Elektrovelos gibt es inzwischen in allen Formen und Farben. Das macht es nicht einfach, das richtige zu finden.

Gut unterwegs ist, wer sich zuerst ein paar Fragen stellt: Auf welchen Strecken werde ich das Bike vor allem benutzen? Ist mir Tempo wichtig? Oder will ich lieber mehr Sicherheit? Sollte es möglichst wartungsarm sein? Und wie gross ist mein Budget?

Hochwertige Modelle kosten bis über 6000 Franken, preiswertere sind ab 1500 zu haben. Billig-Bikes haben jedoch Tücken. Mit ihren günstigen Komponenten sind sie anfälliger auf Defekte. Gerade deshalb sollte man vor dem Kauf auf jeden Fall ins Handbuch schauen oder sich erkundigen. Denn oft schliessen Hersteller Garantieleistungen aus – etwa wenn das Bike nicht regelmässig professionell gewartet wird.

Zudem sollte man sich etwas mit der Technik auseinandersetzen und sich mit Begriffen wie Steuerelektronik, Mittelmotor oder Riemenantrieb vertraut machen. Auch um besser beurteilen zu können, ob der Berater im Laden tatsächlich etwas von der Materie versteht oder bloss ein guter Verkäufer ist.

Und last but not least: Machen Sie unbedingt eine Testfahrt – am besten auf einer Strecke, auf der Sie das Velo später einsetzen. Allgemein kommt es auf diese neun Eigenschaften an beim Kauf eines E-Bikes:

1. Akku: Wo der Saft herkommt

Die meisten E-Bikes haben inzwischen Batterien mit mindestens 500 Wattstunden. Im flachen Gelände heisst das rund 50 Kilometer Reichweite. Doch das ist ein sehr ungefährer Richtwert. Wie weit man kommt, hängt stark ab von Belag, Gewicht und Beinarbeit.

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Velofahrer nehmen gleichermassen am Strassenverkehr teil wie Autofahrer und haben darum eine gewisse Verantwortung, zur Sicherheit aller beizutragen. Passiert aber trotzdem mal ein Unfall, sind Veloversicherungen nicht weit entfernt. Guider gibt Beobachter-Abonnenten einen ersten Überblick, wie Privathaftpflicht- oder Hausratversicherung einen zustandegekommenen Schaden abdecken und wie Velofahrer sicher unterwegs sind.

Hochwertige Akkus kosten bis zu 1000 Franken und haben eine Lebensdauer von mindestens 500 vollständigen Ladezyklen. Heute haben sie alle ein Battery-Management-System (BMS). Es schützt vor Totalentladung oder Überladung und erhöht so die Lebensdauer. Das heisst: Der Akku zeigt zwar eine Ladung zwischen 0 und 100 Prozent an, in Wahrheit ist sie aber zwischen 20 und 80 Prozent. Je aufwendiger und komplexer das BMS gestaltet ist, desto besser sind die Akkuzellen geschützt. Leider lässt sich die Qualität des BMS nicht in den technischen Angaben erkennen. Im Idealfall findet man einen Testbericht. Sonst muss man sich auf den Ruf der Marke verlassen.

Zum Akku wird ein Ladegerät geliefert. Mit Vorteil weist es eine Stromstärke von 4 Ampère auf. Wenn es weniger sind, dauert der Ladevorgang länger.

2. Motor: Der Mittelmotor setzt sich durch

Die gängigste Antriebsart ist der Mittelmotor. Er befindet sich beim Tretlager. So liegt der Schwerpunkt tief und in der Mitte, das erhöht die Fahrsicherheit.

Weniger häufig ist der Radnabenmotor im Zentrum des Hinterrads. Sein Vorteil: Der Verschleiss an Kette und Zahnkränzen ist weniger gross als beim Mittelmotor, denn die elektrische Kraft wirkt direkt aufs Rad.

3. Tempo: Langsam oder schnell?

Es gibt bei den Elektro-Bikes zwei Typen: solche mit Tretunterstützung bis maximal 25 Kilometer pro Stunde und solche, die bis zu 45 Kilometer pro Stunde unterstützen.

Nützliche Webseiten für den Kaufentscheid

  • Bei Pro Velo Schweiz, dem Dachverband für die Interessen der Velofahrenden, findet man Verkehrsregeln für E-Bike-Fahrer und mehr.
  • Das Schweizer Fachmagazin «Velojournal» publiziert jedes Jahr ein E-Bike-Spezial mit Testberichten zu diversen Modellen.
  • NewRide – der unabhängige Infoservice zu Elektrovelos – bietet Sicherheitstipps, Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie Adressen von Händlern.

