Update vom 1. Juli 2020

  • Der Anspruch der direkt oder indirekt betroffenen Selbständigerwerbenden auf Corona-Erwerbsersatz wird bis zum 16. September verlängert. 
  • Der Kreis der Berechtigten, die Corona-Erwerbsersatz beanspruchen können, wird erweitert. Inhaber einer AG oder GmbH, die in ihrer eigenen Firma angestellt sind, hatten seit dem 1. Juni keinen Anspruch mehr auf die Kurzarbeitsentschädigung der Arbeitslosenversicherung. Sofern sie im Veranstaltungsbereich arbeiten, können sie neu ebenfalls über die Ausgleichskasse Corona-Erwerbsersatz beanspruchen. (Achtung: Die Einrichtung dieser neuen Leistung wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Den Berechtigten wird empfohlen, bis Mitte Juli zu warten, bevor sie ihren Anspruch bei der AHV-Ausgleichskasse anmelden.)

Selbständigerwerbende haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Im Rahmen der Corona-Erwerbsersatzentschädigung hat der Bundesrat aber Sofortmassnahmen auch für sie beschlossen. Informationen dazu gibt es im Merkblatt 6.03 – Corona-Erwerbsersatzentschädigung.
 

Das gilt seit der Corona-Krise

Selbständigerwerbende können bei der Ausgleichskasse eine Entschädigung beantragen. Der Erwerbsersatz beträgt 80 Prozent des Einkommens, aber maximal 196 Franken pro Tag. Sie haben Anspruch auf Entschädigung, wenn Sie Ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen mussten,

  • weil die Fremdbetreuung Ihrer Kinder nicht mehr gewährleistet ist,
  • weil Sie sich aufgrund ärztlicher Verordnung in Quarantäne befinden,
  • mit Beschluss vom 16. April, auch wenn Sie indirekt betroffen sind, weil aufgrund der Massnahmen Ihre Kunden wegbleiben und Sie weniger Aufträge haben (gilt rückwirkend) – Beispiele: Taxifahrerin, Hotelier, Lieferanten.
  • Ab dem 1. Juni haben auch Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung im Veranstaltungssektor sowie ihre mitarbeitende Ehegatten und eingetragenen Partner Anspruch auf eine Entschädigung.

Beispiel

Ein Podologe (Einzelfirma) mit zwei Mitarbeitenden muss den Betrieb schliessen. Der eigene Verdienst fällt zu 100 Prozent aus trotz weiterlaufender Fixkosten. Für die Mitarbeitenden kann der Inhaber des Salons Kurzarbeit beantragen, den eigenen Verdienstausfall meldet er bei der Ausgleichskasse an.

Gut zu wissen: Bis zum 16. April wurden Gesuche von indirekt Betroffenen abgelehnt, weshalb danach auch diese Personen ein Gesuch stellen konnten (rückwirkend ab Erwerbseinbruch oder frühestens ab 17. März).

Wie lange die Entschädigung fliesst, hängt vom Grund für den Ausfall der Erwerbstätigkeit ab: Bei Quarantäne sind es maximal 10 Tage. Für direkt und indirekt betroffene Selbständigerwerbende wurden die Entschädigungszahlungen nach dem 16. Mai aufgehoben. In seiner Sitzung vom 1. Juli hat der Bundesrat nun beschlossen, dass der Anspruch der direkt oder indirekt betroffenen Selbständigerwerbenden auf Corona-Erwerbsersatz bis zum 16. September verlängert wird. Zudem wird der Kreis der Berechtigten erweitert. Inhaber einer AG oder GmbH, die in ihrer eigenen Firma angestellt sind und im Veranstaltungsbereich arbeiten, können neu ebenfalls über die Ausgleichskasse Corona-Erwerbsersatz beanspruchen.

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Gut zu wissen: Auch Selbständigerwerbende können die Höhe ihrer regelmässigen Akontobeiträge an die AHV/IV/EO/ALV anpassen lassen, wenn die Summe der Löhne wesentlich gesunken ist.

Gesuch auf EO-Entschädigung: Das sollten Selbständige wissen

Gut zu wissen: Mittlerweile ist kein Betrieb mehr offiziell von der Schliessungspflicht betroffen. Wenn Sie jedoch zu jenen Selbständigen gehören, die weiterhin von den Corona-Folgen stark betroffen sind, kann der Anspruch auf eine Entschädigung weiterbestehen. Melden Sie sich am besten bei Ihrer zuständigen Ausgleichskasse

Die Entschädigung wird durch die AHV-Ausgleichskassen ausgerichtet – und zwar monatlich rückwirkend. Zwischen Anmeldung und Auszahlung liegt also in der Regel ein Monat.
 

Haben Sie zu wenig Geld von der Ausgleichskasse erhalten?

Grundsätzlich macht ein Wiedererwägungsgesuch auf Neuberechnung der Erwerbsersatzentschädigung dann Sinn, wenn die Akontobeiträge für 2019 nicht auf die neueste verfügbare Steuerveranlagung durch die Ausgleichskasse angepasst wurde. Es geht also um Fälle, in denen die Ausgleichskasse die Akontobeiträge nicht aktualisiert hat, was bei den betroffenen Versicherten unter Umständen zu einer zu tiefen Corona-Erwerbsentschädigung geführt hat.

Versicherte können in dieser Situation bei der Ausgleichskasse eine Neuberechnung ihres Corona-Erwerbsersatzes verlangen. Ebenso können Versicherte, für die inzwischen eine definitive Steuerveranlagung 2019 vorliegt (das dürfte eher selten sein), eine Neuberechnung aufgrund dieser Einkommensbasis verlangen.

Die Kassen sind in der Regel sehr offen und gehen unkompliziert auf Anliegen bezüglich der Berechnung ein, wie dieser Beratungsfall des Beobachters zeigt.

Achtung: Auch eine rückwirkende Anpassung des bereits verfügten Corona-Erwerbsersatzes, weil inzwischen eine neuere definitive Steuerveranlagung vorliegt, ist nach dem Ende der Geltungsdauer der Verordnung am 16. September ausgeschlossen.

Wir halten Sie und Ihr KMU auf dem Laufenden.

Urs Gysling, Leiter Beobachter-Edition

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