Nachdem das Google-Jobsuche-Angebot «Google for Jobs» in vielen Ländern gestartet ist, kommt auch die Schweiz zum Handkuss. Wer künftig Stellen im Google-Suchfeld sucht, erhält das Inserat, das aus einem Jobportal kommt, direkt angezeigt und kann sich über den Google-Link bewerben.

Als Partner dabei sind unter anderem Platzhirsche wie Jobcloud (zum Beispiel Jobs.ch), aber auch kleinere Anbieter. «Es kann schwierig sein, einen Job zu finden. Deshalb haben wir mit Schweizer Stellenanbietern zusammengearbeitet, um eine bessere Erfahrung in der Google-Suche zu erzielen», sagt Nadine Gerspacher, Partnerships Lead für Search EMEA bei Google.

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«Dank der Zusammenarbeit mit Partnern können Jobsuchende nun nach relevanteren Schweizer Stellenangeboten suchen und auf hilfreiche Informationen zu Arbeitgeberbewertungen und Bewerbungsmodalitäten zugreifen.»

Googles Eintritt in diesen Markt zeigt: Das hochprofitable Geschäft mit den Online-Jobinseraten soll künftig auch und wohl vor allem über Google laufen. Das könnte auf dem Markt für eine Revolution sorgen. Google könnte bei Teilnahme aller Jobportale zum Gatekeeper werden. Nach dem Motto: Wer nicht mitmacht, muss befürchten, von Jobsuchenden nicht wahrgenommen zu werden.

Googles Eintritt in diesen Markt zeigt: Das hochprofitable Geschäft mit den Online-Jobinseraten soll künftig auch und wohl vor allem über Google laufen

 

Überraschender Einstieg

Eine Präsentation des Plattformbetreibers Jobchannel zeigt, welches Potenzial und welchen Druck die Google-Jobsuche für Schweizer Jobportale bedeutet. Bereits jetzt würden 50 Prozent der Stellensuchenden ihre Jobsuche über Google und nicht etwa über Portale wie Jobs.ch und Co. beginnen. Google setze KI-Technologie ein, um die Inserate der bestehenden Anbieter zu filtern.

Ein selbstlernendes System, das die Suchanfragen auswertet, soll die Treffsicherheit immer weiter erhöhen. Dazu wird die Jobsuche wahrscheinlich immer stärker in die Google-Welt integriert. So kommt ein Interviewtermin direkt in den Google-Kalender, die E-Mails laufen über Gmail, Google Maps spuckt Jobs in der Nähe aus.

Young woman working on laptop

Stellensuche: Inserate werden in der Schweiz nun auch auf Google angezeigt.

Quelle: Getty Images

Die bisherigen Jobportale könnten immer mehr an den Rand gedrängt werden. So argumentiert der Anwalt Thomas Höppner in einem Gastbeitrag im Magazin «Focus»: «Um an Stellenanzeigen und Zusatzinformationen zu gelangen, verwendet Google nun eine seiner ältesten, effektivsten und umstrittensten Strategien. Diejenigen, die die Inhalte unter hohen Kosten generiert haben, werden dazu gebracht, Google Inhalte kostenlos zur Verfügung zu stellen.»

Dafür stelle Google ihnen in Aussicht, sie in den Suchergebnissen besser zu platzieren als diejenigen, die Google nicht unterstützen. «Mit diesem Trick hat sich Google schon die Bilder in der Google-Bildersuche, Nachrichten in Google-News, Unterkunftsdaten in der Google-Hotelsuche oder Preisinformationen in Google-Shopping-Units gesichert – ohne einen Cent für die Produktion oder Bereitstellung zu zahlen.»

Der schnelle Einstieg kommt überraschend

Höppner hat Google bereits wegen des Vorwurfs der marktbeherrschenden Stellung in anderen Bereichen verklagt.

Schweizer Jobportale haben der neuen Funktion seit einiger Zeit entgegengebangt, viele haben aber nicht mit einem schnellen Markteintritt gerechnet. Jetzt wächst der Druck: Jobportale müssen ihre Inserate Google-tauglich machen, genauso wie sie sich plötzlich in einem Wettbewerb befinden, wer mit seinem Inserat oben im Suchfeld erscheint.

Das Hauptgebaeude der Google Schweiz an der Europaallee in Zuerich, aufgenommen am Dienstag, 10. September 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Google in Zürich: Der US-Internetkonzern hat die Limmatstadt zu einem wichtigsten Standort ausgebaut.

Quelle: Keystone

Mehr Lohntransparenz

Mithilfe der Millionen von Inseraten in den bestehenden Suchmaschinen kann Google schnell auf ein eindrucksvolles Volumen kommen und den eigenen Algorithmus perfektionieren. In einem zweiten Schritt könnten Firmen dann ihre Vakanzen direkt in das Google-System füttern. Klar ist: Die Jobportale werden sicherlich nicht sofort verschwinden, aber sie dürften bald zum vernachlässigbaren Zwischenhändler werden.

Für Stellensuchende hingegen brechen effizientere Zeiten an: Google-Tools, wie etwa den Job nach Pendelzeit zu wählen, sind attraktiv. Sollte Google die Inserate aber irgendwann direkt von den Firmen anfordern und sollten die Nutzer immer seltener auf den Schweizer Jobseiten vorbeischauen, hat die Branche ein Problem.

Einen Wandel wird es auch beim Thema Lohntransparenz geben. Sollte sich die Google-Jobsuche durchsetzen, dürfte es dazu kommen, dass bei Jobinseraten das Gehalt von Positionen ausgewiesen werden muss, wie schon in den USA üblich. Auch hier agiert Google proaktiv: Wer das Gehalt nicht offenlegt, bekommt von Google eine «aggregierte», also mehr oder weniger geschätzte Zahl ins Inserat geschrieben. Das alles zeigt: Auf dem Markt für Stellenportale gelten ab sofort neue Regeln – die von Google.