1. Digitalisierung ist einfach

Grundlage für eine erfolgreiche Transformation ist ein gemeinsames Verständnis im Unternehmen darüber, was Digitalisierung eigentlich ist. Wichtig hierbei ist in erster Linie, den Wald zu sehen, nicht einzelne Bäume oder gar einzelne Blätter. Fokussieren Sie sich auf fünf zentrale Stellhebel der Digitalisierung: Technologie und Daten, Geschäftsprozesse, Geschäftsmodell, Kundeninteraktion, Kultur und Organisation. Nicht mehr, nicht weniger. Aber bitte ganzheitlich. Sonst laufen Sie Gefahr, das Falsche richtig umzusetzen.

2. Technologie ist nicht erfolgsentscheidend

Denn digitalisieren und damit der Einsatz neuer Technologien ist kein Selbstzweck. Die meisten Unternehmen haben schon die Erfahrung gemacht, dass einfach bestehende Prozesse zu digitalisieren, nicht den gewünschten Erfolg bringt («garbage in, garbage out»). Nur wenn Prozesse konsequent vom Kunden her neu gedacht und optimiert werden, kann das wahre Potenzial der Technologien gehoben werden. Dem im Weg steht oft eine Kultur der mangelnden Kommunikation, des Silodenkens und individueller Anreizstrukturen. Ausschlaggebend für Ihren Digitalisierungserfolg sind die Menschen in Ihrer Organisation. Diese müssen befähigt werden, mit der digitalen Realität umzugehen. Sie müssen neue Skills erlernen und Kundenzentriertheit wirklich leben.

3. Taylorismus ist für die Tonne

Die meisten Managementbücher der letzten fünfzig Jahre können Sie getrost vergessen. So ist reines Führen über Ziele veraltet. Im Zentrum stehen neu Sinnstiftung, Orientierung und Autonomie. Vergessen Sie daher das meiste, was Sie in den letzten dreissig Jahren gelesen haben. Management war gestern, Leadership ist die Zukunft. Das müssen Sie und Ihre Führungskräfte konsequent leben. Denn was Sie bisher erfolgreich gemacht hat, wird Ihnen in Zukunft nur bedingt dienen.

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4. Weg mit dem Fünfjahresplan

Die blosse Fortschreibung der Vergangenheit in Form von bestenfalls jährlich aktualisierten Fünfjahresplänen ist eine Illusion, systematisierter Selbstbetrug zum Schaffen von Scheinsicherheit. Insgeheim weiss das jeder. Trotzdem machen es die meisten immer noch religiös. Leben Sie lieber «Raus- und Reinzoomen». Rauszoomen ist gemeinsames Erarbeiten eines Polarsterns. Einer orientierungsstiftenden Vision dessen, was in noch weiter Ferne sein kann. Diese muss von allen Mitarbeitenden verstanden werden. Denn in der Umsetzung ist das pure Gegenteil gefragt. Reinzoomen heisst quartalsweise experimentelle Schritte planen, bei denen viel Autonomie delegiert wird. Dorthin, wo effektives Wissen da ist. Experimentieren Sie, fallen Sie hin. Nur so lernen Sie und können Ihren Plan weiter verfeinern.

5. Wir sind keine Verlierer

Vor allem in den Medien im angelsächsischen Raum liest man ständig von Erfolgsgeschichten, wie Unternehmen ganze Branchen umkrempeln, Milliarden dank Börsengängen scheffeln und gute Ratschläge erteilen. Da kommt man sich fast vor wie aus dem letzten Jahrhundert. Dabei ist die Realität eine andere: Zumindest in der Schweiz sind alle noch am Üben, der Zug ist überhaupt nicht abgefahren – er fährt gerade mal die Strommasten aus. Es ist also nicht schon zu spät.

6. Nicht entscheiden ist wie duschen wollen, ohne nass zu werden

Ein Unternehmen nachhaltig transformieren zu wollen und dabei jeder harten Entscheidung aus dem Weg zu gehen, ist unmöglich. Irgendwann müssen sich Unternehmer für etwas entscheiden. Was tun wir mit unserem Stammgeschäft? Abschöpfen, ohne neu zu investieren, oder verkaufen? Wo gibt es Wachstumsfelder, in denen wir unsere Stärken und unsere Marktposition nutzen können? Welche Mitarbeitenden können wir im neuen Geschäftsmodell behalten? Das sind harte Fragen, aber müssen beantwortet werden.

7. Digitalisierung braucht keine Berater

Sie braucht Begleiter, die mit Erfahrung, Mut und Pragmatismus mit anpacken, moderne, agile Methoden beherrschen und kokreativ an Lösungsmöglichkeiten arbeiten, statt einfach Pläne vorzulegen. Die neuen Denk- und Arbeitsweisen im Unternehmen verankern und die Organisation nachhaltig befähigen, mit ständigem Wandel umgehen zu können. Im Idealfall arbeiten Firmen in einem Ökosystem mit anderen Unternehmen, Startups und einem gut eingespielten Netzwerk aus Strategen und Umsetzern, die gemeinsam mit dem KMU auf die Reise gehen.

 

Isabel Steinhoff, Managing Partner, Markus Gröninger, VR-Präsident, Parato, Zürich. www.parato.ch