Während die wirtschaftliche und politische Weltelite am Davoser Zauberberg über die globale Wirtschaft diskutiert, herrscht in Pjöngjang Katerstimmung. Das Land leidet unter der Isolation. Der Handel mit dem wichtigsten Partner China ist im letzten Jahr eingebrochen. Und ein Blick in die Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zeigt: Auch der Handel mit der Schweiz ging stark zurück. 

Von Januar bis November 2018 exportierte die Schweiz Waren im Wert von knapp über 3 Millionen Franken nach Nordkorea. Das Gros davon besteht aus Nahrungsmitteln. Im Oktober und im November schickte die Schweiz laut EZV-Statistik zwei Ladungen an Fertigprodukten ins sanktionierte Land. Gegenwert: je knapp 1,6 Millionen Franken.

Derartige Lieferungen sind weitestgehend unproblematisch. Sie sind implizit ausgenommen von den internationalen Restriktionen. Die Handelsstatistik zeigt aber auch zwei Lieferungen von vermeintlichen Luxusgütern. Der Export derartiger Ware ist verboten. 

112 Uhren für Kim Jong-Un

Konkret ging im April und im August je eine Sendung von Schweizer Uhren in das Land, das von Kim Jong-Un regiert wird. Gegenwert: knapp 12'000 Franken. In der Summe handelt es sich laut Uhrenverband und EZV um 112 Zeitmesser. 

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Die Sendungen wurden dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gemeldet, wie Sprecher Fabian Maienfisch auf Anfrage sagt. Die Behörde habe «keine Einwände gegen eine Ausfuhr» geltend gemacht. Es handle sich um Uhren, deren Wert auf jeweils weniger als 1000 Franken beziffert seien. Entsprechend handle es sich nicht um «hochwertige» Ware, die vom Export ausgenommen sei. 

Tissot-Zeitmesser in Pjöngjang

Im Umkehrschluss heisst das: Eine Tissot-Uhr aus dem Swatch-Konzern könnte problemlos nach Nordkorea verschifft werden, wo das Jahreseinkommen laut der Weltbank bei knapp über 1000 Franken pro Kopf liegt. Viele der über 25 Millionen Bewohner Nordkoreas verdienen sogar noch weniger.

Das ist umso brisanter, als im letzten Frühjahr ein Medienbericht für Furore sorgte. Der amerikanischen Website «NKNews», die sich auf Nachrichten aus Nordkorea spezialisiert hat, wurden seinerzeit Fotos aus Pjöngjang zugespielt. Sie zeigen vermeintlich originale Tissot-Uhren.

Die Swatch-Tochter wollte seinerzeit weder bestätigen noch dementieren, dass Handelsbeziehungen nach Nordkorea gepflegt werden. Gegenüber der «Handelszeitung» hält Swatch-Sprecher Bastien Buss fest: «Wir sind in diesem Land weder aktiv, noch liefern wir dorthin. Es liegt auch nicht in unserer Absicht, in Nordkorea Geschäfte zu tätigen.» 

Viele Fälschungen im Umlauf

Buss weist darauf hin, dass es sich bei den Aufnahmen aus Nordkorea auch um Fälschungen handeln könnte. «Leider kann man sogar bei Amazon gefälschte Uhren kaufen», sagt Buss. Und weiter. «Im Jahr 2017 haben wir mehr als eine Million Fälschungen der Swatch-Group-Marken beschlagnahmt, was leider nur einen kleinen Teil der gesamten Fälschungsanzahl ausmacht.»

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Immerhin: Der Wert der Uhrenexporte nach Korea ist in den letzten Jahren zurückgegangen (siehe Grafik oben). 2012 summierten sich der Wert der Ausfuhren noch auf eine Viertelmillion Franken. Es folgte eine Halbierung im Jahr 2013. 2014 ging keine einzige Uhrensendung nach Nordkorea. Zuletzt, 2017, lag der Exportwert noch bei knapp über 21'000 Franken.

Bild einer Tissot in Nordkorea

Bildmontage von NK News: links die Aufnahme aus Nordkorea, rechts ein Screenshot von der Tissot-Homepage.

Quelle: NK News