Die Business-Idee

Mehr Pflanzen in städtischen Räumen ­sehen nicht nur ansprechend aus, sondern können auch ein Geschäftsmodell sein. Bei Veg and the City versucht Gründerin Gudrun Ongania Wissen über Gemüseanbau und ein Verständnis für Lebensmittel mitten in die ­urbanen Hotspots der Schweiz zu pflanzen. So bepflanzte sie etwa in der Europaallee in Zürich oder am Bahnhof Enge und an vielen weiteren Orten Flächen mit Gemüse. Daneben bietet Ongania mit ihrer Firma Kurse für Unternehmen oder Privatpersonen und betreibt mehrere Geschäfte, unter anderem in Winterthur, in denen Gärtnern gelernt werden kann und alles zum Gärtnern erhältlich ist. Und obwohl die Shops momentan ­wegen der Corona-Krise zwangsgeschlossen sind, kann man die Produkte des Startups einfach online ordern.

Die Startup-Serie upbeat wird Ihnen von der Credit Suisse präsentiert.

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Die Gründerin

Gudrun Ongania hat eine klassische Karriere als Unternehmensberaterin hinter sich. Sie beriet unter anderem Pharmaunternehmen bei der Implementation von IT-Systemen. 2009 folgte eine mehrwöchige Weiterbildungs- und Orientierungsreise im Silicon Valley, wo die blühende Startup-Szene Kaliforniens bleibenden Eindruck hinterliess. Noch einmal aber gab sie einem Gross­unternehmen, diesmal einem Industriebetrieb, eine Chance, merkte aber schnell, dass sie und dortige die Firmenkultur nicht kompatibel waren. Also zog sie die Notbremse und startete einen Online-Shop für Gartenuten­silien, spezialisiert auf Stadtgärten. Inzwischen sind Läden und zwanzig Angestellte dazugekommen. Der Trend des Urban Gardening und Urban Farming, bei dem noch grössere Flächen bearbeitet werden, gab ihrem Betrieb Aufschwung. Für Angehörige der Friday-for-­Future-Generation müsste Onganias Angebot zum Pflichtprogramm gehören.

Der Markt

Auf dem Markt für Urban Gardening tummeln sich vor allem Berater und Buchautoren, die das Konzept einer breiten Bevölkerungsschicht nahebringen wollen. Ongania sieht sich eher in Konkurrenz mit Gärtnereibetrieben, die sie am Anfang noch belächelt haben. So dauerte es etwa monatelang, bis sie eine Kundenkarte für Grossbestellungen bei einer Gärtnerei erhielt. «Heute hingegen lacht niemand mehr über uns», so Ongania.

 

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Das Kapital

Veg and the City hat mehrere Ertrags­säulen. Die Verkäufe im Online-Shop und in den Ladenlokalen bringen den Grundstock an Einnahmen. In Gärtnerkursen für bis zu hundert Teilnehmende werden Kursgebühren lukriert, zu den Kunden gehören etwa grosse Banken, die ihren Mitarbeitenden eine andere Form des Teamevents und ein speziell «grünes» Erlebnis bieten wollen. Zudem unterstützt Veg and the City Menschen bei ihrer privaten urbanen Gartenplanung von kleinen Balkonen bis zu grösseren Flächen. «Wir ­beraten bei genossenschaftlichen Überbauungen, wie man am besten Gemüsebeete einteilt, und wir führen auch umfangreiche Bepflanzungen bei Kunden durch, zum Beispiel für die SBB und das Museum Rietberg», so Ongania. Als Startka­pital dienten 10 000 Franken, mit denen Ongania das erste Gartenzubehör einkaufte. Bis heute ist die Firma eigenfinanziert.

Die Chance

Ongania und ihr Team wollen erreichen, dass die Biodiversität in Städten deutlich ­zunimmt. Ongania ist davon überzeugt, dass etwa Gemüseanbau zur Allgemeinbildung ­gehören soll. «Wenn man beispielsweise versteht, dass eine Karotte bis zu hundert Tage Wachstumszeit braucht, wird man dem Produkt auch im Supermarkt mit mehr Respekt begegnen.» In den nächsten Monaten will Ongania noch stärker in den Online-Shop investieren und die Beratungsaktivitäten ausbauen.