Die Entwickler des ersten deutschen Corona-Impfstoffs sind damit mit einem der höchsten deutschen Wissenschaftspreise ausgezeichnet worden. Die Preisträger wurden nicht nur für die "spektakulär schnelle" Entwicklung des mRNA-Impfstoffs gegen Covid-19 ausgezeichnet, von der "weltweit unzählige Millionen Menschen profitieren" konnten, erklärte der Laudator John Walker (Cambridge).

Sie hätten auch eine Technologieplattform etabliert, "die in der Medizin einen Paradigmenwechsel einleiten dürfte": Die mRNA-Technologie leite "eine neue und aufregende Ära" ein, in der Impfstoffe sowohl gegen Infektionskrankheiten als auch gegen Krebs eingesetzt werden könnten.

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"Wir glauben, dass wir eine Reihe von Erfolgen sehen in den nächsten fünf bis zehn Jahren", sagte Sahin wenige Stunden vor der Preisverleihung vor Journalisten. Dass es gelungen sei, den Impfstoff gegen das Coronavirus in nur zehn Monaten zu entwickeln, habe einen grossen Einfluss auf die Medizin. "Der Erfolg ist der Beginn einer Ära für mRNA-Therapeutika."

Ziel seien massgeschneiderte Impfstoffe gegen den Tumor eines einzelnen Patienten, die in wenigen Wochen entwickelt werden könnten. Denkbar sei mit mRNA aber auch die Behandlung von Autoimmun- oder Herzmuskelkrankheiten.

Auch Preisträger 2021 geehrt

Zum ersten Mal in der 70-jährigen Geschichte der Auszeichnung werden die Preisträger zweier Jahre geehrt: Wegen der Corona-Pandemie war der Festakt im vergangenen Jahr ausgefallen. Mit dem Preis des Jahres 2021 wurde nachträglich die US-amerikanische Mikrobiologin Bonnie Bassler ausgezeichnet. Der mit ihr zusammen geehrte Michael Silverman konnte nicht nach Frankfurt kommen. Sie haben entdeckt, wie Bakterien miteinander kommunizieren, und damit den Weg zu einer völlig neuen Art von Antibiotika eröffnet, so die Preisjury.

In dem man die "Sprache" der Bakterien verstehe, könne man sie vielleicht beeinflussen: die Kommunikation zwischen unerwünschten Bakterien stören oder erwünschte Varianten fördern. Das eröffne auch neue Perspektiven im Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien. Die mit 60'000 Euro dotierten Nachwuchspreise gehen für 2021 an die Biologin Elvira Mass (Bonn) und für 2022 an Laura Hinze (Hannover).