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Schweizer Industrieaktien
Sie werden sehr oft unterschätzt

Buy or sell
 Quelle: Andrew Brookes AB Still LTD

Die heimische Kost schmeckt vielen Anlegern am besten, vor allem in Form von ETF.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Beim Beratungsgespräch mit Anlegern zeigt sich oft, dass Schweizer Investoren bei der Auswahl ihrer Aktienanlagen heimische Werte präferieren. Die Gründe sind vielfältig. Einerseits ge­hören die drei grössten Schweizer Unternehmen Nestlé, Novartis und Roche zu den bekanntesten Aktien der Schweiz, anderseits verfügen diese Börsenlieblinge über Eigenschaften, die besonders Schweizer Anleger mögen. Alle drei Aktien zählen zu den defensiven, vermeintlich sicheren Aktien mit einer attraktiven Dividendenrendite. Lokale Unternehmen kennt man besser und somit geniessen sie ein höheres Vertrauen.

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Auf passive Anlageform setzen

Immer beliebter werden im Anlageprozess die börsengehandelten und güns­tigen Indexfonds, kurz ETF (Exchange Traded Funds), auf den Schweizer Gesamtmarkt wie den Swiss Market Index (SMI) oder den breiter gefassten Swiss Performance Index (SPI). Dadurch umgeht der Investor die aufwendige Selektion von Einzeltiteln und ist automatisch breiter diversifiziert. Ist dies jedoch die beste Anlagemöglichkeit? Es muss dem Anleger in diesen ETF bewusst sein, dass die drei vorgenannten Blue Chips auch in den beiden Indizes sehr prominent vertreten sind. Addiert man die Gewichte der fünf grössten Titel (vorgenannte sowie UBS und Zurich Insurance), stellt man fest, dass diese etwa zwei Drittel des SMI und 55 Prozent des SPI ausmachen.

 

Langfristig entwickelten sich die Schweizer Industriewerte des SPI-Industrials-Index besser als der Gesamtmarkt.

Industriesektor mit erstaunlich viel Power
Quelle: Bloomberg

Kleine Rolle der Industriewerte

Die Schweiz ist ein ausgesprochenes Industrieland. Obwohl über 50 der etwa 230 Aktien im SPI zum Industriesektor zählen, entspricht deren Gesamtgewichtung im Index von rund 15 Prozent lediglich jener der grössten Position Novartis. Daher schenkt man diesen Aktien oft zu Unrecht nur wenig Beachtung. Denn bei der Betrachtung der langfristigen Entwicklung der Schweizer Industriewerte anhand des SPI-Industrials-Index stellt man fest, dass diese Werte sich besser als der Gesamtmarkt entwickelt haben.
So erzielte der SPI-Industrials-Index eine Wertentwicklung von 132,41 Prozent seit Anfang 2001 (entspricht 4,88 Prozent pro Jahr), während der SMI lediglich um 75,9 Prozent (3,25 Prozent pro Jahr) zu­legte. In den letzten zehn Jahren liegen die Renditen bei 104,04 Prozent (7,45 Prozent pro Jahr) respektive bei 85,87 Prozent (6,45 Prozent pro Jahr).
Diese Outperformance gibt es jedoch nicht kostenlos, denn durch die erhöhte Volatilität und das somit höhere Risiko ­bildet sich eine zyklische Prämie, die bei Korrekturen wieder verloren gehen kann. Betrachtet man die risikoadjustierte Performance anhand des Sharpe Ratio, so zeigt der SMI bessere Werte. Dieser Sektor ist erheblich von den konjunkturellen Schwankungen abhängig.
Schweizer Industrieunternehmen sind oft globale Marktführer in ihren Nischen. Sie profitieren von wirtschaftsfreund­lichen Rahmenbedingungen, politischer Stabilität, der ausgezeichneten Infrastruktur und einem herausragenden Bildungssystem. Diese Faktoren dienen als Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit und ­ermöglichen beachtliche Innovationen.

Gründe für die gute Entwicklung

Die Unternehmen haben aber auch ­gelernt, sich den Gegebenheiten anzupassen. Die starke Aufwertung des Frankens war kurzfristig für die Exportwirtschaft ein Schock, durch geeignete Massnahmen zeigten sich die Schweizer Industrieunternehmen jedoch anpassungsfähig. Oft ­helfen auch strategische Ankerinvestoren, Stabilität zu garantieren und eine langfristig erfolgreiche Unternehmensstrategie umzusetzen, die nicht dem kurzfristigen Handeln zum Opfer fällt. Man kann davon ausgehen, dass der Industriesektor gegenüber dem SMI weiterhin eine Überrendite erwirtschaftet. Ein grösseres Engagement im Industriebereich ist dann lohnend, wenn man von einer guten Entwicklung der Weltwirtschaft profitieren will. Neben der Möglichkeit der Direktanlage in Einzeltitel gibt es auch Zertifikate, die sich diesem spannenden Thema widmen. Oft sind nämlich Industrieaktien Nebenwerte mit geringerer Marktkapitalisierung und Börsenliquidität. Deshalb erlauben solche Produkte mit einer einzigen Transaktion eine einfache und kostengünstige Investition in eine Vielzahl von spannenden Einzeltiteln, ohne dabei jede Aktie kaufen zu müssen.