Als Wirtschaftsjournalisten war es für uns ein grosses Vergnügen zu sehen, dass in Ihrem neuen Roman eine Bank eine zentrale Rolle spielt, nämlich die – fiktive – Genfer Privatbank Ebenezer. Würden Sie Ihr eigenes Geld einer Bank wie Ebenezer anvertrauen?
Joël Dicker: (lacht) Ich weiss nicht. Ich habe mir nicht vorgenommen, ein Buch über das Bankensystem zu schreiben. Mir ging es darum, ein Unternehmen zu finden, das ich nutzen konnte, um die Geschichte eines grossen Erbes zu erzählen und darüber, wie die Menschen mit ihm kämpfen. Dass die Wahl auf eine Bank fallen würde, war keineswegs ausgemacht. Doch dann zeigte sich, dass eine Bank in Familienbesitz genau das war, was ich für den Plot brauchte. Es ging nicht darum, das Leben in einer Schweizer Bank akkurat zu beschreiben. 

In der Bank Ebenezer gibt es ein Hauen und Stechen. Haben Sie mit Banquiers geredet, um ein Feeling für den Corporate Infight in einer Bank zu bekommen?
Nein. Ich greife immer auf Stoffe zurück, die ich gut genug kenne, um darüber schreiben zu können. Aber nicht so gut, dass die Geschichte blockiert wird. Fact Checking für fiktive Romane ist meiner Meinung nach keine gute Sache. Es ist kein Essay. Es ist Fiktion. Dazu brauchen Sie einen Raum, der es Ihnen möglich macht, einen Plot zu kreieren. Zu viel Realität geht auf Kosten der Freiheit. Die Banquiers hätten mir gesagt, dies geht nicht und das geht nicht: Da gibt es die Aufsichtsbehörden, die so etwas nicht erlauben würden. Und das wollte ich nicht. Es ging mehr um die Atmosphäre.