Die schnelleren E-Bikes eignen sich für Leute, die regelmässig längere Strecken zu bewältigen haben. Sie sind jedoch auch ein Sicherheitsrisiko, weil sie von anderen Verkehrsteilnehmenden oft falsch eingeschätzt werden. Für die schnellen E-Bikes braucht man eine gelbe Mofanummer, einen Rückspiegel und einen Fahrausweis.

4. Rahmen: Schönheit hat ihren Preis

Bei der Mehrheit der Modelle ist der Akku im Unterrohr integriert. Das sieht schnittig aus, macht aber den Bau des Rahmens komplexer und teurer. Wenn der Akku zwischen Sattelrohr und Hinterrad sitzt, macht man zwar optisch Abstriche, bekommt aber für denselben Preis oft mehr.

Der Akku auf dem Gepäckträger ist noch günstiger. Allerdings liegt hier der Schwerpunkt höher, was sich negativ aufs Fahrverhalten auswirkt. Bei allen drei Varianten gilt: im Laden überprüfen, ob sich die Batterie gut ein- und ausfädeln lässt.

5. Schaltung: Wartungsarm ist Trumpf

Immer mehr Hersteller setzen auf Nabenschaltung. Die Übersetzung steckt im Hinterrad und ist sehr wartungsarm. Das neutralisiert den Nachteil des Mittelmotors fast vollständig.

Eine Nabenschaltung ist zudem Voraussetzung für einen Riemen- statt Kettenantrieb. Die Riemen aus Gummi-Mischgewebe haben in der Regel eine Lebensdauer von bis zu 20'000 Kilometern. Zudem muss man nie etwas fetten. Nabenschaltung und Riemenantrieb verteuern das Velo, sind aber zu empfehlen – vor allem wenn das Bike oft zum Einsatz kommt.

6. Federung: Fahrkomfort dank Federelementen

Eine Federgabel erhöht den Fahrkomfort deutlich. Ein Federelement im Rahmen dagegen braucht es nur für technisch anspruchsvolle Trails. Wer billig etwas weicher sitzen will, wählt eine in der Sattelstütze integrierte Feder. Sie erhöht Gewicht und Preis nur minim.

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7. Steuerelektronik: Ein intelligentes Bike fährt sich leichter

Damit der Motor die Muskelkraft bestmöglich unterstützt, ist eine ausgeklügelte Steuerelektronik nötig. Bei den meisten E-Bikes lässt sich die Tretunterstützung über drei bis fünf Stufen regeln. Manche bieten zusätzlich eine Schiebhilfe.

Dieser Artikel erschien zuerst beim «Beobachter» unter dem Titel «Was ein gutes E-Bike ausmacht».

Hochwertige Modelle registrieren nicht nur die Tretbewegung, sondern auch die Drehzahl und den Druck. Zudem berechnen sie die optimale Motorleistung. Bei der Probefahrt sollte man Display und Menü auf ihre Benutzerfreundlichkeit testen.

8. Diebstahlsicherung: Damit die Freude lange währt

Man sollte nicht ausschliesslich auf das eingebaute Schloss vertrauen. Zu empfehlen ist ein Bügelschloss, mit dem sich das Bike an Zäunen et cetera festmachen lässt. Ausserdem: Wer sein Velo wirklich liebt, sollte es mit einem GPS-Tracker versehen.

Wichtig ist auf jeden Fall ein Blick in die Hausratversicherung: Konventionelle Velos sind meist mitversichert, E-Bikes hingegen oft ausgeschlossen.

9. Fahrsicherheit: Unfallfrei fahren

Gute Bremsen sind ein Muss für Elektrovelos. Denn der Bremsweg verlängert sich exponentiell zum Tempo. Scheibenbremsen sind die Regel, bei allen anderen Bremssystemen sollte man ganz genau hinschauen. Ein Helm ist nur bei den schnellen E-Bikes Pflicht, aber in jedem Fall zu empfehlen. Ebenso eine Leuchtweste.

Wer sich gern bequem in den Sattel schwingt, wählt einen Tiefeinsteiger, ein Bike ohne Oberrohr. Generell sind E-Bikes aber etwas schwerer und damit etwas schwieriger zu handhaben. Darum gibt es spezielle E-Bike-Fahrkurse, etwa bei Pro Velo, Veloplus oder beim TCS.