Im Mai stimmt der Bundestag in Deutschland über ein neues Gesetz zur Frauenförderung ab. Künftig sollen Unternehmen ab einer gewissen Grösse mindestens eine Frau im Vorstand haben. Brechen jetzt goldene Zeiten für Frauen mit Führungsqualitäten an?
Jens-Thomas Pietralla: Wir erleben in der Tat einen Wandel in der Unternehmenswelt. Die Firmen strengen sich deutlich mehr an, um bei der Besetzung von Toppositionen beide Geschlechter zu berücksichtigen. Einen ähnlichen Ruck gab es schon einmal, kurz vor der Einführung der Frauenquote in Aufsichtsräten. Der Anteil von Frauen in diesen Gremien ist von sieben Prozent im Jahr 2010 auf jetzt deutlich über 30 Prozent gestiegen. Das neue Gesetz dürfte für einen ähnlichen Impuls sorgen, und zwar nicht nur auf Ebene der Vorstände, sondern auch darunter.

Ein Argument gegen eine starre Quote war immer, dass es nicht ausreichend qualifizierte Frauen für diese Topposten gebe. Wie schwierig ist es tatsächlich, geeignete Frauen für Jobs an der Spitze zu finden?
Das ist meist nicht schwieriger, als einen geeigneten männlichen Kandidaten zu finden. Es gibt genug hervorragend qualifizierte Frauen, die jüngsten Ernennungen von Amanda Rajkumar bei Adidas oder Julia White bei SAP sind dafür nur zwei Beispiele. Übrigens ist es auch kein Problem, Frauen für Spitzenjobs in sehr technologielastigen Branchen zu finden, das wird ja auch immer mal gern als Argument angeführt. Mitunter muss man dann eben über den Tellerrand der eigenen Branche oder ins Ausland schauen. Aber mir erzählt niemand, dass es nicht möglich ist, eine geeignete Kandidatin für einen Spitzenjob zu finden. Es geht eher darum, sich von liebgewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden.