Das Geschäft mit Spanien sollte Erleichterung bringen: Airlines wollten nach dem harten Corona-Schock im Frühjahr das Sommergeschäft so gut es ging retten, indem sie ihre Kundinnen und Kunden ans Meer und an die Sonne bringen. In den Sommerferien sind Länder wie Spanien dafür besonders gut geeignet. Kein Wunder, dass Anbieter wie Helvetic Airways Mallorca als erstes Ziel wählten, um nach dem Corona-Grounding wieder loszulegen.

Das Sommergeschäft hat Helvetic, Swiss, Edelweiss und Co. zwar den langersehnten Flugverkehr gebracht, den sie dringend brauchen, um ihre leeren Kassen etwas zu füllen. Doch nun gibt es abermals Hiobsbotschaften, seitdem auch die Balearen zum Risikogebiet gehören. Es droht Quarantäne. Hunderte Schweizer Touristen kehrten schnell zurück, um dem persönlichen Lockdown zu entgehen. Swiss und Edelweiss setzten grössere Flieger ein, um die Vielzahl von Ferienreisenden heim zu holen.

Spanien ist sehr wichtiger Markt

Niemand hatte erwartet, dass die coronbedingte Krise im Sommer komplett verschwunden sei, doch die Fluggesellschaften wollten zunehmend mehr Kapazität – sprich angebotene Sitzplätze – in den Markt drücken und langsam aber stetig wieder etwas wachsen.

Wenn aber nun Top-Destinationen wie die Balearen so unter Druck stehen, ist das ein herber Rückschlag. Spanien ist ohnehin eines der Epizentren in Sachen Pandemie, mit der höchsten Quote von Neuinfektionen bezogen auf die Bevölkerungszahl.

«Spanien ist für Airlines aus der Schweiz, Deutschland und Österreich ein sehr wichtiger Markt», sagt Max Oldorf von der Analysefirma ch-aviation in Chur. Mit Blick auf die angebotene Kapazität der Airlines für Flüge ab der Schweiz ist derzeit Spanien sogar der wichtigste Markt: In einer Rangliste, die ch-aviation für die «Handelszeitung» erstellt hat, folgen auf Spanien die Länder Frankreich, Deutschland, Portugal und Italien. «Diese fünf Länder machen mit 48 Prozent des Angebots also rund die Hälfte des gesamten Marktes aus», so Oldorf.

Anzeige

Wie soll man denn da planen?

Klar, nun sind die Sommerferien in der Schweiz vorbei und damit auch das Hochgeschäft Richtung Spanien und andere Sommerziele, doch kurzfristig verkündete Neueinträge auf staatlichen Risikolisten wie mit den Balearen werfen alle zaghaften Planungen von Tourismusanbietern und Arlines über den Haufen und verärgern so manche Konsumenten, die verreisen wollten oder schon vor Ort waren.

Die Aussichten sind ebenfalls schlecht. «Airlines hatten noch im Frühjahr gehofft, dass sich spätestens im Herbst die Situation wieder etwas entspannt, doch danach sieht es nicht aus», sagt Florian Dehne, Aviatk-Experte der Beratungsfirma Oliver Wyman. «Diese Krise ist schwer und lang.»

Saure Gurken auf der Langstrecke

Und Max Oldorf sagt: «Jetzt beginnt die saure-Gurken-Zeit für Airlines, das Sommergeschäft ist vorbei, der Herbst steht an.» Die kältere Jahreszeit ist in normalen Zeiten Startschuss für den Tourismusverkehr auf der Langstrecke. «Doch die Langstrecke zu klassischen Feriendestinationen wie die Karibik, Südamerika und Südostasien ist zu», sagt Florian Dehne. Wegen Corona gibt es dorthin kaum Passagiergeschäft. Langstreckenflüge werden in erster Linie geflogen, um Cargo zu transportieren.

Und auch der für europäische Airlines so lukrative Markt, die USA, bleibt bis auf wenige Ausnahmen zugesperrt für die meisten Reisenden.

Immerhin: Klassische Tourismusziele wie Griechenland oder auch Zypern sind offen. Doch die Frage in der Pandemie ist: Wie lange noch? Welches Land erlässt als nächstes neue Regeln?

Auch der Geschäftsreiseverkehr leidet

Zwar wollen viele Menschen wieder Normalität und verreisen, doch viele Länder sind für Touristen weiter geschlossen. Hinzu kommt die wirtschaftliche Unsicherheit die manche Konsumenten zögern lässt, teure Flugreisen zu buchen. Obendrein leidet der Geschäftsreiseverkehr immens, wenn Firmen derzeit ihren Angestellten verbieten, wegen der Pandemie zu fliegen oder generell lieber auf Video-Konferenzen setzen.

So stehen die Airlines einerseits immer noch unter hohen Druck, endlich ihren Kundinnen und Kunden das Geld für nicht durchgeführte Flüge zu erstatten. Andererseits werden sie weiter gezwungen sein, ihr Angebot zusammenzustreichen. Manche Unternehmen wie die Lufthansa-Gruppe inklusive Swiss und Edelweiss haben immerhin den Vorteil Staatshilfe organisiert zu haben, und können sich damit einigermassen über Wasser halten. Andere Fluggesellschaften, vor allem die Kleinen, habe es da deutlich schwerer.

«Fluggesellschaften müssen sich gut überlegen, welche Kapazität sie im Winter überhaupt noch anbieten wollen», sagt Dehne. Nun stehen erstmal die Herbstferien an – und alle bangen, dass die Risiko-Länderliste nicht ständig länger wird.

Hören Sie im Podcast: Helvetic-Airways-Chef Tobias Pogorevc im Interview

Lunch Topics: Das läuft jetzt

Abonnieren Sie den Newsletter der «Handelszeitung»-Chefredaktion – und Sie haben die wichtigsten Business-News. Stets zur Mittagszeit. Kostenlos.