Die vier Organisationen sprechen sich dabei nicht prinzipiell dagegen aus, dass im Siedlungsgebiet tiefere Tempolimiten gelten. Sie verlangen aber ein "differenziertes Geschwindigkeitsregime", wie sie am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern erklärten.

So soll Tempo 30 auf siedlungsorientierten Strassen in Wohnquartieren und Tempo 20 in Begegnungszonen durchaus möglich sein, aber auf verkehrsorientierten Strassen müsse weiterhin Tempo 50 gelten, sagte Peter Goetschi, der Zentralpräsident des Touring Clubs Schweiz (TCS). Nur so könne die Funktionalität des Strassennetzes als Ganzes gewährleistet werden. "Man kann nicht von der Autobahn auf eine Quartierstrasse einbiegen."

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Die Rettungsdienste - Polizei, Feuerwehren, Sanität - befürchten, dass bei einem generell geltenden Tempo 30 die Einsatzzeiten länger werden. Der Gewerbeverband geht davon aus, dass sich die Anlieferungsmöglichkeiten für lokale Geschäfte verschlechtern würden. Und der Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr, geht von einem Attraktivitätsverlust für Tram und Bus aus.

Umfrage: Generell 30 findet keine Mehrheit

Das Volk habe sich im März 2001 klar mit 79,7 Prozent gegen die generelle Einführung von Tempo 30 innerorts ausgesprochen, erinnert der TCS in einer Mitteilung. Das ist gemäss einer Umfrage des Instituts Link, die der TCS in Auftrag gegeben hat, auch heute noch so.

68 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer lehnen demnach eine generelle Einführung von Tempo 30 innerorts ab, wie es an der Medienkonferenz hiess. Die Umfrage-Ergebnisse vom Dezember hätten keinen grossen Unterschied zwischen Stadt (68 Prozent) und Land (71 Prozent) ergeben.

Für das vom TCS propagierte "differenzierte Geschwindigkeitsregime" spricht sich gemäss Umfrage eine klare Mehrheit aus. 84 Prozent der Befragten bevorzugen das derzeitige System mit genereller Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde (km/h) innerorts, bei dem 30 km/h nur ausnahmsweise zur Anwendung kommt.

Die Alternative, diese Beschränkung nur nachts einzuführen, wie dies etwa Lausanne gemacht hat, findet ebenfalls keine Mehrheit. 55 Prozent der Bevölkerung lehnen gemäss Umfrage diese Idee ab, 38 Prozent unterstützen sie.

Der Touring Club Schweiz (TCS), der Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr (Litra), der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) und der Schweizerische Feuerwehrverband (SFV) sprachen sich an einer Medienkonferenz in Bern nicht grundsätzlich gegen tiefere Tempolimiten aus. Am richtigen Ort und richtig hätten diese durchaus ihre Berechtigung, hielt TCS-Zentralpräsident Peter Goetschi fest.

Goetschi verlangt aber ein "differenziertes Geschwindigkeitsregime". Eine undifferenzierte und flächendeckende Einführung von Tempo 30 auf gesamten Stadtgebieten würde zu grosse Auswirkungen auf den Verkehr haben.

Auf verkehrsorientierten Strassen müsse weiterhin Tempo 50 gelten. Nur so könne die Funktionalität des Strassennetzes als Ganzes gewährleistet werden. "Man kann nicht von der Autobahn auf eine Quartierstrasse einbiegen."

Teure Busse und langsamere Feuerwehren

Werde im Siedlungsgebiet generell Tempo 30 eingeführt, könnte dies die Einsatzzeiten von Blaulichtorganisationen verlängern, hielt Tomas Widmer, Direktor beim Schweizerischen Feuerwehrverband, fest. So müssten sich etwa die Angehörigen der Milizfeuerwehren, die mit ihrem Privatfahrzeug ins Depot einrücken, an die Geschwindigkeitslimiten halten.

Auch der öffentliche Verkehr könnte an Attraktivität verlieren, wenn Busse weniger schnell unterwegs seien, sagte Mitte-Nationalrat und Litra-Präsident Martin Candinas. Wollen Verkehrsbetriebe ihr heutiges Angebot aufrechterhalten, müssten sie mehr Fahrzeuge und Personal einsetzen.

Candinas verwies auf Berechnungen der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), die bei einer generellen Einführung von Tempo 30 mit jährlichen Mehrkosten in Höhe von 20 Millionen Franken ausgehe.

Tiefere Geschwindigkeitslimiten würden sich auch auf die Transporte auswirken, meinte Mitte-Nationalrat und SGV-Präsident Fabio Regazzi. "Das wird unweigerlich zu längeren Lieferzeiten für lokale Geschäfte und zu Staus führen."

Umfrage: Nicht überall, aber mehr Tempo 30

Das Volk hatte sich im März 2001 klar mit 79,7 Prozent gegen die generelle Einführung von Tempo 30 innerorts ausgesprochen, wie der TCS in seiner Mitteilung zur Medienkonferenz erinnerte. Und das ist gemäss einer Umfrage des Instituts Link, die der TCS in Auftrag gegeben hat, auch heute noch so.

68 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer lehnen demnach eine generelle Einführung von Tempo 30 innerorts ab, wie es an der Medienkonferenz hiess. Die Umfrage-Ergebnisse vom Dezember hätten keinen grossen Unterschied zwischen Stadt (68 Prozent) und Land (71 Prozent) ergeben.

Die Bevölkerung befürwortet gemäss Umfrage die vom TCS vorgeschlagene Lösung: Fast drei Viertel (73 Prozent) möchten, dass Tempo 30 nur auf siedlungsorientierten Strassen, zum Beispiel in Wohnvierteln, gilt. Das bestehende System mit genereller Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde (km/h) innerorts, bei dem 30 km/h nur ausnahmsweise zur Anwendung kommt, wird von 84 Prozent der Befragten unterstützt.

Die Alternative, dass Tempo 30 nur nachts gilt, wie dies etwa Lausanne eingeführt hat, findet keine Mehrheit. 55 Prozent der Bevölkerung lehnen gemäss Umfrage diese Idee ab, 38 Prozent unterstützen sie.

Auf die Frage, ob es derzeit genügend Tempo-30-Zonen in städtischen Gebieten gebe, antworteten allerdings 59 Prozent der Befragten, dass dem nicht so sei. Vor allem Frauen (64 Prozent) und Landbewohner (66 Prozent) würden gerne mehr davon sehen. Weniger überzeugt sind die 30- bis 44-Jährigen (52 Prozent).

Lärmliga hält an Tempo 30 fest

Für die Lärmliga ist die vom TCS vorgenommen Unterscheidung in siedlungsorientierte und verkehrsorientierte Strassen "völlig verfehlt", wie sie in einer Mitteilung schreibt. "Innerorts ist jede Strasse siedlungsorientiert." Nur einen Teil der Bevölkerung vor gesundheitsschädlichem Lärm zu schützen, sei keine Option.

Tempo 30 sei ein effektives Mittel zur Verminderung der Lärmbelastung". Eine flächendeckende Einführung würde den Verkehr nicht verlangsamen, sondern verflüssigen und sicher machen.