhebung der UBS und der Beratungsfirma Campden zeigt.

Die beiden Wealth-Management-Firmen befragten die Investmentberater von 360 besonders schwerreichen Familien; das durchschnittliche verwaltete Vermögen: 917 Millionen Dollar. Bei diesen Family Offices betrug die durchschnittliche Rendite bei Industrieländer-Aktien 5,4 Prozent (jeweils (Zeitraum: Q2/2018 bis Q2/2019). Immobilien brachten eine Rendite von 9,7 Prozent ein.

Und die Portfolios von europäischen Familiy Offices erwirtschafteten im Durchschnitt 4,3 Prozent, in Nordamerika durchschnittlich 5,9 Prozent. 

Aber wie geht es weiter? Die Sorge über die Unsicherheit auf den Finanzmärkten steigt. Genährt wird sie vor allem durch das angespannte Verhältnis zwischen den USA und China. Deshalb beschliessen die Family Offices nun Schutzmassnahmen, um mögliche Verluste zu begrenzen, sagt Forschungsdirektorin Rebecca Gooch von Campden Wealth. Über die Hälfte der Offices richte ihre Anlagestrategie neu aus, sagt sie. 

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Mehr Cash, weniger Fremdkapital

Um sich für die bevorstehenden Turbulenzen zu wappnen, erhöhen über 40 Prozent der Family Office ihre Barreserven, während 22 Prozent ihre Verschuldung senken, zeigt die Studie auf. Die Banken selbst dürfte das nicht freuen, denn sie verdienen vor allem daran, wenn ihre Kunden Kredite aufnehmen und Geld investieren. Wenn nun aber die Vermögen verstärkt in bar gehalten werden, kostet das die Banken in Zeiten von Negativzinsen sogar Geld.

«Family Offices sind angesichts geopolitischer Spannungen vorsichtig, und es besteht das weit verbreitete Gefühl, dass wir das Ende des aktuellen Marktzyklus erreichen», sagt Gooch. «Viele haben ihre Barmittelreserven aufgebaut und ihre Investitionen abgebaut. Weitere Massnahmen sind auch die Kostenreduzierung in der Vermögensverwaltung sowie das Abschliessen von Versicherungen.

Versicherungen und Direktinvestitionen

Der Grossteil der Familien investiert in Private Equity. Direktinvestitionen sind auch beliebt, weil sie den Familien mehr Steuerung und Kontrolle bieten – und die Gebühren tiefer sind. Besonders beliebt sind dabei die Bereiche Technologie, Immobilien, Finanzen und Versicherungen sowie das Gesundheitswesen.

Sorge um Brexit und Handlungskrieg, Potenzial in KI und Blockchain

Neben Angaben über die Neuausrichtung von Portfolios wurden die Family Offices auch zu makro- und geopolitischen Themen befragt: Über die Hälfte wendet sich wegen des Brexits von Investitionen in Grossbritannien ab, 84 Prozent glauben, dass der Populismus auch 2020 nicht verblassen wird.

Die Vertreter der Family Offices sind aber auch zuversichtlich: So ist die Mehrheit der Meinung, dass die Blockchain-Technologie die Art und Weise, wie wir künftig investieren, verändern wird. Und weiter, dass die Artificial Intelligence in naher Zukunft die grösste Disruption verursachen wird. 

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Die Studie

Auch der Klimawandel beschäftigt die Superreichen: Wohlhabende Familien wollen eine aktive Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels und der wirtschaftlichen Ungleichheit spielen, bringt die Studie hervor. Acht von zehn Befragten glauben, dass die reichsten Familien der Welt eine immer aktivere Rolle bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen spielen werden – eine Rolle, die in der Vergangenheit den Regierungen vorbehalten war. Über die Hälfte betrachtet den Klimawandel als die «grösste Bedrohung der Welt.» 

«Diese Werte spiegeln sich in der wachsenden Beliebtheit nachhaltiger und effektiver Anlagestrategien wider. Jedes dritte Family Office investiert jetzt nachhaltig», sagt Gooch.

Die Nachfolgeplanung hat bei den Offices einen bedeutenderen Platz eingenommen. Inzwischen haben über die Hälfte einen Nachfolgeplan, gegenüber 43 Prozent im Vorjahr. Gooch sagt dazu: «Die Nachfolge umfasst häufig eine Reihe komplexer Angelegenheiten, die sich auf Unternehmen, Investitionen und familiäre Beziehungen beziehen.» Sie rät, möglichst früh damit zu beginnen.

(tdr)

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