Der Ausbruch von Covid-19 stürzt nicht nur ganze Volkswirtschaften in die Rezession, sondern treibt auch die Arbeitslosigkeit in die Höhe, Selbständige und Kleinunternehmer verlieren teilweise ihre Existenz. 

Laut Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch private Haushalte zahlungsunfähig werden, vor allem jene mit niedrigem Einkommen. Die Privatverschuldung ist weltweit auf einer Rekordhöhe von 47 Billionen Dollar: Das entspricht etwa 60 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Verschuldung der Haushalte im Verhältnis zum BIP war in Ländern wie der Schweiz, Frankreich und Neuseeland noch nie so hoch wie heute.

Privatverschuldung steigt

Nun warnt das IIF – eine globale Vereinigung der Finanzindustrie: Die Arbeitslosigkeit, die nun explodiert, werde die Privatverschuldung im Verhältnis zu Einkommen und Vermögen massiv ansteigen lassen. 

Die Folge wäre ein starker Einbruch des Privatkonsums, insbesondere bei hochverschuldeten Haushalten mit niedrigem Einkommen. In Ländern, wo der Privatkonsum über die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht, etwa Australien, Kanada, Grossbritannien und den USA, dürfte dies wiederum künftiges Wachstum hemmen.

Bereits vor der Corona-Pandemie waren die Privatschulden bedenklich hoch gewesen: In den vergangenen fünf Jahren stiegen sie fast auf das Niveau vor der Finanzkrise 2008, errechnete der «Global Wealth Report 2019» von Allianz. Besonders stark verschuldet sind Privathaushalte in den USA und auch in Asien – dort vor allem China

Schweizer sind hochverschuldet

Die Schweiz ist zwar eines der reichsten Länder der Welt, gleichzeitig ist aber kein anderes Volk so hoch verschuldet. Die helvetische Schuldenstandsquote liegt derzeit bei 128 Prozent – was bekanntlich am stetig wachsenden Hypothekarvolumen liegt. Nur in Dänemark und Australien sind die Privathaushalte noch höher verschuldet.

Was die Privatverschuldung hierzulande antreibt, sind zwar vor allem die Hypothekenschulden, doch auch Konsumkredite steigen. Das Geschäft läuft gut: Laut der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK), der die meisten Schweizer Kreditanbieter angehören, standen Ende 2019 Konsumkredite von mehr als 8 Milliarden Franken aus – rund 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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Trotz dieser stattlichen Summen, heisst es seitens der Konsumfinanzierung Schweiz (KFS) auf Anfrage von HZ, könne von einer stetig steigenden Verschuldungsquote bei den Konsumkrediten nicht die Rede sein – anders als bei den Hypothekenschulden.

Wird die Privatverschuldung hierzulande zum Problem? Immerhin sind die Schweizerinnen und Schweizer laut Allianz-Bericht mit etwa 90’000 Franken verschuldet. Demgegenüber stehen allerdings Netto-Geldvermögen von rund 190'000 Franken pro Kopf.

Privatschulden in China explodieren

Wie sich die Corona-Krise in den Privathaushalten in China niederschlagen, zeigen feine Indizien in China: Die überfälligen Kreditkartenschulden stiegen im Februar um die Hälfte, eruierte «Bloomberg». Ein Online-Kreditvermittler verriet, dass die Ausfallquoten von 13 Prozent Ende 2019 auf 20 Prozent im letzten Monat gesprungen war. Schätzungsweise 8 Millionen Menschen in China hatten im Februar ihre Arbeit verloren.

Solche Schilderungen könnten andeuten, was den Rest der Welt noch erwartet. In Australien etwa, das unter den G20-Ländern die höchste Verschuldung der Haushalte aufweist, gibt es einen massiven Ansturm auf die finanzielle Hilfen beim grössten Kreditgeber des Landes. Ein ähnlicher Anstieg der Anfragen überflutet die Kreditgeber in den USA, wo die Kreditkartenguthaben im vergangenen Jahr auf einen beispiellosen Betrag von 930 Milliarden Dollar angeschwollen waren – und wo nun allein in einer Woche mehr als 3 Millionen Menschen Arbeitslosengeld beantragt haben.

Doch nur an wenigen Orten ist die Kreditaufnahme der Konsumenten in den letzten Jahren so stark angestiegen wie in China. Die Verschuldung der Haushalte einschliesslich der Hypotheken stieg 2019 auf eine Rekordhöhe von 55 Billionen Yuan, umgerechnet über 7 Billionen Franken. Dank eines Immobilienbooms und dem Aufstieg von Online-Kreditgebern wie Ant Financial haben sich die privaten Schulden seit 2015 fast verdoppelt.

Da auch die Zahlungsrückstände von Unternehmen steigen, könnten chinesische Banken in diesem Jahr mit einem Anstieg der gesamten notleidenden Kredite um 5,2 Billionen Yuan und einem beispiellosen Gewinneinbruch von 39 Prozent konfrontiert werden, warnen UBS-Analysten in ihrem Worst-Case-Szenario.

Hilfsmassnahmen der Regierungen

Die chinesische Regierung reagiert darauf, indem sie das Finanzsystem des Landes mit Liquidität überschwemmt und Banken ermutigt, ihre Kreditvergabe an kleine Unternehmen, die rund 80 Prozent der Arbeitskräfte des Landes beschäftigen, zu verstärken. Während die meisten Banken noch keinen Schuldenerlass für Verbraucher ausserhalb von Städten wie Wuhan anbieten, prognostiziert die UBS, dass Peking bei Bedarf mehr tun wird, um den Menschen bei der Arbeitssuche und der Bezahlung ihrer Rechnungen zu helfen.

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Auch andere Länder versuchen, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern. Etwa die USA mit einem 2 Billionen-Dollar-Paket, das direkte Zahlungen an Bürger mit niedrigem und mittlerem Einkommen vorsieht. Einige der grössten US-Kreditgeber haben sich verpflichtet, von der Krise betroffenen Hypothekenschuldnern tilgungsfreie Zeiten anzubieten.

Dass die staatlichen Konjunkturmassnahmen wirklich allen unter die Arme greifen, ist jedoch unwahrscheinlich, vor allem in Ländern wie China, wo die Haushalte derart hoch verschuldet sind. Die Konsumentenschulden gemessen am BIP stiegen von 30 Prozent vor zehn Jahren auf über 90 Prozent Ende 2018 und nähern sich dem Niveau der USA und Japans an.

Hören Sie eine Analyse im Podcast zum Thema: «Lockdown: Zerstören wir die Wirtschaft?»