Es war ein teures, vor allem eine emotionales bis gehässiges Ringen um die Initiative «für verantwortungsvolle Unternehmen». Das knappe Ergebnis mag ein Achtungserfolg für die Linken und NGOs sein, auch für die beiden Landeskirchen, die ziemlich unverfroren von der Kanzel Stimmung machten. Doch ihre Strategie, die Wirtschaft in gute KMUs und schlechte Konzerne einzuteilen, hat nicht verfangen.

Denn gerade in den Landkantonen mit ihren kleinen bis mittelgrossen Betrieben hat das Stimmvolk offenkundig realisiert, dass die so genannte «Konzernverantwortungsinitiative» nicht bloss auf eine Handvoll Grosskonzerne zielte, sondern auf all jene Schweizer Firmen, die auf Lieferketten im Ausland angewiesen sind. Und das sind ganz viele.

«Gerade in den Landkantonen mit kleinen bis mittelgrossen Betrieben hat das Stimmvolk realisiert, dass die Initiative nicht bloss auf eine Handvoll Grosskonzerne zielte.»

Dass diese Firmen – gross oder klein – meist nach hohen ökologischen und sozialen Standards agieren, dürfte weiter zum Umschwung der letzten Wochen beigetragen haben. Schweizer Firmen verhalten sich im In- und Ausland selten zynisch, häufiger aber treten Konzerne aus China oder aus Indien so auf.

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Was bleibt von diesem knappen Ergebnis: Es ist ein Warnschuss vor den Bug der Wirtschaft. In den Chefetagen muss endlich eine Einsicht greifen, die man viel zu lange ignoriert hat: Zu guter Firmenführung genügt es nicht, Investoren und Aktionären Red und Antwort zu stehen und sie quartalsweise mit Updates über den Geschäftsverlauf bei Laune zu halten. Ebenso wichtig ist es, Themen wie soziale und ökologische Ansprüche beherzter anzugehen. Und diese auch dem breiten Publikum verständlich darzulegen. Zu verbergen gibt es nichts.

Dafür wird der Gegenentwurf des Bundesrates sorgen, der statt der nun abgelehnten Initiative zur Anwendung kommt. Er sieht Pflichten und ein Reporting vor. Mit wohlfeilen Sprüchen an Generalversammlungen und mit eleganten Berichten ist es definitiv nicht mehr getan. Nachhaltigkeit ist Chefsache – und eine Disziplin wie Kostenmanagement oder Aktionärspflege.

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