Fällt die Skisaison wegen Corona aus?
Nein, davon gehen wir nicht aus. Sie wird aber anders sein.

Wie sieht Ihr Schutzkonzept aus?
Es gibt viele Massnahmen, um ein sicheres und unbeschwertes Erlebnis am Berg zu liefern. Im Skibetrieb werden wir auf eine konsequente Mund-Nasen-Bedeckung setzen – immer, wenn Menschen vor die Transportanlagen kommen und es zum Beispiel Schlangen gibt, aber auch so lange, bis man den Skilift wieder verlässt. Da gibt es keine Ausnahmen. Auch in Innenräumen muss Maske getragen werden. Das gilt natürlich auch für Mitarbeitende.

Werden alle Anlagen geöffnet?
Wir gehen nicht davon aus, dass man die Kapazitäten einschränken müsste.

Und beim Essen im Restaurant?
Die meiste Sorge macht uns die Gastronomie. Wir haben die grossen Selbstbedienungsrestaurants abgeschafft und digitale Lösungen etabliert: Man sitzt am Platz, bestellt mit dem Handy und wartet, bis das Essen kommt. Das ist der neue Customer-Flow. Es wird aber auch E-Kiosks zum Bestellen geben. Und wem das alles zu digital ist, kann auch bei einer Person bestellen. Das sind grosse Änderungen, es betrifft Tausende Kunden am Tag.

Was kommt noch?
Es gibt noch andere Wege, wie etwa dem Gast anzubieten, zum Essen auch mal ins Tal zu fahren, da ist dann mehr Platz am Mittag. Damit sich alles besser verteilt.

Ein kritischer Punkt ist Stau vor der Bergbahn. Wie lösen Sie das?
Ein schöner Skitag ganz ohne Stau ist nicht realistisch, daher achten wir konsequent auf Maskenpflicht, das hat im Sommer gut funktioniert.

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Markus Wolf CEO Weisse Arena

Markus Wolf: Chef der Weissen Arena

Quelle: ZVG

Der CEO

Markus Wolf ist offiziell seit Mai 2020 CEO der Weissen Arena, fing aber wegen der Krise bereits im März an. Vorgänger war Reto Gurtner, der die Bergbahnen Crap Sogn Gion in Laax von seinem Vater übernahm und sie 1996 mit den Bergbahnen Flims zur Weissen Arena Gruppe fusionierte. Gurtner ist Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats.

Wolf war von 2002 bis 2009 Leiter der Abteilung Sport beim Amt für Volksschule und Sport in Graubünden. Später war er beim Bundesamt für Sport in Bern als Chef Jugend- und Erwachsenensport und als Mitglied der Geschäftsleitung tätig. Von 2013 bis 2019 war Markus Wolf bei Swiss-Ski beschäftigt.

Vergangenes Jahr gab es bei Ihnen zur Hauptsaison ein Ticket-Chaos wegen Software-Problemen: Müssen Kunden damit abermals rechnen?
Sicher nicht. Wir haben diesen Sommer eines der modernsten Software-Netzwerke der Schweiz gebaut. Zudem haben wir mit allen Partnern die Schnittstellen optimiert und zusätzliche Sicherungen eingebaut.

Skifahren heisst oft auch Party. Wie verhindern Sie einen Superspreader-Event, damit Laax-Flims nicht zum Ischgl-Fall wird?
Auch beim Après-Ski gilt Maskenpflicht, also im Bar-Betrieb, bis man am Platz sitzt und Speisen und Getränke konsumiert. Einen Club-Betrieb wird es nicht geben.

Kein Tanzen auf dem Tisch ...
… nein, auch nicht neben dem Tisch. Und wenn alle Sitzplätze voll sind, gibt es auch keinen Zutritt mehr.

Was ist mit den Öffnungszeiten?
Wir öffnen um 8.30 Uhr, aber es wird auch Early-Bird-Angebote geben, damit man zum Beispiel morgens eine Stunde exklusiv fahren kann mit reduzierter Gästezahl. Das haben sich ältere Personen gewünscht.

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Wie wirkt sich die Krise auf die Preise aus für Skifahren, Hotel und Gastro: Werden Skiferien günstiger?
Ich gehe nicht davon aus, dass die Destinationen auf Dumpingpreise setzen, vor allem in Zeiten, in denen die Kosten gestiegen sind und die Kapazitäten sinken. Das wäre unternehmerischer Selbstmord. Ich rechne mit einem Preisniveau auf dem des Vorjahres.

