Neues Museum in Berlin, jetzt das Kunsthaus in Zürich. Sind Sie ein Museumsflüsterer?  
Christoph Felger:
Museumsbauten und Bauen im Bestand sind durchaus zu inhaltlichen Schwerpunkten unserer Tätigkeit geworden, nachdem wir den Wettbewerb zur Sanierung des Neuen Museums auf der Museumsinsel in Berlin 1998 gewonnen hatten und in Folge mit dem Masterplan für die gesamte Museumsinsel Berlin betraut wurden. Vorletztes Jahr konnten wir die James-Simon-Galerie eröffnen und damit unsere Arbeiten auf der Museumsinsel Berlin abschliessen. Vor diesem Hintergrund werden wir immer wieder für Aufgaben an historisch sensiblen Orten eingeladen. Zuletzt haben wir die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe in Berlin saniert, die im kommenden Monat, nach fünfjähriger Bauzeit, wiedereröffnet wird. Aber wir sind nicht ausschliesslich Sanierungsarchitekten, der Grossteil unserer Projekte besteht aus Neubauten und städtebaulichen Planungen.  

Nach der Fertigstellung des Kunsthauses sind Sie erstmal für ein halbes Jahr in ein Sabbatical gegangen. War das Projekt so anstrengend?  
Nein, nein (lacht). Eine kreative Auszeit zu nehmen, hat mich schon eine ganze Weile beschäftigt. Nach der Schlüsselübergabe des Erweiterungsbaus an die Bauherren im Dezember 2020 schien die Zeit dafür reif zu sein. Natürlich war das Kunsthaus-Projekt eine besondere Herausforderung für uns alle. Es war der erste Museumswettbewerb, den ich geleitet habe – sozusagen mein museales Erstlingswerk. Als Kind habe ich meine Ferien oft im Albulatal in Graubünden verbracht. Auf dem Weg dorthin haben meine Eltern mit uns regelmässig einen Stopp im Kunsthaus Zürich eingelegt. Unbewusst wurde das Kunsthaus damit zu einem wichtigen Bestandteil meiner kulturellen Bildung. Dass ich viele Jahre später einmal ausgerechnet bei diesem Museum an dem Wettbewerb für den Erweiterungsbau teilnehmen, diesen gewinnen und dann auch noch realisieren durfte, ist für mich die Erfüllung eines Traumes, was alle Anstrengungen vergessen lässt.  

Es gab einige Verzögerungen in Zürich. Ein Volksentscheid, aber insbesondere eine Klage haben das Projekt um zwei Jahre verzögert. Wie gingen Sie damit um?  
Die besseren Projekte sind die, die mit einer Stadt und nicht gegen eine Stadt gebaut werden. Die Erweiterung war ja keine Bagatelle. Man hatte vor, die Flächen des bestehenden Kunsthauses mehr als zu verdoppeln. Dazu darf es meines Erachtens durchaus eine öffentliche Debatte geben, der wir uns als Architektinnen und Architekten stellen müssen. Die Stadt gehört ja nicht uns Architekten, sondern den Menschen, die in ihr leben. Wir verschwinden nach der Fertigstellung wieder und hinterlassen in der Regel gewaltige Veränderungen. Dass unsere Ideen daher kritisch hinterfragt werden und möglicherweise, wie das bei der Erweiterung des Kunsthaus Zürich der Fall war, nicht von allen Menschen verstanden und akzeptiert werden, ist Bestandteil gelebter Demokratie. Daher war der Schulterschluss mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Zürich durch den positiven Volksentscheid 2012 für den Erweiterungsbau sehr wichtig.