Die Business-Idee

Brillen sind nicht gerade das typische ­Geschäft für ein Startup. Ein gesättigter Markt, ein handwerkliches Produkt und nirgendwo ein Trendschlagwort wie Fintech, Healthtech oder Proptech. Dennoch hat sich Gründer Flurin Isler für das bodenständige Geschäft entschieden. Sein USP soll Nachhaltigkeit sein. So werden alle Brillen in kleinen Manufakturen, die in Europa verstreut sind, handgefertigt. Da Bonocler direkt mit den Manufakturen zusammenarbeitet, fallen Lizenz- und Zwischenhändlergebühren weg. Verkauft werden die Brillen online oder in den Stores in Baden und neu auch in Zürich. Kundinnen und Kunden können nicht passende Brillen ganz nach dem Zalando-Prinzip wieder zurückschicken. Bonocler verschickt bis zu vier Brillen vier Tage lang zur Anprobe.

Der Gründer

Flurin Isler hat eine Karriere als Unternehmensberater hinter sich und hat sich mit ­einem Optikerkollegen zusammengetan, als er Bonocler startete. Er setzt auf ein langsames Unternehmenswachstum und beschreibt sich als einen Zahlenmenschen. Als solcher hat er auch das Zustandekommen eines Brillenpreises analysiert. Dieser liegt bei Bonocler etwa bei 225 Franken. Der Industrie­standard sei, dass Designer, Lizenzgeber und Zwischenhändler sowie die Manufaktur den Preis meist auf über 600 Franken hochtreiben. Sonnenbrillen bietet Bonocler schon für etwas weniger als 200 Franken an.

Der Markt

Auf dem Brillenmarkt geben grosse Player wie Visilab den Ton an. Dieser ist mit 25 Prozent Marktanteil der grösste Anbieter der Schweiz. Anderseits haben sich Startups wie Viu Eyewear oder eben die kleinere Konkurrenz Bonocler eine Nische aufgebaut, die vor allem bei der jüngeren, urbanen Bevölkerung schwer im Trend ist. Isler sagt aber, gerade in der Corona-Zeit hätte sich der Altersschnitt der Kundschaft deutlich nach oben geschoben. Auch Seniorinnen und Senioren hätten erstmals ihre Brille im Webshop bestellt. Ganz auf Online-Handel will Isler übrigens auf keinen Fall setzen. Zu sehr hat er während der Lockdown-Zeit die Arbeit in seinen Stores vermisst.

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Das Kapital

Bonocler ist komplett eigenfinanziert und setzt auf keine externen Investoren oder ­Business Angels. Das gibt dem Gründer und seinem Team eine grössere Flexibilität und weniger Rechtfertigungsdruck.«Ein Startup ist eigentlich ständig im Krisenmodus», lacht Isler. Er beschreibt das Unternehmerleben als eine Achterbahnfahrt. Das emotionale Auf und Ab, wenn etwa der Bescheid eintrudelt, dass alle Läden aufgrund des Lockdowns schliessen müssen, ­bewältigt er mit seiner Zahlenfixierung. Jedes Bauchgefühl stützt er mit einer Analyse der Finanzdaten ab und beruhigt sich damit sehr effektiv.

Die Chance

Die Expansion ins Ausland ist denkbar, konkrete Pläne nennt Isler aber nicht. Die ­Manufakturen, mit denen er zusammenarbeitet, liegen in Griechenland und Italien. Schweizer Produzenten in sein Business zu integrieren, ist aufgrund des Preisniveaus leider nicht möglich. Das Thema Nachhaltigkeit verfolgt die Firma jedenfalls aber auch damit, dass sie von jeder verkauften Brille einen fixen Betrag an Eindollarbrille Schweiz spendet, eine Organisation, die Menschen weltweit mit günstigen Brillen versorgen will. Martin Aufmuth, Gründer und Erfinder von Eindollarbrille, hat einige Jahre daran gearbeitet, eine Brille zu entwickeln, deren Materialwert bei nur 1 Dollar liegt. Die 1-Dollar-Brille besteht aus einem extrem leichten, flexiblen und stabilen Federstahlrahmen und vorgeschliffenen Gläsern aus Polycarbonat. Jeder Bonocler-­Käufer finanziert eine solche Brille mit.

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