Die grossen Versicherungen haben vergangenes Jahr viel unternommen, um in der digitalisierten Wirtschaft zu bestehen. Die Covid-19-Pandemie spielte natürlich eine Rolle: Während die Business-Seite teilweise deutlich mehr mit KMU-Kunden zu tun hatte, zahlten sich die bereits getätigten Investitionen in die Digitalisierung aus. Überall wurde weiter an den Digitalisierungsprojekten gearbeitet. Dabei zeigten sich unterschiedliche Schwerpunkte.

Tools für den Aussendienst

In den kommenden Jahren sollen Alli-anz-weit über das Allianz Customer Model Framework die Anzahl und Komplexität der Produkte und Prozesse reduziert und die Produkte verständlicher aufbereitet werden. «Ziel ist es, dass alle Allianz-Produkte zukünftig der gleichen inneren Logik folgen – im Bereich Car ebenso wie Home, und die Vorgänge sollen papierlos, einfach und intuitiv zu bewältigen sein», sagt Sprecher Bernd de Wall.

Ein weiteres Projekt war das neue BVG-Portal KLS. «Bis Ende 2020 wurden 8 von 14 Tranchen mit Verträgen des Kollektivlebens ins neue BVG-Portal migriert», erklärt de Wall weiter. Bis im Juli 2021 soll die Migration abgeschlossen werden. Zudem arbeitete man an der Digitalisierung der Beratung. Und mit Fast Quote hat man im ersten Quartal eine Benutzeroberfläche für die Verkaufsstellen der Kooperationspartner aus der Autobranche entwickelt.

Bei der Axa verfolgt man mit den wichtigsten Digitalisierungsprojekten im Bereich Unternehmenskunden unterschiedliche Ziele. «Beispielsweise das Schaffen von Schnittstellen und Systemen, die unseren Aussendienst dazu befähigen, seine Kundinnen und Kunden digital und strukturiert zu beraten», sagt Axa-Sprecher Marcel Rubin. «Aber auch die Abwicklung von Schadenfällen kann durch digitale Backoffice-Prozesse optimiert werden.» Die Versicherungsprodukte sollten zudem vereinfacht und dadurch digital abgeschlossen werden können.

Applikationen gehen in die Cloud

In der strategischen Phase «Simply Safe: Season 2» (die von 2022 bis 2025 reicht) möchte die Baloise zu einem technologiegetriebenen Finanzdienstleister werden, weshalb sie sich neben dem Versicherungskerngeschäft sowie Assetmanagement und Banking auf ihre dritte Strategiesäule «Diversifizierung des Geschäfts» fokussiert. «Die Ambition ist es, mit den (digitalen) Baloise-Innovationen in den Schwerpunktbereichen Home und Mobility bis 2025 eine Bewertung der Innovationen von 1 Milliarde Franken beziehungsweise zusätzliches Geschäftsvolumen in Höhe von 360 Millionen Franken zu erreichen», sagt Alexander Bockelmann, CTO der Baloise Group.

Besonders stolz ist man hier auf den digitalen Versicherer Friday, der 2020 sein Volumen verdoppeln konnte und in diesem Jahr in den französischen Markt expandieren soll. Weitere Projekte sind die eSI-Mobi-le-App, die den Prozess rund um die Schadenaufnahme komplett digitalisiert. «Durch die Online- Schadenmeldung haben wir den Prozess regelrecht revolutioniert», so Bockelmann. Als Grundlage für noch innovativere Lösungen in der Zukunft ist man dabei, die IT-Infrastruktur auf flexible und effiziente Cloud-Technologien umzustellen.

Autosense liefert Echtzeit-Informationen und Services zum Autofahren.

 

Auch bei der Helvetia hat man eine Cloud-Initiative. «Helvetia ist heute bereits mit über 30 Prozent ihrer Applikationen in der Cloud», so Sprecher Dominik Chiavi. Bis Ende dieses Jahres wird sich dies auf 45 Prozent erhöhen.

Der Chatbot Clara kann laut Chiavi auf der Basis künstlicher Intelligenz Texteingaben von Helvetia-Kundinnen und -Kunden interpretieren, passgenau beantworten und mit ihnen in den Dialog treten. «Im Zentrum steht bei den meisten Digitalisierungsprojekten die Kunden-Convenience», so Chiavi.

Einfachere Zugänge für Unternehmen

Die Mobiliar investiert mit der Initiative «Quantensprung» zwischen 2018 und 2025 etwa 50 Millionen Franken zusätzlich zum Projektportfolio-Budget und hat dazu laut eigenen Angaben zusätzliche Stellen geschaffen. «Positive Ergebnisse werden mittel- und langfristig erwartet und sind kurzfristig nicht primäres Ziel», sagt Mobiliar-Sprecherin Kim Allemann.

Die wichtigsten Projekte sind die Digitalisierung des Schadenprozess, inklusive elektronischen Schadendossiers und On-line-Schadenmeldung, digitalen Doku-menten-Managements (Scanning), der Digitalisierung von Vertrieb und Bestand, des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (bei spielsweise für die Vorbereitung von Offerten für KMU-Kunden) und der Neuentwicklung kleinerer digitaler Versicherungsprodukte («Aare-böötle»-Versicherung).

Eines der wichtigsten Digitalprojekte für KMU ist die im März 2020 von Zurich und UBS lancierte Online-Plattform mit Bancassurance- Produkten für Jungunternehmerinnen und -unternehmer, erklärt Zurich- Sprecher David Schaffner. «Auf der Plattform UBS Start Business finden Gründerinnen und Gründer ein Angebot, das es ihnen ermöglicht, eine Bank- und Versicherungsberatung zu erhalten.»

Weiter bietet Zurich Schweiz zusammen mit dem US-Unternehmen Cover-Wallet (mittlerweile von Aon gekauft) allen KMU und Mikrounternehmen die Möglichkeit, in wenigen Klicks die wichtigsten Versicherungen direkt und online abzuschliessen. Auch das Service-Portal Autosense (ein Joint Venture von Zurich, Swisscom und Amag) liefert neben dem klassischen Flottenmanagement Echt-zeit-Informationen und Services rund ums Autofahren. Für Grosskunden ist die kürzlich neu geschaffene globale Geschäftseinheit Zurich Resilience Solutions gedacht. «Das Angebot kombiniert Risikoberatungsdienste und -erkenntnisse zusammen mit den neusten Technologien und Tools», sagt Schaffner.