Es war ein einziger Satz, bestehend aus zwölf Worten. Doch sein Inhalt und sein Absender versetzte Uhrenfans auf der ganzen Welt in helle Aufregung. Angesprochen auf die Auswirkungen der Corona-Krise auf sein Geschäft sagte Brian Duffy, Chef des börsenkotierten Uhrenhändlers Watches of Switzerland, bei der Präsentation seiner Jahreszahlen vor wenigen Tagen das: «Wir sehen eine grössere Auswirkung auf die Nach­frage als auf das Angebot.»

Duffys Worte haben Gewicht: Sein Unternehmen ist nicht nur einer der grössten Uhrenhändler der Welt. Sondern auch ­einer der wichtigsten Verkäufer für Uhren von Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Omega. Duffy verkauft all jene Luxuszeitmesser, von denen die Konsumenten nicht genug bekommen.

Knappheit entspannt sich

Das gilt natürlich weiterhin. Aber erstmals seit rund 15 Jahren sinkt die Nachfrage nach sogenannten Trophy Watches – Uhren, die alle haben wollen und für welche auf dem Secondhand-Markt Mondpreise bezahlt werden – schneller als das Angebot.

Und das, obwohl die Manufakturen von Rolex, Patek und Co. im Lockdown während Wochen stillstanden. Die Folge davon: Die langen Wartelisten, die jeder Händler wie Duffy für die heissesten ­Modelle führt, sind in den letzten Wochen kürzer geworden. Wenigstens ein bisschen.

Für jene Kundinnen und Kunden, die bereits weit oben auf den Wartelisten für eine Nautilus von Patek oder eine GMT-Master II Pepsi von Rolex stehen, heisst es: jetzt oder nie!

Die Entspannung der Nachfrage im Uhrenhandel findet ihre Spiegelung im Occasionsgeschäft. Daten von Plattformen wie Chrono24 oder Chronext zeigen, dass die Preise für einzelne begehrte ­Modelle von Rolex im ersten Halbjahr um bis zu 24 Prozent nachgegeben haben.

2020 ist das Jahr der Trophy Watch

Nicht nur Brian Duffy sieht also eine ­gewisse Entspannung in Sachen Knappheit, sondern auch die zahllosen Akteure – Private wie Händler – auf den Secondhand-Plattformen.

2020 könnte es damit so leicht sein wie schon lange nicht mehr, eine Trophy Watch zu ergattern. Was wiederum nicht bedeutet, dass man nun einfach in den ­Patek-Salon an der Genfer Rue du Rhône spazieren und eine Nautilus in Stahl ­mitnehmen kann.

Die Marken halten ihre Produk­tionszahlen weiterhin – und bewusst – niedrig. Um den Hype zu be­feuern, die Begehrlichkeit hochzuhalten, das Angebot zu kontrollieren.

Rolex könnte locker das Doppelte seines Jahresabsatzes von rund einer Million ­Uhren verkaufen. Omnipräsenz und Luxus allerdings vertragen sich auf Dauer schlecht. Was jeder haben kann, will nicht jeder haben. Nur was nicht jeder haben kann, will jeder haben.

Welche es sind, wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Auf den Kanälen der sozialen Medien aber macht das Unternehmen engagiert auf den diesjährigen D-Day aufmerksam – und heizt die Spekulationen an.

Gibt es eine neue Submariner-Kollektion? Neue Yacht-Master-Modelle? Ausser einem engen Kreis um Rolex-Chef Jean-­Frédéric Dufour weiss das niemand – bis Dienstag.

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D-Day am 1. September

Es gibt aber noch einen Faktor, welcher die Nachfrage nach den bestehenden Trophäen der helvetischen Uhrenindustrie in nächster Zeit dämpfen könnte: Am 1. September wird Rolex seine Neuheiten für das Jahr 2020 präsentieren.