Der ehemalige britische Aussenminister kritisierte, die Teilnehmer seien auf sich selbst und ihre Probleme fokussiert gewesen.

Für Schlagzeilen von der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums hatten vor allem US-Präsident Donald Trump und der Grönland-Konflikt mit Europa sowie der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesorgt.

Konkret kritisierte Miliband, dass grosse humanitäre Krisen wie der Konflikt im Sudan kaum präsent gewesen seien, obwohl sie Millionen von Menschen beträfen und erhebliche regionale Auswirkungen hätten. Auch die Klimakrise sei vernachlässigt worden, sagte er. «Der Klimawandel hört nicht auf, nur weil Davos nicht mehr darüber redet.» Klimawandel und Konflikte seien eng miteinander verknüpft und müssten immer auf der Agenda stehen.

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Staaten ziehen sich aus der Verantwortung zurück

Die USA, aber auch andere Staaten zögen sich aus der internationalen Verantwortung zurück, kritisierte Miliband. Dabei könnten die USA als Anker des globalen Systems nicht ersetzt werden. «Wir bewegen uns auf eine Art Flickenteppich-Multilateralismus zu. Die Gefahr dabei ist, dass die grossen globalen Probleme nicht angemessen angegangen werden», sagte Miliband. Davos werde seiner Rolle als Forum für diese zentralen Fragen derzeit nur eingeschränkt gerecht.

Was Miliband über Gaza sagt

Die IRC stellt jährlich eine «Watchlist» vor, mit der sie auf Länder mit humanitären Krisen hinweist, die es zu beachten gilt. Für 2026 steht erneut der Sudan an der Spitze, gefolgt von den Palästinensischen Autonomiegebieten und dem Südsudan. Ein wenig Hoffnung macht Miliband die Lage im Gazastreifen. «Die Anzahl der Lastwagen, die humanitäre Hilfe liefern, liegt noch nicht bei den versprochenen 600 pro Tag, steigt aber», sagte er. «Es gibt zwar weiterhin Mangelernährung in Gaza, aber keine Hungersnot mehr.»