Offenbar könnten immer mehr Menschen Kredite nicht zurückzahlen, es gebe kaum noch Einlagen von Sparern und den Banken drohe eine Liquiditätsknappheit. Das heisst es in einem Bericht der Vereinten Nationen (UN).

Westliche Banken hatten dem Land nach der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban im Sommer den Geldhahn zugedreht und Gelder der afghanischen Zentralbank eingefroren. Die Wirtschaft ist im freien Fall, den Menschen droht eine Hungersnot.

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«Afghanistans Finanz- und Bankensystem ist aus den Fugen», schreiben Experten in dem dreiseitigen Bericht. «Das Problem von Bank-Runs muss schnell gelöst werden, um den Zusammenbruch des ganzen Systems zu verhindern.»

Taliban ergriffen Macht

Nachdem die Taliban im August die Macht übernommen hatten, waren zahlreiche Menschen zu Banken gestürmt, um Bargeld zu holen. Seither geben die Institute nur noch eine begrenzte Menge Bargeld heraus. Das Bankensystem ist schon seit Jahren in einem schlechten Zustand, in den vergangenen Monaten hat sich die Lage verschärft.

«Wir müssen einen Weg finden, um sicherzustellen, dass wir nicht die Taliban unterstützen, wenn wir den Banken helfen», sagte Abdallah al Dardari, Chef des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Afghanistan zu Reuters. «Wir sind in einer so schlimmen Situation, dass wir alle möglichen Optionen durchdenken und über den Tellerrand hinaus denken müssen. Was vor drei Monaten noch undenkbar war, muss jetzt denkbar werden.»

Verlorene Einlagen

Bis Ende des Jahres werden nach UN-Einschätzung etwa 40 Prozent der Einlagen bei afghanischen Banken verloren gehen. Zudem habe sich die Zahl der notleidenden Kredite seit September im Vergleich zu Ende 2020 auf 57 Prozent fast verdoppelt. «Wenn dieser Trend so anhält, werden viele Banken die nächsten sechs Monate möglicherweise nicht überstehen», sagte Dardari.

Die UNDP schlägt unter anderem den Aufbau eines Einlagensicherungssystems im afghanischen Bankenmarkt vor. Zudem müssten Massnahmen ergriffen werden, um die Liquidität für den kurz- und mittelfristigen Bedarf sicherzustellen.

Auch Garantien für Kredite und Möglichkeiten zum Zahlungsaufschub könnten eine Hilfe sein. Von entscheidender Bedeutung sei eine Abstimmung mit globalen Finanzinstitutionen wie Internationalem Währungsfonds und Weltbank. Sollte das Bankensystem zusammenbrechen, werde der Wiederaufbau in Afghanistan Jahrzehnte dauern. Eine massive Flüchtlingskrise sei die wahrscheinliche Folge.

SDA/sas