Multi-Verwaltungsrat und Investor Andreas Schmid will es noch einmal wissen. Als Präsident der Beteiligungsgesellschaft Helvetica Capital (HC) mischt der Gategroup-Ex-Präsident jetzt die Schweizer KMU-Szene auf. Es geht um «Investitionen in Form eines Mehrheitserwerbs an Schweizer Firmen, idealerweise mit einer internationalen Tätigkeit». Zwei Drittel der Helvetica gehören dem Management, ein Drittel dem fünfköpfigen Verwaltungsrat, inklusive Präsident Schmid.

Die Helvetica Capital hat sich innert weniger Jahre zum grössten hiesigen Beteiligungsfonds für Schweizer KMU gemausert. Erst Ende 2018 bezog die Gesellschaft neue Büros in unmittelbarer Nähe der Credit Suisse am Paradeplatz. Der Fonds verwaltet drei Teile: das Wagniskapital der CS, diverse KMU-Beteiligungen und den Direktinvestitionsteil der Swiss Entrepreneur Foundation (SwissEF), den Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann für Startups ins Leben rief.

KMU-Scout mit privatem Geld

Der SwissEF ist auf Schiene: «Das erste Closing werden wir voraussichtlich gegen Ende des zweiten Quartals 2019 durchführen», sagt ein Sprecher. Es geht um ein Volumen von mehr als 100 Millionen Franken nach dem ersten Closing. Der Zielwert bis Ende Jahr: eine halbe Milliarde. Aber schon unmittelbar nach dem ersten Closing beginne die Investitionsphase.

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Das KMU-Geschäft läuft im Vergleich zum SwissEF schon jetzt auf Hochtouren. Mit der Helvetica steigt Schmid quasi als KMU-Scout aktiv in die Unternehmenswelt ein – indirekt mit der CS im Rücken und direkt «mit eigenem, privatem Geld» sowie der Beteiligung geldstarker Unternehmerfamilien.

Über den KMU-Teil der Helvetica hat Schmid als deren Präsident und Miteigner bereits bei mehr als 50 Investments im Wert von 400 Millionen Franken in der mittelgrossen Industrie der Deutschschweiz die Finger im Spiel. Vom Drohnenhersteller bis zum Werkzeugbauer. Unter dem Dach der Helvetica befinden sich Beteiligungen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe. Etwa am Tribünenbauer Nüssli, am Waschmaschinenhersteller Schulthess und am Werkzeugspezialisten Sphinx Tools.

Drei Investments mit Cashcow-Potenzial

Nüssli

Strategische und operative Kontrolle über 450 Mitarbeitende und 2000 Projekte weltweit. Nach verlustreichen Jahren und einem Sanierungskurs soll der Tribünenbauer 2019 wieder profitabel sein.

Schulthess Maschinen

Helvetica kaufte unlängst den Waschmaschinenhersteller von der schwedischen Nibe. Derzeit konzentriert sich die Firma fast ausschliesslich auf die Schweiz. Sukzessive soll das Geschäft nun internationalisiert werden.

Sphinx Tools

Beim Werkzeughersteller wurde der Finanzchef ersetzt. Der Betriebsgewinn wurde in zweieinhalb Jahren verdoppelt, die Firma Rieger zugekauft. Bis 2020 wird die Produktionsfläche verdoppelt.

Das Ziel der Helvetica: eine interne Portfoliorendite von rund 20 Prozent für jene Investoren, die ihr Geld in die KMU- undRisikobeteiligungen des Fonds stecken. «Das ist sicher sehr ambitioniert», so Schmid, sei aber nicht unerreichbar. «Wenn wir unsere Beteiligungen erfolgreich verkaufen können, dann wird uns das gelingen.»

Anders als Veraison

Das Letzte, was man im Zusammenhang mit Schmid hörte, waren seine Bemühungen, die Cateringfirma Gategroup an die chinesische HNA zu verkaufen. Dagegen gab es immensen Widerstand. Das öffentliche Dauerfeuer rund um den Deal hat Schmid überstanden.

Jetzt habe er bei der Helvetica etwas mehr Gelassenheit: «Und das ist gut so.» Die Helvetica sei kein börsenkotiertes Unternehmen. «Wir sind privat und müssen nicht in aller Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen.» Damit falle einiger Lärm rundherum weg, wie das bei börsenkotierten Firmen, bei denen er früher engagiert war, der Fall gewesen wäre.

Was ebenfalls hilft: Schmid muss nicht allein für den Erfolg geradestehen. Hinter den KMU-Investments der Helvetica steckt ein weit reichendes Netzwerk von mehr als einem Dutzend Unternehmerfamilien. Mithilfe dieser erwirbt der Fonds die KMU-Anteile und den Einsitz im Verwaltungsrat oder Management. Mit einer neuen Strategie für die Zielgesellschaft wird der Firmenwert gepusht, damit für die Investoren im Fall eines Exits dann die Gewinne sprudeln.

Das erinnert an den bisher einzigen Schweizer Aktivistenfonds Veraison. Von dem sich das HC-Management aber klar abgrenzt: «Wir kaufen uns nicht ums Eck ein, wir treten an die Unternehmer heran und schlagen eine Beteiligung vor», sagt HC-Chef Johannes Suter. Veraison sei ein Aktivist, der in der Öffentlichkeit auffalle, weil er mitunter gegen den Verwaltungsrat oder das Management agiere, so Suter.