Strukturbereinigung
Kunden gesucht

Frau im Büro
Bank am See: Die Bellevue Group gibt es seit 1993 und ist vorwiegend in den Geschäftsfeldern Asset und Wealth Management aktiv.Quelle: Jannis Chavakis/13Photo

Die Schweizer Privatbanken haben sich von grossen Problemen erholt. Das gute Umfeld müssen sie jetzt nutzen – sonst wird der nächste Sturm erneut Opfer fordern.

Von Eckhard Baschek
am 05.09.2018

Die Schweizer Privatbankenszene strengt sich an. Das ist eine gute Nachricht, sie bedeutet: Der Schweizer Privatbankenplatz hat sich aus dem Loch befreit, das die Kosten für Regulierungsanforderungen, Geldstrafen für ungebührliches Verhalten und die Konkurrenz aus dem Web gegraben hatten.

Nur 0,9 Prozent Netto-Neugeldzufluss im vergangenen Jahr ist kein Ruhmesblatt und dass die Investitionen in die Kundenberatung erst wenig positive Effekte bei den Mittelzuflüssen zeigen, ist bedauerlich – aber das kann (und wird) noch kommen. Eines ist klar: Eine Privatbank, die sich jetzt noch über Bereinigungskosten beklagt, nutzt das Lamentieren mehr als Ausrede für andere Unterlassungssünden.

Die Herausforderungen für die Schweizer Privatbanken bleiben indes gross: Die Kunden bringen viel mehr Fachwissen mit als früher, sind kostensensitiver und ­wünschen trotz allem eine persönliche Beratung. Es ist an der Zeit, mehr über Kundenbedürfnisse zu reden als über Produkte – seien es nun solche mit oder ohne Retrozessionen, einem nur schwer zu erschlagenden Drachen aus der alten, besseren Zeit.

Wenn die Finanzmärkte 2018 oder 2019 ins Negative drehen, muss sich die Branche fit getrimmt haben, insbesondere mit Hinblick auf ihre «Cost Income Ratio», also das Aufwand-Ertrag-Verhältnis. Während die stärksten Häuser 2017 eine von rund 60 Prozent aufwiesen, lag die Rate bei den Schwächsten bei besorgniser­regenden 100 Prozent. Grösse kann, muss dabei aber kein Kriterium sein, eher kommt es auf eine gesunde Marktstrategie und klare Fokussierung oder die richtige Nischenstrategie an. Wichtig ist auch die weitere und konsequente, wenn nicht ­sogar revolutionäre Modernisierung der Vermögensverwaltung.

Die Ausgaben in IT und Marketing müssen dann Früchte getragen haben und im Endeffekt muss der Neugeld­zufluss wirklich ein Fluss werden anstelle des bisherigen Rinnsals. Sonst droht der Branche ein weiterer Aderlass. Gemäss KPMG sind seit 2010 insgesamt 56 Geldhäuser verschwunden. Dabei handelte es sich vor allem um kleinere Privatbanken. Einige Institute verschwanden zwar dem Namen nach, doch leben heute weiter im Verbund der neuen Besitzer.

Die Branche befindet sich im rasanten Wandel, doch einige Dinge werden auch künftig gleich bleiben: Es gilt, den Kunden zuzuhören, ihre Anliegen ernst zu nehmen, die Vermögensverwaltungsdienste zu verbessern und nur dort zu sparen, wo es die Kunden nicht spüren. Dann kommen sie beinahe von selber. Oder laufen nicht davon.

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