Lange haben Airline-Chefs und ihre Helfer in Bern dagegen lobbyiert. Doch aufhalten konnten sie die Flugticketabgabe nicht mehr. Nun soll auch in der Schweiz kommen, was es in anderen Ländern schon gibt: Eine Extra-Abgabe fürs Flugticket von zwischen 30 und 120 Franken. Und ja, auch die Privatjetkunden müssen zusätzlich zahlen. 

Dass die Flugticketabgabe kommt, ist nicht mehr überraschend, auch wenn es im vergangenen Jahr nicht wirklich danach aussah. Auch Swiss und Co. haben längst damit gerechnet, selbst wenn sie nach aussen wacker dagegen ankämpften. 

Doch nun hat der Wind gedreht. Das Parlament ist – anders als noch vor einem halben Jahr – grüner geworden, und nach Corona hat kaum jemand in Politik und Öffentlichkeit Verständnis dafür, Milliardensummen an Airlines zu geben und dann beim Klimaschutz untätig zu bleiben.

Kaum ein Kunde kompensierte

Fliegen galt noch nie als umweltfreundlich, doch bisher konnte die Flugbranche stets darauf vertrauen, dass die Menschen mobil sein wollen, reisefreudig sind. Das Wachstum gab den Fluggesellschaften Auftrieb. CO2 für die Flüge kompensieren konnte man schon lange, auf freiwilliger Basis. Doch letztlich tat das kaum ein Kunde. So war die Flugscham zwar immer eine Begleiterin, aber nur eine kleine. Überhaupt: Wo eine Flugticketabgabe bereits galt, ist das Flugzeug nicht weniger benutzt worden. Das Hauptziel solch einer Abgabe ist also gar nicht erreicht worden.

Mit dem Corona-Schock ist alles anders geworden. Erst war es still und leer am Himmel, fast keine Flieger hoben ab. Das Klima erholte sich. Aviatik-Gegner jubelten.

Dann kamen die staatlichen Rettungspakete in Milliardenhöhe für die Fluggesellschaften. Die Lufthansa-Tochtergesellschaften Swiss und Edelweiss kamen alles in allem ganz gut durch mit ihren Begehren um Hilfe – der Schweizer Staat sagte schnell Kreditbürgschaften zu, noch bevor überhaupt die Rettung der Konzernmutter Lufthansa stand.

Keine Billigtickets mehr in Österreich

Drastische, harte Schnitte wie eine direkte Staatsbeteiligung oder Politiker im Verwaltungsrat und harte Klimaauflagen sind nicht vorgesehen. Hauptsache schien, die Aviatikbranche, die für Arbeitsplätze und den Wohlstand einer Ökonomie eine entscheidende Rolle spielt, kommt schnell wieder auf die Beine.

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Anders in Österreich: Da erhielt Lufthansa-Tochter Austrian zwar auch Staatshilfe, gleichzeitig aber auch die Vorgabe, den CO2-Ausstoss zu senken. Und: Billig-Tickets unter 40 Euro soll es nicht mehr geben. Flüge von unter drei Stunden stehen zur Disposition. Kunden sollen den Zug nehmen. Auch in Frankreich muss Air France das Angebot auf der Kurzstrecke radikal zusammenstreichen, fordert der Staat für seine Hilfe.

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  • «Sommerferien: Zeit für Schnäppchen?»

  • «Flugreisen & Corona: Die Folgen für Passagiere und Mitarbeiter»

Hilfskredite abbezahlen

Das alles sehen die Schweizer Politiker nun offenbar ähnlich: Sich erst retten lassen vom Staat und dann in Sachen Klima zögerlich sein, das geht nicht. Auch wenn sich die Flugbranche aufbäumt und – wie die Piloten-Gesellschaft Aeropers – argumentiert, dass eine Flugticketabgabe kontraproduktiv sei, die Umwelt wegen zusätzlicher Umwegflüge sogar mehr belaste.

Für die Fluggesellschaften ist jetzt Demut angesagt. Das erwarten Politik und grosse Teile der Öffentlichkeit. Soll heissen: Hilfskredite abbezahlen und die Kröte Flugticketabgabe schlucken.

Und die Passagiere? Die müssen sich auf weniger Angebote einstellen – und höhere Preise natürlich.

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