Im Nickelhandel geht es weiterhin turbulent zu und her. Gestern stieg der Preis für Nickel an der Londoner Metallbörse LME nach mehreren Tagen mit Rückgängen auf 32’380 Dollar je Tonne. Einen unmittelbaren Auslöser für den Kurssprung könne er zwar nicht ausmachen, sagte ein Börsianer. Aber das Angebot sei knapp.

Seit der Wiedereröffnung des Marktes am 16. März wollte die LME (London Metal Exchange) eine Wiederholung des Chaos von Anfang März verhindern. Damals waren an zwei Handelstagen die Preise um 250 Prozent auf einen Rekordwert von über 100’000 Dollar pro Tonne gestiegen. Kontrakte im Wert von 3,9 Milliarden Dollar wurden storniert. Der Handel vorübergehend ausgesetzt.

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Bei der Wiedereröffnung stürzte der Markt ab und liegt jetzt etwa 70 Prozent unter dem Rekordhoch, ist aber seit Monatsbeginn um mehr als 30 Prozent gestiegen. Seit Anfang Jahr hat sich der Kurs um rund 75 Prozent erhöht. 

Der Rohstoff wird unter anderem für die Herstellung von Batterien für Elektroautos benötigt. Die Autohersteller beobachten die Entwicklung mit Sorge. Bislang setzen viele Hersteller für ihre Batteriezellen vor allem Nickel aus russischen Minen ein. Doch durch die scharfen Sanktionen gegen Russland ist der Rohstoffimport aus diesem Staat schwieriger geworden.

Für die Batterien von Elektroautos wird höherwertiges Nickel der sogenannten Klasse 1 verwendet. In diesem speziellen Segment liegt der Weltmarktanteil Russlands bei etwa 20 Prozent. Eine durchschnittliche Batterie für ein Elektroauto enthält etwa 80 Pfund Nickel. Der Preisanstieg im März würde die Kosten für dieses Nickel auf 1750 Dollar pro Auto mehr als verdoppeln, wie das Handelsunternehmen Cantor Fitzgerald schreibt.

E-Autos werden teurer

Die jüngsten Preissteigerungen machen sich bei den meisten Autoherstellern zwar kurzfristig noch nicht in der Kostenkalkulation bemerkbar, weil sie häufig längerfristige Lieferverträge mit ihren Batterielieferanten abgeschlossen haben. Auf absehbare Zeit werden sie sich den jüngsten Preisausschlägen jedoch nicht entziehen können, was ein Elektroauto teurer werden lässt.

Mercedes müsse mehr Autos verkaufen, um die negativen Effekte der Rohstoffpreise auf die Marge auszugleichen, sagte Finanzchef Harald Wilhelm: «Allein über höhere Preise geht es wohl nicht.»

Volkswagen reagierte am Montag und kündigte die Gründung von Joint Ventures mit zwei chinesischen Partnern an, um die Nickelversorgung sicherzustellen. VW will mit den Joint-Venture-Partnern neue Vorkommen des Metalls in Indonesien erschliessen.

Auch der grösste US-Autokonzern General Motors arbeite jetzt daran, die Nickelversorgung für seine neuen Elektromodelle sicherzustellen, berichtet Mary Barra, Vorstandschefin von General Motors.

Nach UBS-Berechnungen ist ein Auto mit Verbrennungsmotor binnen Jahresfrist um etwa 700 Euro teurer geworden, ein vollelektrisches Fahrzeug hingegen um 2300 Euro.