Nun ist es so weit. Nachdem die sagenumwobene Google-Jobsuche «Google for Jobs» in vielen Ländern gestartet ist, kam auch die Schweiz zum Handkuss. Wer künftig Stellen im Google-Suchfeld sucht, erhält das Inserat, das aus einem Jobportal kommt, direkt angezeigt und kann sich über den Google-Link bewerben. Als Partner dabei sind unter anderem Platzhirsche wie Jobcloud (u.a. jobs.ch), aber auch viele kleinere Anbieter.

Googles Ziel: Das noch hochprofitable Geschäft mit den Online-Jobinseraten soll künftig auch und wohl vor allem über Google laufen. Das wird auf dem Markt für eine Revolution sorgen. Google wird bei Teilnahme aller Jobportale wieder zum Gatekeeper werden. Wer nicht mitmacht, muss befürchten, von Jobsuchenden nicht wahrgenommen zu werden.

Friss oder stirb

Die heutige Entwicklung zeigt: Die Schweizer Jobportale sind genauso wie die meisten im Ausland vor Google eingeknickt. Sie stellen Google ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung. Dafür stellt Google ihnen in Aussicht, sie in Suchergebnissen besser zu platzieren. Das Machtverhältnis lautet: «Friss oder stirb». Der Jobcloud-CEO schwärmt zwar heute vom grossen Nutzen für die Kunden. Der Nutzen für Jobcloud bleibt aber im Dunkeln.

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Die Wahrheit ist: Vor allem geben die Jobportale ihre Daten aus Gruppendruck an den Tech-Giganten. Noch im Mai sagte Jobcloud-Sprecherin Rebekka Hänggi zur «Handelszeitung», dass sie in diesem Jahr nicht mehr mit einem Eintrittsdatum von Google Jobs in der Schweiz rechnet. Google sah das wohl anders und Jobcloud parierte.

Mithilfe der Inserate in den bestehenden Suchmaschinen kann Google schnell auf ein eindrucksvolles Volumen kommen und den eigenen Algorithmus perfektionieren. In einem zweiten Schritt könnten Firmen dann ihre Vakanzen direkt in das Google-System füttern. Die Jobportale werden nicht sofort verschwinden, aber sie werden irgendwann ein vernachlässigbarer Zwischenhändler.

Für die Stellensuchenden selbst könnten bei der Jobsuche effizientere Zeiten anbrechen. Einige Google-Tools, wie etwa den Job nach Pendelzeit zu wählen sind attraktiv. Sollte Google die Inserate aber irgendwann direkt von den Firmen anfordern und die Nutzer immer seltener auf den Schweizer Jobseiten vorbeischauen, hat die Branche ein Problem.

23 Jobbörsen beschwerten sich

Der Markteintritt könnte auch einen Kulturwandel bringen: Ein bisher wenig beachteter Aspekt der Google Jobsuche ist, dass bei Jobinseraten das Gehalt von Positionen durch ein teilnehmendes Job-Portal öffentlich ausgewiesen werden kann. In den USA ist dies bereits der Fall. Im englischsprachigen Raum können die Inserate zudem eine aggregierte Lohn-Schätzung aufweisen. Diese Angabe ist jedoch für die Schweiz bis auf Weiteres nicht geplant, wie Google Schweiz gegenüber der Handelszeitung erklärte.

Entgangen scheint den Schweizer Jobbörsen auch zu sein, dass gerade erst im August 23 europäische Jobbörsen sich mit einer Beschwerde an die EU-Kommission gewandt haben, weil sie sich gegen unfaire Praktiken bei der Anzeige von Jobinseraten wehren. Die Euphorie, mit der die Jobportale an ihrem eigenen Ast sägen, dürfte als Lehrbeispiel in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.

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