Herr Bigler, Unia-Chefin Valleva fordert heute im «Blick», die ganze Wirtschaft «herunter zu fahren». Was halten Sie davon?
Eine solche Massnahme wäre verheerend für das ganze Land.

Warum?
Die Forderung gefährdet die Arbeitsplätze von Millionen Menschen. Unia-Chefin Alleva verschweigt, dass Zehntausende von Firmen die Abstandsvorschriften des Bundesamtes für Gesundheit einhalten können. Sie sollen weiter arbeiten dürfen. Sie verschweigt auch, dass Hunderttausende von Menschen trotz Coronoavirus zur Arbeit gehen wollen. Die Wirtschaft läuft derzeit laut Guy Parmelin noch zu rund 80 Prozent (Stand Freitag). Dies soll auch so bleiben.

Was wären die Folgen für einen Shutdown, wie es Valleva fordert?
Drei Dinge stehen auf dem Spiel: Erstens die Versorgungssicherheit  des Landes. Sind Wertschöpfungsketten blockiert, hat das beispielsweise plötzlich auch Auswirkungen auf die Nahrungsmittelherstellung. Zweitens wird die öffentliche Sicherheit und damit die Sicherheit jedes Einzelnen bei Versorgungsengpässen gefährdet. Und drittens: Wenn die Wirtschaft komplett einbricht, wird das Leben vielen ausweglos erscheinen.

«Auf dem Spiel steht der Broterwerb von vier Millionen Menschen in diesem Land.»

Vania Alleva, presidente de UNIA, ecoute une intervention pendant un debat, lors du quatrieme congres ordinaire du syndicat Unia a Palexpo, ce vendredi, 28 octobre 2016, a Geneve. Pres de 350 delegues sont reunis jusqu'a samedi pour tirer un bilan des quatre annees ecoulees et fixer les objectifs des annees a venir durant le quatrieme congres ordinaire du syndicat UNIA. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Vania Alleva, Chefin der Gewerkschaft Unia.

Quelle: Keystone
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Worum geht es der Gewerkschaft?
Es geht ihr offenbar einzig und allein darum, sich als Gewerkschaftschefin zu profilieren – und mit ihr die Unia. Damit missachtet sie auch eine Abmachung der Sozialpartner, die gestern (Sonntag) an einer Sitzung mit einem Bundesratsauschuss getroffen wurde.

Was wurde dort vereinbart?
Die Vertreter der Sozialpartner – darunter auch Pierre-Yves Maillard, Chef des Gewerkschaftsbundes –, waren sich einig, dass es keine generellen Verbote geben soll. Nur Firmen, welche die BAG-Vorschriften nicht einhalten können, sollten schliessen. Alle anderen nicht. Dies soll auch im Tessin, in Genf und in der Waadt gelten.

Geben Sie bitte zwei Beispiele.
Beim Erstellen von Betonschalungen ist die 2-Meter-Distanz unter Bauarbeitern schwer einzuhalten. Aber ein guter Baustellenleiter kann gewisse Arbeiten vorziehen, die die Gesundheit nicht gefährden – und mit anderen zuwarten.

Und ein Positivbeispiel?
Ein Positivbeispiel sind die weitgehend automatisierten Produktionsbetriebe. Pharma, Maschinenbau, Nahrungsmittel, Wartung et cetera. Diese Betriebe dürfen nicht eingestellt werden. Die Arbeit dort gefährdet niemanden, solange die Vorgesetzten verantwortlich handeln – und dies machen die allermeisten. Ein anderes Beispiel aus der Logistik: ein Lastwagenfahrer allein in der Kabine und später beim Ein- und Ausladen der Güter. Er kann problemlos die BAG-Vorschriften einhalten. All diese Arbeit will die Unia aufs Spiel setzen.

Was steht auf dem Spiel?
Auf dem Spiel steht der Broterwerb von vier Millionen Menschen in diesem Land. Bei einem kompletten Shutdown drohen massive Wettbewerbsverluste auf Jahre hinaus, Konkurse und damit verbunden die definitive Vernichtung von Arbeitsplätzen.