Die Business-Idee

Ein operativer Eingriff braucht Präzision, Konzentration und höchste Professionalität. Die Firma Distalmotion will Chirurgen und Chirurginnen das Leben leichter machen und hat dafür einen Roboterarm gebaut, der händische Arbeitsschritte in der Chirurgie ergänzt. «Mit dem OP-Roboter Dexter bringen wir den Operateur zurück zum Patienten und zur Patientin, direkt an den OP-Tisch. Wir haben uns bei der Konzeption darauf konzentriert, die Laparoskopie mit der Roboterchirurgie zu verschmelzen und die im Augenblick vorherrschende Trennung der beiden Verfahren zu überwinden», erklärt Michael Friedrich, Distalmotion-CEO. Unter Laparoskopie versteht man übrigens eine chirurgische Operationen innerhalb der Bauchhöhle. Dies sind meist besonders sensible Eingriffe bei wichtigen Organen des Körpers.

Der Gründer

Michael Friedrich hat keine klassische Corporate-Karriere hinter sich, sondern verbrachte sein ganzes berufliches Leben in der Startup-Welt. Distalmotion ist bereits das ­dritte Jungunternehmen, in dem der 38-Jäh­rige tätig ist. Das erste Startup im IT-Bereich gründete er bereits mit zwanzig Jahren. Das zweite war ebenfalls in der Medizintechnik angesiedelt. Mit den Erlösen aus dem Verkauf der Startups stieg er dann bei Distalmotion ein und beteiligte sich an der Firma. Die Corona-Krise bewältigte der Gründer mit seiner Firma bisher sehr gut. Er würde sich sogar als einen Profiteur der Krise bezeichnen, wie er auf Nach­frage erklärt. Denn durch die Aufschiebung eines Gesetzes im Medizinbereich wird das Zulassungsprozedere für den Roboterarm von Distalmotion beschleunigt. Friedrich ist ausgebildeter Diplom-Ingenieur und machte seinen Abschluss an der EPFL. Distalmotion ist ein Spin-off dieser Universität.

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Der Markt

Aktuell sind die Kosten für roboterassistierte Operationen hoch. Die Kliniken schaffen die Systeme zwar an, zahlen aber häufig bei jeder Operation von «Kollege Roboter» dazu. Die Kosten betreffen nicht nur die Anschaffungs- und Wartungskosten für die teuren Anlagen, sondern auch eventuell längere Operationszeiten wegen der zum Teil komplexen und unflexiblen Systeme. Das Startup Distalmotion hat lange daran gearbeitet, den OP-Roboter Dexter so zu optimieren, dass die Kosten sich in einem Rahmen bewegen, der mit den Vergütungen für einen laparoskopischen Eingriff durch die Klinik pro­blemlos abgedeckt werden kann.

Das Kapital

Jedes Jahr braucht Distalmotion für Produktentwicklungen und die etwa fünfzig Mitarbeitenden zwischen 20 und 30 Millionen Franken. Nach der Zulassung kann das Produkt in den Vertrieb und in Kliniken auf der ganzen Welt verwendet werden. Langfristig ist eine Übergabe der Firma an ein grösseres ­Unternehmen nicht ausgeschlossen. Ein Beteiligungsprogramm ermöglicht es allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von Wertsteigerungen der Firma zu profitieren.

Die Chance

Der Roboterarm im OP könnte nicht nur die Eingriffe selbst verbessern. Ein Effekt könnte auch eine bessere ergonomische Haltung für Ärzte und Ärztinnen sein. Diese haben nämlich sehr oft Probleme mit Rücken- oder Schulterschmerzen, da sie bei gewissen Operationen in einer ergonomisch ungüns­tigen Haltung sind. «Das ist ein Punkt, den man nicht gerne zugibt, da er dem Berufsstolz widerspricht, aber es ist ein Problem», so Friedrich. Hier könnte der Operationsroboter Abhilfe schaffen, da so der Chirurg oder die Chirurgin leicht im ­Sitzen oder Stehen arbeiten kann. Ergono­mische Probleme von Operateuren seien ein von vielen unterschätztes Problem.

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