Bundesrat Guy Parmelin hat sie nicht ernannt, weil sie einen grossen Wirtschaftsrucksack oder wirtschaftspolitisches Profil hätte. Das wird bei Parmelins Vorstellung von Helene Budliger Artieda deutlich, der künftigen Chefin des Staatssekretariats für Wirtschaft. Sie wird ihren Postion im August antreten.

Nein, Parmelin hat sie gewählt, weil sie bereit ist im Seco aufzuräumen und die Zügel wieder in die Hand zu nehmen.

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Die abtretende Seco-Chefin, Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, seit 2011 in dieser Position, hatte diese Zügel schon früh verloren. Ineichen-Fleisch interessierten vor allem die Welthandelsorganisation WTO und die Freihandelsverträge, nicht aber die Wirtschaftsinnenpolitik.

Und so entstand, was heute der Ruf des Seco dominiert: «Ein Staat im Staat». Böse Zungen sagen, die bisherige Chefin des Wirtschaftsministeriums führe den Wirtschaftsminister – und nicht umgekehrt, wie es sein sollte. Das rund 800-köpfige Staatssekretariat mit viel Budget mache, was es wolle, und sei in viele kleine Königreiche aufgeteilt.

Budliger, die neue, will das ändern. Das machte ein entscheidender Satz von ihr an der Pressekonferenz vom Mittwoch deutlich: «Ich will mich dafür einsetzen, dass die unterschiedlichen Bereiche, wie zum Beispiel die Direktion für Arbeit, die Konjunkturstelle des Bundes oder die Direktion für Standortförderung zusammenrücken und voneinander profitieren können.»

«Budliger Medienauftritt zeigte eine selbstbewusste Frau, die, obwohl frisch nominiert, keinerlei Nervosität zeigte.»

Damit spricht sie die Bereiche der Bereichsleiter Eric Scheidegger, Boris Zürcher und Eric Jakob an. Alle drei sind kompetent in ihren Bereichen, aber nicht für eine ausgesprochenen Kooperationsbereitschaft bekannt.

Für die bisherige und langjährige Nummer zwei des Seco, Eric Scheidegger, dürfte die Wahl Budligers eine Niederlage sein, nachdem er – selbst interessiert am Chefposten – bereits 2010 durch den Entscheid für Ineichen-Fleisch übergangen wurde.

Starker erster Auftritt in Bern

Budliger Medienauftritt zeigte eine selbstbewusste Frau, die, obwohl frisch nominiert, keinerlei Nervosität zeigte, kaum Allgemeinplätze von sich gab und ihre Botschaft fliessend in drei Sprachen zum Besten gab. Sie bedankte sich auch in englischer Sprache beim Team der Schweizer Botschaft in Thailand für ihr Engagement.

Dann wandte die 57-Jährige sich an den Bildschirmen auf spanisch an ihren Mann, um ihm zu für seine Geduld und Unterstützung zu danken. Dieser, Alex Artieda, stammt aus Peru und ist schweiz-peruanischer Doppelbürger. Sie lernte ihn in Lima kennen – beim Gleitschirmfliegen – wo sie als junge Botschaftsangestellte gearbeitet hatte.

Zuhause spreche man spanisch, erklärte sie den Medien.

«An der Pressekonferenz betonte sie, dass sie sich für den Marktzugang der Schweiz in bedeutende Exportmärkte wie Thailand einsetzen wolle.»

Auch sonst wirkt die künftige Staatssekretärin ausgesprochen nahbar. Sie habe «die Sesselkleberei satt» gehabt, sagte sie der Luzerner Zeitung vor drei Jahren, bevor sie frisch gekürt als Botschafterin nach Bangkok flog. Dort wirbelte sie offenbar ordentlich viel und im positiven Sinne Staub auf, liest man etwa auf Swissinfo.

Dem grimmigen thailändischen Gesundheitsminister entlockte sie anlässlich einer Konferenz vor Auslandschweizern ein wohlwollendes Lächeln, als sie sagte, dass die Schweiz alle thailändischen Mitbewohner hierzulande selbstverständlich und gratis mit Covid-19-Impfungen versorge – im Gegensatz zu Thailand, wo einige Schweizer diskriminiert wurden.

Ihre Wirtschaftschwerpunkte

Budliger wuchs in Dübendorf auf. Sie stieg beruflich von ganz unten nach oben auf. Ihre Karriere begann mit einem Abschluss einer Handelsschule. Es folgten Hotelpraktikas und die Tätigkeit als EDA-Sekretärin.

Dort arbeitete sie sich hoch und war fünfzehn Jahre Personalchefin über 380 Angestellte. Das war sie noch unter der Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (SP).

Im Seco, wo der Dünkel gross ist und die wirtschaftsliberale Attitüde dominiert, wird sie zwar erst noch ankommen müssen. Dies dürfte ein, zwei Jahre dauern.

An der Pressekonferenz betonte sie, dass sie sich für den Marktzugang der Schweiz in bedeutende Exportmärkte wie Thailand einsetzen wolle. Sie sei bereits etliche Male Türöffnerin und Beraterin von Schweizer Exporteuren in Asien und Afrika gewesen, sagte sie, und wisse womit diese zu kämpfen hätten.

«Helena Budliger dürfte als Staatssekretärin die Wirtschafts-Schweiz noch positiv überraschen.»

Ihr Herz scheint für kleine und mittlere Betriebe (KMU) zu schlagen, denn diese hat sie gestern mehrfach erwähnt. Glaubt man ihren Aussagen, so dürfte dieses Engagement zum Schwerpunkt ihrer Politik werden.

Man solle KMU «nur dort regulieren, wo nötig», betonte sie und bezeichnete ihre Herangehensweise als «lösungsorientiert». Das wird in der Welt der KMU, des Gewerbes und der SVP und von Parmelin gerne gehört.

Sie lobt die Schweiz als «fleissiger und effektiver»

Die Schweizer DNA sei, dass man hier «fleissiger und effektiver» sei als im Ausland und «mit gesundem Menschenverstand» operiere. Das mache die Schweizer Wirtschaft stark. Als Standortvorteil nannte sie «die kurzen Wege zu Ämtern und Behörden». Das sei «ein Trumpf» des Landes im internationalen Wettbewerb.

Mit ihrer frischen Art setzt sie einen Kontrapunkt zur heutigen Amtsinhaberin, die in öffentliche Auftritten häufig steif und defensiv wirkte und oft wenig dossierfest auftrat, wenn es nicht gerade um ihr Steckenpferd Freihandel ging.

Helena Budliger dürfte als Staatssekretärin die Wirtschafts-Schweiz noch positiv überraschen.