Wie wollen Sie den Ausfall der vielen ausländischen Gäste kompensieren?
Wir haben einen sehr hohen Anteil Schweizer Gäste und solcher aus dem nahen Ausland. Im Sommer sahen wir, dass viele neue Schweizer Kunden gekommen sind. Vielleicht erleben wir einen Anstieg bei den Schweizer Individualtouristen.

Im Schnitt haben Sie im Winter pro Tag rund 8000 Menschen auf dem Berg. Wie wird es in der kommenden Saison?
Wir müssen damit rechnen, dass es einen Rückgang von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gibt. An den Wochenenden könnte es allerdings in Zukunft gleich viele oder gar mehr Leute als früher geben. Wir müssen dann eventuell über Kontingente nachdenken, also zeitweise den Zugang zum Berg limitieren. Das haben wir vorbereitet.

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Wie hat die Krise die Weisse Arena getroffen: Mussten Sie Mitarbeitende entlassen? Kurzarbeit?
Es hat massiv Kurzarbeit gegeben im März für rund 1000 Leute. Das galt auch für Saisoniers und hat uns sehr geholfen. Zudem hatten wir erhebliche Einnahmeverluste, nicht nur im Bahnbetrieb, sondern besonders auch in der Gastronomie. Hilfreich wäre, wenn Saisoniers wieder in die Kurzarbeit-Regelung übernommen worden wären. Das ist aber gemäss heutigem Wissensstand nicht möglich. Entlassungen hatten wir keine.

Seit Mai sind Sie CEO der Weissen Arena: Wie hart war der Start?
Ich habe tatsächlich schon im März angefangen, also mitten in der Krise. Es war ein Kick-Start.

Die Weisse Arena

Die Weisse Arena Gruppe vereint die Destination Flims, Laax und Falera. Dazu gehören 224 Pistenkilometer, 4 Snowparks und die weltgrössten Halfpipe sowie 250 Kilometer Wanderwege und 330 Kilometer Biketrails. Der Unterschied zu anderen Destinationen: Egal, ob Ski- und Bahnanlagen, Restaurants und Hotels: Die Weisse Arena betreibt und besitzt das gesamte Wintersportgebiet. Für die Saison 2019/2020 ergibt sich ein Umsatz von 88 Millionen Franken und ein Verlust von 1,6 Millionen Franken. Im Geschäftsjahr 2018/2019 waren es ein Umsatz von 97 Millionen Franken und ein Gewinn von 4,4 Millionen Franken.

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Sie haben übernommen von Reto Gurtner, der nun Präsident des Verwaltungsrats der Weissen Arena ist. Bedeutet das: Herr Gurtner hat die Ideen und Sie führen aus, zumal das Unternehmen ihn als «Visionär und Architekten» des Unternehmens bezeichnet?
Ich fühle mich gut in der Konstellation, Reto hat visionäre Kraft, ist aber auch froh, dass ich im Management übernehme. So ergänzen wir uns.

Welche Akzente wollen Sie setzen, zumal der Skisport längst kein Volkssport mehr ist?
Wir haben viele Herausforderungen, in der Corona-Krise ohnehin. Wir wollen unseren Front-Runner-Status erhalten und neue Ideen schneller umsetzen, als es bisher vielleicht möglich war. Hoch agil wollen wir sein, auch als Firma für junge Mitarbeitende der Generation Y und Z attraktiv sein.

Was ist das nächste grosse Ding am Berg? Ihr autonomes Gondelbahn-System?
Es gibt verschiedene Bahnprojekte in den kommenden Jahren. Das erste ist die Erschliessung von Cassons mit der Gemeinde Flims. Es wird ein autonomes System, das ist die Zukunft, die erste Etappe wird im nächsten Frühjahr gebaut. Wenn sich das System bewährt, könnte es auch in Laax und Falera sowie bei der Neuerschliessung des Vorabgletschers zum Einsatz kommen.

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Was sind Ihre Forderungen an die Politik? Corona-Tests wie am Flughafen oder mehr Geld für Schweiz Tourismus?
Kurzarbeit für Saisoniers würde helfen. Und generell: Wie stellt sich die Politik die Wintersaison vor? Tourismusdestinationen bräuchten auch Unterstützung, wenn es darum geht, eine grosse Zahl von Menschen präventiv auf Covid-19 zu testen. Wir als Unternehmen haben intern eine Lösung dafür gefunden, die wir implementieren könnten.