«Willst Du wirklich Tausende von Toten einfach so in Kauf nehmen?» Dies ist die oft gehörte Reaktion der Befürworter von Corona-Massnahmen, sobald man die Maskenpflicht, die Verlässlichkeit von Covid-19-Tests, die Quarantänepflicht oder irgendwelche Schutzkonzepte hinterfragt. Die Frage ist polemisch und erschwert eine inhaltliche Auseinandersetzung. Und sie spaltet die Gesellschaft.

Dagegen wehrt sich nun eine Gruppe von acht Unternehmern mit der neuen Plattform «CoronaDialog on Tour». Sie sind keine Coronaleugner, sie befürworten gewisse Coronaschutzmassnahmen, aber sie wollen eine Debatte darüber, welche Mittel zielführend sein könnten, ohne die Wirtschaft ein zweites Mal abzuwürgen. Eigennutz ist ihnen nicht vorzuwerfen, denn sechs der acht Unternehmer sind wirtschaftlich eher Corona-Gewinner.

«Immer mehr Massnahmen werden kumuliert – egal, ob sie Sinn machen oder nicht.»

Für die Spaltung der Gesellschaft machen sie den Alarmismus gewisser Wissenschaftler, Behörden und Medien verantwortlich, die dem Bundesrat seit Wochen Passivität vorwerfen. Mit steigenden Fallzahlen fordern diese Stimmen immer härtere Massnahmen von Bern, ohne je zu fragen, was diese Massnahmen anrichten.

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Befürworter wenden ein, eine offene Diskussion werde doch schon heute geführt. Im Internet und auf Social Media könne jeder seine Meinung äussern; auch Massenmedien liessen Kritiker zu Wort kommen, etwa Epidemiologen, Gewerbevertreter wie Hans-Ulrich Bigler oder Finanzchef Ueli Maurer.

Die Initianten entgegnen, dass solche Kritiker bloss Alibi seien. Oft würden deren Darstellungen von kommentierender Häme begleitet, selten von Sachlichkeit. So münde fast jede Diskussion in Gifteleien, mitunter zerstöre sie Freundschaften.

Freunde des Virus

Und das ist gefährlich. Denn Einseitigkeit und Verunglimpfung fördert letztlich die Radikalität - der Befürworter wie der Gegner. Also ist mehr Sachlichkeit, mehr Toleranz gefragt.

Die Freunde des Virus sind Kälte, Feste, Nähe, Intensität, gewisse Innenräume, Mehrfacherkrankte und Superspreader. Mit anderen Worten: Im engen Tram macht die Maske Sinn. Den Alten oder Kranken ist Sorge zu tragen.

«Was sie vergessen: Dass irgendwann selbst Moderate die Nase voll haben.»

Doch draussen, auf Distanz und bei unter 50-Jährigen hat das Virus bislang kaum Schaden angerichtet. Darauf sind Massnahmen auszurichten. Wer allein im Zug oder im Büro auf Distanz sitzt, soll die Maske ruhen lassen dürfen.

Doch derzeit läuft es oft anders: Immer mehr Massnahmen werden kumuliert, egal, ob sie Sinn machen oder nicht. An Schaltern galt zuerst das Distanzhalten. Dann kam das Plexiglas, dann die Maskentragpflicht. Jetzt kommen die Schnelltests und bald die Impfung. Und dann dürfte es wie folgt weitergehen: Obwohl geimpft und getestet, muss man zuhause bleiben und draussen Maske tragen.

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Was die Befürworter vergessen: Dass irgendwann selbst Moderate die Nase voll haben. Der sachliche Dialog, der Massnahmen auf ihre Tauglichkeit und ihren Nutzen hinterfragt, ist wichtig. Wir brauchen Argumente, nicht Alarmismus.