Während sich die Fachgelehrten des Schweizer Detailhandels weiterhin uneinig sind, ob die 2015 erfolgte Einschweizerung des Black Friday eine geniale oder eine dumme Sache ist, schiessen die ersten Händler ihre Umsatz-Knallpetarden ab: «60 Prozent mehr Umsatz» meldet Coops Onlinehändler Microspot.ch für den Konsum-Karneval vom letzten November-Weekend.

Microspots Konzernschwester Interdiscount wurde nach eigenen Angaben «am Black Friday überrannt» und verbuchte einen «Rekord-Umsatz»: 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Überprüfen lassen sich diese Angaben von aussen nicht.

Monitoring zeigt: Kreditkarten-Orgie blieb aus

Eine bessere Einschätzung erlauben da wohl eher Zahlen von innen, harte Zahlen aus dem Payment-Bereich. In diesem Fall die Ausgaben, welche die Schweizerinnen und Schweizer am Black Friday über ihre Kreditkarten getätigt haben.

Und da zeigt sich ein anderes Bild: Eine «eigentliche Konsumorgie» habe man nicht gesehen, sagt Marcel Halbherr, Head Analytics & Insights bei Swisscard: «Die Mehrheit der Kunden setzte die Karte für eine einzige Transaktion am Black Friday ein.»

Swisscard hat für die «Handelszeitung» ein Monitoring der Ausgaben ihrer Privatkunden am Black Friday durchgeführt und sich dabei auf Karten-Einsätze im Schweizer Detailhandel konzentriert (ohne Hotels, Restaurants, Airlines). Swisscard ist ein wichtiger Player im Markt, die Kreditkartengesellschaft gehört je zur Hälfte der Credit Suisse und American Express. Derzeit hat sie als Schweizer Marktführerin gut 1,5 Millionen Karten im Umlauf.

226 Franken pro Karte und Kopf

Konkret gaben die Schweizer Karten-Inhaber am Black Friday 2019 im Schnitt 226 Franken aus. 2018 waren es 225 Franken gewesen, 2017 noch 221 Franken. 2019 brachte also nur ein kleines Wachstum.

Auch ein gewaltiger Boom der aktiven Konten – wie oft die Karte am Black Friday benutzt wurde – sei nicht feststellbar gewesen. Gab es in dieser Hinsicht 2018 noch ein Wachstum von 16 Prozent gegenüber Vorjahr, so waren es 2019 nur noch drei Prozent.

Breite statt Orgie

Fazit des Daten-Analysten: «Der Black Friday ist 2019 in der Schweiz vor allem in die Breite gewachsen, sprich mehr Kunden sind auf den Hypetrain aufgesprungen.» Sensationell mehr ausgegeben als am Schwarzen Freitag 2018 aber haben sie nicht.

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Wenn die Schweizerinnen und Schweizer Extra-Geld ausgaben am Black Friday 2019, so floss es mehrheitlich in dieselben Kanäle wie im Jahr zuvor, sagt Halbherr: «Wie auch im 2018 sind im 2019 die Händlerkategorien Warenhäuser und Unterhaltungselektronik die Spitzenreiter in Sachen Umsatz

Gemäss den Zahlen von Swisscard wuchs der E-Commerce-Kanal am Black Friday 2019 in der Schweiz um acht Prozent, beim stationären Handel habe das Wachstum bei 0 gelegen. Zero.

Black Friday 2019: Ein Männerjahr

Vor allem an den weiblichen Kreditkarten-Inhabern scheint der Black Friday, Ausgabe 2019, vorbeigegangen zu sein. 2018 noch schnellten die Ausgaben bei den Frauen um 17 Prozent, bei den Männern um 19 Prozent in die Höhe.

Dieses Jahr – so zeigen die Untersuchungen von Swisscard – lag bei den Frauen kein Wachstum mehr drin. Nur die Männer drehten noch einmal um sechs Prozent auf bei ihren Ausgaben. 

Rolle der Kreditkarten in der Schweiz

Zwar ist die Kreditkarte nicht das primäre Zahlungsinstrument der Schweizerinnen und Schweizer. Doch der Anteil des «Plastic-Payment» ist beträchtlich: Gemäss dem jüngsten «Swiss Payment Monitor» der Fachhochschule ZHAW werden in hiesigen Läden 37 Prozent der wertmässigen Transaktionen über Debitkarten beglichen, 36 Prozent werden bar bezahlt und 23 Prozent werden über Kreditkarten abgewickelt.

Zu vermuten ist dabei, dass die Kreditkarte für grössere Anschaffungen, wie sie typischerweise am Black Friday und im Weihnachtsgeschäft getätigt werden, häufiger eingesetzt wird.

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2018 erstmals umsatzstärkster Kreditkarten-Tag

Für eine Aussage darüber, ob und wie der Black Friday damit die Weihnachtsverkäufe konkurrenziert und allenfalls sogar drückt, ist es zwar noch zu früh. In der letztjährigen Swisscard-Analyse allerdings trat dieser Fall nicht ein.

Damals war der Black Friday bezüglich der Kundenumsätze bei Swisscard erstmals der umsatzstärkste Tag des Jahres. Doch deswegen knickten die Weihnachtsumsätze nicht ein, sondern bewegten sich auf üblicher Höhe. «Wir sehen», sagt Halbherr, «keine Anzeichen, dass der Black Friday das Weihnachtsgeschäft kannibalisiert.»

Fertig abgerechnet allerdings ist das Schweizer Detailhandelsjahr zu Black Friday und Cyber Monday noch lange nicht. Hier gilt weiterhin der angestammte Termin: Die Kassen sind noch bis 31. Dezember offen. Vielleicht kommt die Konsum-Orgie ja bis dann noch in Fahrt.

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