Das Urteil im Fall Sepp Blatter und Michel Platini ist gesprochen, die beiden Angeklagten sind aus dem Schneider und erhalten eine Abfindung von 255’000 Franken. Damit findet die unendliche Saga ihren (vorläufigen) Schlusspunkt. Das Urteil und die Untersuchung sind eine Rundumpleite für die Strafuntersucher aus Bern. Und hoffentlich der Anfang vom Ende.

Wir erinnern uns: Als die Bundesanwaltschaft vor elf Jahren unter Michael Lauber neu aufgesetzt wurde, gings aufs Ganze. Die neue Strafbehörde solle sich um verschachtelte, interkantonale, und internationale Fälle kümmern, um Terrorismus und die Finanzierung von Dschihadisten. Doch – zum Glück – rückte die Schweiz nie ins Zentrum von Terroranschlägen oder von organisierter Kriminalität im Al-Capone-Stil.

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Es waren in der Regel Straffälle, die fast jede kantonale Strafbehörde untersuchen und vor Gericht bringen kann. Ja, in den Kantonen hat man selbst hochkomplexe Fälle im Griff, wie die Causa Pierin Vincenz und Beat Stocker zeigt. Es war ein Wirtschaftsfall mit nationaler Ausstrahlung (St. Gallen, Genf, Zürich), mit sieben Angeklagten, einem Dutzend involvierter Firmen und Heerscharen von Strafverteidigern. Nun, die Staatsanwaltschaft Zürich hat diesen Fall – inklusive Auswertung von Hunderten Telefonprotokollen – innert vier Jahren vors Bezirksgericht gebracht, das diesen Frühling ein erstinstanzliches Verdikt fällte.

Bundesanwaltschaft war im Fall Blatter/Platini überfordert

Die Bundesanwaltschaft dagegen stiess beim Fall Blatter/Platini an ihre Grenzen. Dabei ist der Sachverhalt, wie jede Juristin, jeder Jurist bestätigen würde, von grandioser Banalität – eine Zusatzzahlung von 2 Millionen, die eine späte Honorarnachzahlung gewesen sein soll, dazu zwei Beschuldigte. Bis die Bundesanwaltschaft diesen Mini-Fall vor die Richter brachte, dauerte es geschlagene sieben Jahre – fast doppelt so lang wie im Fall Vincenz/Stocker.

Weil in Zürich ein Team von qualifizierten Staatsanwälten am Fall arbeitete und mit Effizienz und Kompetenz eine 356 Seiten starke Anklageschrift zusammenstellte. Bei der Bundesanwaltschaft war dagegen ein Team von überforderten Staatsanwälten und peinlichen Sonderstaatsanwälten am Werk, deren Chef, Michael Lauber, vor allem ein Meister der Ankündigung war und stattdessen ein heilloses Schlamassel anrichten, mit Geheimtreffen in Hotelhinterzimmern, an die sich keiner der Beteiligten mehr erinnern konnte.

Nüchtern betrachtet bleibt ein Schluss: Höchste Zeit, dass die Politik in Bern endlich durchgreift und diese famose Strafbehörde stoppt. Was diese Berner Supercops glauben zu können, das kann jede kantonale Strafbehörde besser. Und dabei lässt sich sogar noch Geld sparen, denn seit 2011 ist das Jahresbudget der Bundesbehörde auf 80 Millionen Franken angewachsen – eine Verdoppelung seit 2011. Wofür eigentlich?