Die US-Zentralbank Fed hat am Dienstag ihren Leitzinssatz um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Damit löst sie zwar die ökonomischen Probleme nicht, die das Coronavirus verursacht. Aber mit dem Schritt verschafft die Zentralbank der Politik Zeit, um Massnahmen zu ergreifen – und den Forschern, um an einem Impfstoff arbeiten.

Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir wahrscheinlich Zeugen einer einschneidenden Trendänderung sind. Dies lässt sich ablesen am Verlust des US-Aktienmarktes von elf Prozent in der vergangenen Woche. Es war der fünftgrösste Wochenverlust der vergangenen 80 Jahre.

Es waren immer einschneidenden Ereignisse, die die Welt vor ganz neue Tatsachen stellten: 1940 war es die Kapitulation von Frankreich im Krieg gegen Deutschland, und im Jahr 2008 war es die Finanzkrise, mit dem folgenden Aufstieg der Nationalisten, die begannen, eine De-Globalisierung zu befördern.

« Die SNB hat fast eine Billion Dollar Vermögen in den Büchern – was ausreichen würde, um jede einzelne Aktie im SMI zu kaufen.»

Die De-Globalisierung wird nun vom Virus verstärkt. Weltumspannende Produktionslinien werden unterbrochen. Das könnte einen gewaltige Trendänderung auslösen, ein schlafendes Ungeheuer wecken: Inflation. Denn es war die Globalisierung – die Einbindung von neuen Arbeitskräften und neuen Konkurrenten aus China und anderen Ländern –, die Inflationstendenzen schlafen legte beziehungsweise sogar Deflation weckte.

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Schutzmasken gegen Populisten

Deswegen dürfte eine frühzeitige Zinssenkung richtig sein, denn nach der Trendwende zur Inflation wäre dasselbe nicht mehr möglich. Dann wird der Blick darauf frei, dass die Aktienkurse sehr hoch bewertet sind. Gar eine grosse Finanzblase muss befürchtet werden, mit viel Luft von den Zentralbanken: Alleine die vier grossen Notenbanken (USA, China, Japan und EZB) haben über die Druckerpresse 21 Billionen Dollar Vermögenswerte in ihren Büchern angehäuft. Da reicht, um jede vierte börsenkotierte Aktie auf der Welt zu kaufen. Auch die Schweizerische Nationalbank hat fast eine Billion Dollar Vermögen in den Büchern, was ausreichen würde, um jede Aktie im Schweizer Aktienindex SMI zu kaufen. Das zeigt, wie sehr die Aktienhausse von Zentralbanken getrieben ist.

Wenn nun mit Nationalisten, Virus und De-Globalisierung tatsächlich die Inflation aus dem Tiefschlaf geweckt wird, dürfte es krachen – bei Aktien, bei Immobilien und bei Obligationen. Es sieht übel aus, und dagegen hilft kein Desinfektionsmittel und keine Schutzmaske.