In Berlin hat der Senat einen massiven Eingriff in den freien Markt beschlossen: den «Mietendeckel». In den nächsten fünf Jahren sollen die Mieten in der deutschen Hauptstadt weitgehend eingefroren werden. Mit dem Gesetz will die Stadtregierung die Preissteigerung bekämpfen. Viele Mieten hatten sich in den letzten Jahren in Berlin erhöht – zugleich bommt der Immobilienmarkt.

Auch viele Schweizer Privatpersonen haben in Berlin investiert. Und in Zukunft wird weiterhin viel Geld von Aare, Limmat und Rhein Richtung Spree fliessen. Das sagt einer der führenden Makler in der deutschen Hauptstadt, Ziegert.

«Schweizer gehören zu den Top Ten bei unseren internationalen Käufern», erklärt Geschäftsführer Sven Henkes. Dreissig bis fünfzig Liegenschaften verkauft das Unternehmen jährlich an Schweizer. «Sie erwerben in erster Linie Eigentumswohnungen als Kapitalanlage und führen sie dem Mietermarkt zu.» Meistens handle es sich um Objekte zwischen 300'000 bis 400'000 Euro in Zentrumsnähe innerhalb des S-Bahn-Rings.

Berlin war früher für seine tiefen Wohnungspreise bekannt. Die Stadt sei arm, aber sexy, sagte Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit 2003. Attraktiv ist die Stadt weiterhin, und das zieht viel Geld, Besucher und auch Zuzüger an. In den letzten acht Jahren sind die Preise für Eigentumswohnungen jährlich im Schnitt um 10 Prozent gestiegen. Eine Wohnung, die früher 2800 Euro pro Quadratmeter kostete, wechsle heute für 6000 Euro/Quadratmeter die Hand. «Die Kaufpreise sind aber weiterhin günstig», betont Ziegert-Chef Sven Henkes.

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Ziegert-Geschäftsführer Sven Henkes: «Die meisten Entwickler füllen sich nicht die Taschen, sondern wollen auch aktiv zum Wachstum Berlins beitragen. Hier wird von Seiten einiger Politiker pauschalisiert, um ein Feindbild zu zeichnen.»

Quelle: ZVG
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Henkes glaubt nicht, dass die Attraktivität des Immobilienmarkts stark unter dem Mietendeckel leiden werde. «Das Risiko für Investoren ist überschaubar, weil sie mit Wertsteigerungen rechnen können.» Die Nachfrage nach Wohnraum ist riesig, und es wird viel zu wenig gebaut, um den Bedarf zu decken. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um Tausende Menschen. Pro Jahr müssten zusätzlich 10'000 Wohnungen gebaut werden, glaubt der Branchenkenner.

Das sind die wichtigsten Punkten zum Mietendeckel

Das Gesetz soll Anfang 2020 wirksam werden. Ob es in dieser Form in Kraft tritt, ist unklar, weil Gegner das Vorhaben juristisch verhindern wollen.

Stand heute:

  • Die Mieten werden auf dem Niveau von Sommer 2019 eingefroren. Davon ausgenommen sind namentlich Neubauten ab Einzugsdatum 2014.
  • Bei einem Mieterwechsel dürfen die Mieten grundsätzlich nicht erhöht werden (eine Ausnahme von dieser Regel folgt unten).
  • Sie dürfen zudem nicht über einer Obgrenze liegen, die von der Ausstattung und   dem Baujahr abhängt.
  • Sehr tiefe Mieten dürfen bei einem Mieterwechsel bis zu einer Obergrenze erhöht werden.
  • Liegt die Miete mehr als 120 Prozent über dem Niveau vergleichbarer Wohnungen, wird die Miete bereits vor der Wiedervermietung begrenzt.
  • Ab 2022 dürfen Vermieter die Mieten um 1,3 Prozent erhöhen, um die Inflation aufzufangen.
  • Wird die Wohnung renoviert, dürfen die Mieten leicht angehoben werden.

Das Angebot wird weiterhin nicht mit der Nachfrage Schritt halten. Das Problem sieht Henkes vor allem in den Kosten. Bauausgaben und Grundstückpreise seien stark gestiegen. Es dauere zudem sehr lange, bis Projekte bewilligt würden. Und nun verunsichere der geplante Staatseingriff die Branche.

«Die Rendite bei Bauprojekten ist unter Druck. Die meisten Entwickler füllen sich nicht die Taschen, sondern wollen auch aktiv zum Wachstum Berlins beitragen. Hier wird von Seiten einiger Politiker pauschalisiert, um ein Feindbild zu zeichnen», findet Ziegert-Chef Sven Henkes.

Auch ein Blick auf die Statistik lässt nicht auf eine Trendwende schliessen. Die Zahl der Baugenehmigungen lag in den ersten neun Monaten dieses Jahres um über zehn Prozent tiefer als im gleichen Vorjahreszeitraum.

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