Mit der Plattform gibt es jetzt auch ein Rating für Bildungsinstitutionen. Gut für die hochwertigen unter ihnen – und für zielstrebige Studierende.

Als wir die Idee erstmals hatten, waren wir eigentlich sicher, dass schon jemand zuvor drauf gekommen sein musste.» Benjamin Vidas, 29-jähriger Fachhochschulabsolvent aus der Ostschweiz, erinnert sich an die inspirierende Runde mit drei Studienkollegen vor vier Jahren auf dem Pausenplatz. «Wir sinnierten über die Gründung eines Online-Bewertungsportals für Schweizer Universitäten, Fachhochschulen und so weiter und hatten dabei nicht wirklich den Eindruck, die Welt neu zu erfinden.» Doch ein paar Google-Runden später wurde den vier Kumpels klar: Ein Tripadvisor für Aus- und Weiterbildungen existierte bis dato nicht. Der Erkenntnis folgte sogleich der Startschuss für Eduwo, die erste Schweizer Vergleichs- und Bewertungsplattform für Bildungsinstitutionen.

«Unsere Vision ist es, mithilfe kontrollierter Erfahrungsberichte Transparenz in die Schweizer Bildungslandschaft zu bringen und damit jungen Menschen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Wahl des passenden Studiums bereitzustellen», sagt Benjamin Vidas, der sich vor neun Jahren als angehender BWL-Student ein ähnliches Angebot gewünscht hätte. Das grosse und vielfältige Bildungsangebot in der Schweiz sei nämlich Segen und Fluch zugleich. «Solide Erfahrungsberichte hätten mir damals bestimmt bei der Entscheidung geholfen.» Nun soll die studierende Nachwelt vom Einfall des Jungunternehmerquartetts profitieren.

Erstes Bildungsranking lanciert

Die Anfang 2017 live geschaltete Plattform hat ihr Dasein inzwischen bereits gerechtfertigt. 2018 konnte Eduwo schon rund 100 000 User registrieren, die im Sinne von «Peer to Peer» aus rund 4000 authentischen Erfahrungsberichten wertvolle Informationen und Fakten für ihre eigene Studienwahl ziehen konnten. Genau dieser Mehrwert unterscheide Eduwo von Plattformen wie Weiterbildung.ch, Bildung-Schweiz.ch oder Students.ch. Ziel für 2019: Die User-Zahlen sollen mindestens verdoppelt und die Erfahrungsberichte auf über 7000 hochgeschraubt werden.

Entwicklung zur «Matching-Plattform»

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Parallel und als Argument für wachsende Nutzerzahlen will Eduwo seine Dienstleistungen für Jugendliche und angehende Studierende konsequent ausbauen. Unter anderem soll ab Ende 2019 eine verstärkte Interaktion auf der Plattform möglich sein.

«Statt nur Bewertungen zu publizieren, wollen wir bildungsinteressierten Personen die Möglichkeit geben, Fragen direkt aktuell und ehemaligen Studierenden zu stellen», kündigt Vidas an. Auch die Zahl der Partner im Bereich der Bildungsinstitutionen soll noch erheblich ausgebaut werden. Aktuell sind auf Eduwo alle Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen) sowie Höhere Fachschulen und Privatschulen mit anerkannten Bildungsgängen gelistet. Hier ist laut Vidas einiges zu erwarten. «Wir sind zurzeit in diversen Gesprächen mit innovativen Schulen, Unternehmen und Branchenverbänden und konnten davon bereits einige als Partner gewinnen.»

Seit Herbst 2018 gibt es die Seite auch auf Französisch. Italienisch- sowie englischsprachige Studiengänge und Institutionen sollen in den nächsten Monaten ebenfalls hinzukommen. Als weiteren Mehrwert für Besucher der Plattform hat Eduwo im letzten Jahr erstmals ein transparent nachvollziehbares Bildungsranking publiziert, das jetzt jährlich wiederholt werden soll.

Als weiteres grösseres Projekt kündigt Benjamin Vidas die Lancierung einer «Online-Studien- und -Karriereberatung» an. «Mit diesem Angebot werden wir den uns angeschlossenen Schulen einen erheblichen Mehrwert bieten, weil wir ihre Programme aktiv an den Mann respektive die Frau bringen.» Auch für die Suchenden soll das Vorhaben einen wesentlichen Vorteil bringen, da neben den Schulen auch Unternehmen, Branchenverbände sowie Berufs-, Studien- und Laufbahnberater auf Eduwo präsent sind und für Bildungs- und Karrierefragen zur Verfügung stehen.

Den aktiven Eintritt als Wissens- und Kontaktvermittler in diesem Bereich haben sich die Eduwo-Gründer wohl überlegt. Das sei zwar ein sehr umkämpftes Territorium, dessen seien sie sich bewusst. «Sobald wir uns aber in der Schweiz ein einigermassen starkes Standbein erarbeitet haben, könnte für uns der Schritt ins Ausland, primär Europa, durchaus Sinn machen», denkt Vidas in die nähere Zukunft. Das Konzept von Eduwo sei international gut skalierbar.

Für derart ambitionierte Pläne braucht es viel Schnauf und vor allem das notwendige Kleingeld. «Kürzlich konnten wir unsere erste grössere Finanzierungsrunde mit einem mittleren sechsstelligen Betrag abschliessen», so Vidas. Man habe verschiedene Zusagen von Investoren erhalten, die Eduwo neben Geldmitteln auch mit ihrem Know-how unterstützen.

Aktuell gilt die Aufmerksamkeit wieder der Weiterentwicklung des operativen Geschäfts. Neben weiteren Schulen hat Eduwo nicht weniger als 500 Unternehmen, Organisationen und Verbände als Neupartner für die Plattform im Visier. «Kürzlich haben wir deshalb unser Team stark ausgebaut», sagt Benjamin Vidas. Die einstige Pausenplatzidee hat sich zum Speed aufnehmenden Startup gemausert.